Rath around the world Ein Garten Eden im Indischen Ozean - für rund 2000 Euro pro Nacht
Von Carsten K. Rath 
Granitfelsen groß wie Häuser, tropischer Urwald und mittendrin ein Resort, das nahezu unsichtbar ist: Auf der Seychellen-Insel Félicité erlebt unser Autor seinen persönlichen Garten Eden - radikale Privatsphäre, Stealth-Architektur und eine Natur, die hier die Hauptrolle spielt.
Schon die Anreise nach Félicité ist ein Genuss. Mit Qatar Airways fliege ich über Doha nach Mahé. Da unterwegs noch Arbeit wartet, wird Starlink für mich zum echten Luxus: Schon vor dem Start bin ich im Flugzeug online, kann große Datenmengen übertragen und sogar Videokonferenzen führen. In der Business Class bestimme ich selbst, wann meine Mahlzeiten serviert werden. Beim Umstieg in Doha führt mich Brenda vom Al Maha Service nachts um drei bestens gelaunt auf kurzen Wegen durch den riesigen Hamad International Airport.
In der Lounge gibt es À-la-carte-Gerichte, die frisch zubereitet werden, und zum Boarding werde ich persönlich abgeholt und bis zum Flugzeug begleitet. Selten beginnt für mich eine Reise schon auf dem Weg zum eigentlichen Ziel mit so viel Service Excellence.
Der Helikopterflug von Mahé zur 264 Quadratmeter großen Insel Félicité dauert rund 20 Minuten. Das "Six Senses Zil Pasyon" beansprucht davon ein Drittel. Der Rest gehört Granitfelsen, dichtem tropischem Grün und drei Sandstränden.
Ankunft im Garten Eden
Ich fühle mich schnell wie im Garten Eden. Kokospalmen, Bananenstauden, tropische Früchte und Gemüse wachsen in verschwenderischer Fülle, dazwischen liegen gewaltige Granitblöcke, als hätte sie jemand aus einer anderen Welt hier abgesetzt. Ein Weg führt mich zwischen diesen Felsen hinauf, dichter Dschungel ringsum. Ein bisschen "Jurassic Park", denke ich - allerdings in der paradiesischen Variante.
Und dann passiert etwas, das mich während des gesamten Aufenthalts begleitet: Das Hotel verschwindet. Villen, Wege, Pools und Rückzugsorte ordnen sich der Landschaft unter. Nirgendwo habe ich das Gefühl, dass die Natur zur Kulisse für ein Resort degradiert wurde. Eher scheint das Resort Gast auf dieser Insel zu sein.
Architektur mit Tarnkappe
Der britische Architekt Richard Hywel Evans entwickelte für Zil Pasyon eine "Stealth Architecture" - eine Architektur, die möglichst wenig Aufmerksamkeit für sich selbst beansprucht. Große Glasflächen holen die Landschaft in die Räume, helle Eiche und Naturstein greifen ihre Farben auf, Außenbereiche und Gärten folgen der vorhandenen Topografie.
Konsequent zeigt sich diese Idee in den 30 Villen. Sie besitzen eigene Infinitypools und großzügige Terrassen, doch für mich liegt ihr eigentlicher Luxus weder in Quadratmetern noch in Ausstattung. Es ist das Gefühl, vollkommen für mich zu sein.
Selbst bei voller Belegung dürfte sich daran wenig ändern. Ich entdecke auf Félicité Dutzende individuell gestaltete Plätze: zwischen Felsen, an den Stränden, unmittelbar am Wasser oder versteckt im Grün. Wer Gesellschaft sucht, geht ins Restaurant oder an den Pool. Wer allein sein möchte, bleibt allein.
Natur ist im Zil Pasyon keine Dekoration
Dass sich die Architektur zurücknimmt, gehört zur Haltung von "Six Senses". Die zur IHG-Gruppe gehörende Luxusmarke verbindet ihre Häuser seit jeher eng mit Wellness, Nachhaltigkeit und dem jeweiligen lokalen Ökosystem. Auf Félicité soll die Natur möglichst viel Raum behalten. Bedrohte Pflanzenarten werden nachgezogen und auf der Insel wieder ausgepflanzt. Technische Lösungen reduzieren den Energieverbrauch der Villen. Öffnen sich beispielsweise Türen oder Fenster, reagiert die Klimasteuerung automatisch.
Nachhaltigkeit wird aber auch dort sichtbar, wo ich sie besonders gerne entdecke: auf dem Teller. Im Garten wachsen Früchte, Gemüse und Kräuter, vieles gelangt auf kurzem Weg in die Küche. Diese Haltung prägt das gesamte Resort. Der neue General Manager Benjamin Kreuz führt ein Haus, in dem Luxus nicht über Status definiert wird, sondern über Individualität, Privatsphäre und die Nähe zur Natur. Genau diese Kombination beschreibt "Zil Pasyon" für mich erstaunlich präzise.
