Handhabung, Genauigkeit, Extras Blutdruckmessgeräte im Test - für welches schlägt unser Herz?
Von Christoph Dörr
Hoher Blutdruck ist tückisch: Wird er nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das weitreichende Folgen für die Gesundheit haben. Für den ntv Produkt-Check testen wir fünf Blutdruckmessgeräte für den Oberarm.
Es ist ein Thema, bei dem man auf sein Herz hören sollte. „Die regelmäßige Selbstkontrolle des Verlaufs ist entscheidend, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen“, sagt Katja Pröhl. Die leitende Krankenschwester steht uns für den Produkt-Check als Expertin beratend zur Seite. Dabei ist eine Blutdruckmessung im Grunde simpel. Manschette anlegen, Knopf drücken, Werte ablesen. Doch ganz so einfach ist der Vergleich der Geräte nicht: Wie unkompliziert gelingt die Messung, wie zuverlässig sind die Werte – und welche Funktionen sind im Alltag wirklich hilfreich?
Welches Blutdruckmessgerät misst am besten - das Fazit
In unserem Test sichert sich das smarte OMRON-Blutdruckmessgerät* den Testsieg. Es ist klinisch validiert und erkennt bei der Blutdruckmessung auch mögliche Anzeichen für Vorhofflimmern. Im Praxistest überzeugt es mit seiner hohen Messgenauigkeit. Günstiger ist das Braun ExactFit™ 2 Oberarm Blutdruckmessgerät*. Es lässt sich unkompliziert bedienen und liefert in unserem Test zuverlässige Werte, wenn die Messregeln konsequent eingehalten werden.
So testen wir die Blutdruckmessgeräte von Braun, Beurer, Omron und Co.
Für unseren Test messen zwei Frauen und ein Mann mit jedem Blutdruckmessgerät. Die Manschette sitzt dabei am linken Oberarm. Geräte für den Oberarm haben einen praktischen Vorteil: Die Messposition auf Herzhöhe lässt sich recht einfach korrekt einhalten. Vor jeder Messung nehmen sich unsere Testpersonen fünf Minuten Zeit und kommen zur Ruhe. Sie sitzen aufrecht, mit dem Rücken angelehnt und beiden Füßen auf dem Boden. Das sei wichtig, um eine aussagekräftige Messung zu erhalten, erklärt unsere Expertin Katja Pröhl. Der Arm liegt entspannt und abgestützt auf Herzhöhe – „ein Kissen ist okay“, so die leitende Krankenschwester.
Während der Messung gilt: nicht bewegen, nicht sprechen – und auch das Handy bleibt liegen. Auf Kaffee und Rauchen verzichten die Testpersonen vorab ebenfalls, damit die Werte möglichst wenig beeinflusst werden. Mit jedem Gerät messen wir dreimal und legen zwischen den Messungen Pausen ein. Anschließend vergleichen wir die ermittelten Blutdruckwerte. Zusätzlich dokumentieren wir unter anderem, wie lange eine Messung dauert, wie laut das Gerät arbeitet und wie unkompliziert Manschette und Bedienung im Alltag sind.
Wichtige Kriterien sind:
Messgenauigkeit: Wie zuverlässig und reproduzierbar sind die ermittelten Werte?
Bedienung: Wie einfach gelingen Anlegen, Messung und Ablesen?
Preis-Leistungs-Verhältnis: Wie viel Messqualität, Komfort und Ausstattung gibt es fürs Geld?
Die fünf Blutdruckmessgeräte im Test
Testsieger: OMRON X7 Smart AFib Oberarm-Blutdruckmessgerät, circa 77 Euro*
Preis-Leistungs-Sieger: Braun ExactFit™ 2 Oberarm Blutdruckmessgerät, circa 35 Euro*
Hinweis: Die Verkaufspreise können sich jederzeit ändern, Händler passen ihre Preise oft unabhängig von der unverbindlichen Empfehlung des Herstellers an.
Testsieger: Omron X7 Smart AFib Oberarm-Blutdruckmessgerät
Kurz und knapp: Unser Testsieger überzeugt mit hoher Messgenauigkeit und umfangreichen Funktionen, die über eine reine Blutdruckmessung hinausgehen. Dafür gehört er zu den teureren Geräten im Test.
Der Testsieger punktet mit Extras, die kein anderes Gerät im ntv Produkt-Check bietet. Das Omron X7 Smart AFib kann während der Blutdruckmessung mögliche Anzeichen für Vorhofflimmern erkennen. Zudem ist das Gerät klinisch validiert und überzeugt uns im Praxistest mit zuverlässigen Messwerten.
