BayernCyberangriff legt Eichstätter Stadtverwaltung lahm

Die Stadt hat vorsorglich alle Server vom Netz genommen. Die Folge: Sämtliche Dienste sind lahmgelegt. Wovon die Ermittler aktuell ausgehen und was der Angriff für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet.
Eichstätt (dpa/lby) - Nach einem kriminellen Cyberangriff stellt sich die Stadt Eichstätt auf einen längeren Ausfall ihrer IT-Systeme ein. "Wir haben derzeit noch nicht einmal die Informationen, die uns als Grundlage dienen könnten, um zu sagen, wie lange das dauert", sagte Stadtsprecherin Sophie Fries. "Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor."
Wegen des Angriffs hatte die Stadt sämtliche Server vorsorglich vom Netz genommen, wodurch alle Dienste der Stadtverwaltung lahmgelegt wurden. Die Verwaltung war auch nicht mehr per E-Mail erreichbar, selbst die Telefonanlage fiel aus. "Wir arbeiten gerade daran, für die Bürgerinnen und Bürger eine Übersicht zu erstellen, was funktioniert und was nicht", erläuterte Fries.
Ermittler gehen von Ransomware-Angriff aus
Die eingeschalteten Ermittler gehen derweil von einem Ransomware-Angriff aus. Dabei werden für gewöhnlich die Daten auf einem IT-System mit einer Erpressungs-Software verschlüsselt und die Entschlüsselung nur gegen Zahlung eines Lösegeldes in Aussicht gestellt. Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zufolge wird den Opfern zudem immer häufiger zusätzlich mit der Veröffentlichung der zuvor entwendeten Daten gedroht.
Zwar stehe man noch ganz am Anfang der Auswertungen, betonte eine Sprecherin der bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelten Zentralstelle Cybercrime Bayern. Aber: "Nach aktuellen Erkenntnissen wurde versucht, in das System einzugreifen."
Angreifer noch unbekannt
Aus welcher Richtung der Angriff auf die Stadt Eichstätt stammt, können die Fachleute derzeit noch nicht sagen. Genauso wenig, ob und gegebenenfalls welche Daten abgeflossen sind. "Zum aktuellen Stand ist es wirklich schwierig, belastbare Einordnungen und Bewertungen zu dem Vorfall zu machen", sagte die Sprecherin der Zentralstelle.
Derzeit würden vorrangig technische Auswertungen durchgeführt. Gerade die Verfolgung von Ransomware-Angriffen sei aufwendig und schwierig, weil "eine Vielzahl von digitalen Spuren" ausgewertet werden müsse, erläuterte die Expertin.
Rathaus in dringenden Fällen persönlich und per Hotline erreichbar
Der Cyberangriff war Fries zufolge am Montagmorgen aufgefallen. Die oberbayerische Kommune arbeite nun eng mit Polizei und Landeskriminalamt zusammen; so seien LKA-Forensiker bis zum Montagabend im Rathaus gewesen.
Die Abteilungen des Rathauses bleiben derweil vorerst geschlossen. In dringenden Angelegenheiten wie Sterbeurkunden können sich die Bürgerinnen und Bürger an einen Infopunkt im Eingangsbereich des Rathauses wenden. Für Notfälle wurde auch eine Hotline eingerichtet, die seit Dienstagmorgen erreichbar ist. Die Nachfrage sei zunächst aber sehr zurückhaltend gewesen, Fries am Mittag. "Bis jetzt hält sich das in Grenzen, die Leute sind alle sehr verständnisvoll."
Die Stadt kommuniziert derzeit über ihre Homepage und die sozialen Medien. Sie rät zudem allen Bürgerinnen und Bürgern zur Vorsicht, wenn diese vermeintliche Mitteilungen oder Aufforderungen von der Stadt erhalten. "Vor allem aktuelle Rechnungen aus dem Rathaus sollten gründlich geprüft werden, bevor sie beglichen werden, um betrügerische Fälschungen zu vermeiden", heißt es auf der Homepage der Stadt.