Ein GEM statt eines Butlers
Die Bezeichnung für den persönlichen Ansprechpartner verrät etwas über die Philosophie. Butler gibt es hier offiziell keine. Mein GEM - Guest Experience Maker - soll weniger bedienen als meinen Aufenthalt gestalten. Er organisiert, improvisiert, merkt sich Vorlieben und ist rund um die Uhr erreichbar.
Diese Individualisierung spüre ich auch beim Essen. In der Ocean Kitchen sitze ich unmittelbar am Meer. Fleisch steht hier bewusst nicht auf der Karte, dafür Fisch und Meeresfrüchte aus lokalen Gewässern sowie Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Garten. Viel besser lässt sich "Ocean to Table" kaum übersetzen.
Später treffe ich Sommelier Acul zum Weintasting. Bevor er eine Flasche öffnet, interessiert ihn vor allem, was ich trinken möchte. Weiß oder Rot? Welche Region? Welche Stilistik? Daraus stellt er das Tasting individuell zusammen. Bei Sonnenuntergang probiere ich einen Pouilly-Fuissé und einen Artemis Cabernet Sauvignon aus dem Napa Valley. Der Weinkeller ist hervorragend bestückt, das Setting wunderbar - und wieder geht es weniger um das größtmögliche Etikett als um den persönlichen Geschmack.
Island Café, Lakanbiz mit seiner Rum-Auswahl, Koko Bar und private Dinner an unterschiedlichen Plätzen der Insel erweitern das kulinarische Spektrum. Und dann gibt es noch dieses kleine Six-Senses-Augenzwinkern: Am Hauptpool fährt ein Ice-Cream Bike vor, auf dem täglich wechselndes hausgemachtes Eis angeboten wird.
Wellness zwischen Felsen und Meer
Der Weg zum Spa führt mitten hinein in die spektakuläre Natur Félicités. Ich gehe bergauf, vorbei an gewaltigen Granitblöcken, die aussehen, als hätten sie seit Urzeiten auf diesem Platz gelegen. Dazwischen tropisches Grün, immer wieder öffnet sich der Blick auf den Indischen Ozean. Mein "Jurassic Park"-Gefühl ist wieder da - nur wesentlich friedlicher.
Was mich dort erwartet, gehört zu den außergewöhnlichsten Spa-Erlebnissen, die ich je erlebt habe. Statt eines klassischen Wellnessbereichs verteilen sich fünf einzelne Behandlungsvillen zwischen und auf den Felsen. Dazu kommen Sauna, Dampfbad sowie ein Yoga- und Meditationspavillon. Mein Lieblingsplatz liegt draußen: ein erhöhter Salzwasserpool unter freiem Himmel, umgeben von Granit und Vegetation.
Wenn acht Menschen am Steg winken
Am Ende meines Aufenthalts wartet die vielleicht schönste Szene. Zur Verabschiedung stehen Direktor, stellvertretender Direktor, Küchenchef und weitere Mitarbeiter bereit, die mir hinterherwinken. Ich halte das zunächst für eine besonders herzliche Verabschiedung. Erst später entdecke ich, dass im Hintergrund jemand die Szene gefilmt hat. Als ich längst unterwegs bin, schickt mir mein GEM per WhatsApp das kleine Abschiedsvideo und persönliche Grüße hinterher.
Vielleicht erklärt dieser Moment besser als jeder Infinitypool, warum ich Zil Pasyon für eines der besten Hotels halte, die ich in den vergangenen Jahren erlebt habe. Als Gründer des Rankings "Die 101 Besten" beschäftige ich mich seit Jahren intensiv mit Spitzenhotellerie - umso seltener verlasse ich ein Haus mit einem derart starken Eindruck. Stealth-Architektur kann Gebäude verschwinden lassen. Großartige Gastgeber sorgen dafür, dass ein Hotel dennoch in Erinnerung bleibt.
Raths Reise-Rating:
1. Ganz großes Kino
2. Wenn's nur immer so wäre
3. Hohes Niveau, mit ein paar wenigen Schwächen
4. So lala, nicht oh, là, là
5. Besser als im Hostel
6. Ausdrückliche Reisewarnung
Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel-Rankings im deutschsprachigen Raum die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor der Bücher "Die 101 besten Hotels Deutschlands". Mit seinem Ranking kam er im Jahr 2024 erstmals in die Schweiz. Bestellen Sie das Buch gerne per E-Mail an board@i-sle.ch oder online unter:
https://die-101-besten.de/interesse-am-buchband-die-101-besten-hotels-deutschlands-2026/
Jetzt neu: PODCAST – "Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101" von Carsten K. Rath, der bei den besten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. Zu hören unter anderem bei Apple und Spotify.