Die Manschette ist röhrenförmig vorgeformt, was sich vor allem bei schlanken Armen komfortabel anfühlt. Bei einem kräftigeren Oberarm kann es dagegen etwas umständlicher sein, sie allein über den Arm zu ziehen. Das Display ist das größte im Test. Praktisch: Neben dem aktuellen Wert erscheint auch die vorherige Messung zum direkten Vergleich. Die Ergebnisse lassen sich für zwei Personen getrennt speichern, per Knopfdruck wird zwischen den beiden Nutzern gewechselt.
Das OMRON X7 Smart AFib* ist zugleich das größte und schwerste Blutdruckmessgerät im Test. Für unterwegs ist es damit weniger handlich. Dafür lässt es sich mit einer App verbinden. Die Messwerte landen so auf dem Smartphone, Blutdruckverläufe werden übersichtlich dargestellt und die Daten lassen sich bei Bedarf mit Ärzten teilen. Ganz reibungslos scheint das in der Praxis allerdings nicht bei allen zu funktionieren. Die Bewertungen der Omron-App fallen durchwachsen aus: Viele Nutzer schätzen die grundsätzlichen Möglichkeiten, andere berichten von Bluetooth-Verbindungsabbrüchen, Problemen bei der Synchronisierung und einer nur durchschnittlichen Bedienbarkeit.
Preis-Leistungs-Sieger: Braun ExactFit™ 2 Oberarm-Blutdruckmessgerät
Kurz und knapp: Das Braun ExactFit™ 2 bietet für seinen Preis viel: Es ist unkompliziert zu bedienen und liefert bei korrekter Anwendung zuverlässige Messwerte. Damit ist es unser Preis-Leistungs-Sieger.
Die Manschette des Braun ExactFit™ 2 lässt sich schnell und problemlos anlegen und schmiegt sich angenehm an den Arm. Das ist ein echter Pluspunkt für Einsteiger und auch für Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Ebenso unkompliziert ist die Bedienung: Das Gerät kommt mit gerade einmal zwei Knöpfen aus.
Der Preis-Leistungs-Sieger ist mit 40 Dezibel das leiseste Gerät im Produkt-Check – und misst gleichzeitig am schnellsten. Anders als die übrigen Modelle ermittelt das Braun den Blutdruck bereits beim Aufpumpen der Manschette (Inflation) und nicht erst beim Ablassen des Drucks (Deflation). Unsere Testpersonen empfinden das als angenehm, weil sich die Manschette weniger stark um den Arm zusammenzieht. Die schnelle Messung verlangt allerdings Ruhe: „Aufgrund der Geschwindigkeit der Messung sind die Werte etwas weniger präzise. Schon kleinste Armbewegungen können zu Ungenauigkeiten führen“, erklärt Katja Pröhl. Umso wichtiger ist es beim Braun, während der Messung still zu sitzen und die Messregeln einzuhalten.
Ist die Messung beendet, hilft eine farbige Anzeige bei der ersten Einordnung des Ergebnisses. Ein kleines Herz leuchtet je nach Messwert grün, gelb, orange oder rot. Kleine Abstriche gibt es beim Braun ExactFit™ 2 Oberarm Blutdruckmessgerät* bei der Ausstattung: Messwerte lassen sich nur für eine Person speichern, eine Aufbewahrungstasche gehört ebenfalls nicht zum Lieferumfang.
Beurer BM 27 Oberarm-Blutdruckmessgerät – kompakt und kräftig
Kurz und knapp: Das Beurer BM 27 erweist sich im Test als solides Blutdruckmessgerät, bietet Speicherplätze für die ganze Familie und gehört dabei zu den günstigeren Modellen im Vergleich.
Beim Beurer BM 27 sind Menschen mit kräftigeren Armen im Vorteil: Die Manschette sitzt bequem und besitzt einen besonders langen Klettverschluss. Krankenschwester Katja Pröhl bewertet die stabile Konstruktion positiv: „Je dicker der Arm oder je höher der Blutdruck, desto wichtiger ist ein kräftiger Klettverschluss, damit der nicht aufplatzen kann.“ Die Kehrseite spüren wir beim Ablegen: Der lange Klettverschluss lässt sich entsprechend mühsamer öffnen. Vor allem bei einem schlanken Arm wirkt das etwas umständlich.
Nicht ganz optimal ist auch der vergleichsweise kurze Schlauch zwischen Manschette und Messgerät. Auf dem Display wiederum ist reichlich los: Weil viele Informationen gleichzeitig erscheinen, finden wir die Anzeige weniger übersichtlich als bei anderen Kandidaten. Eine Farbskala ordnet den gemessenen Blutdruck ein, ist auf den ersten Blick aber weniger gut zu erfassen als die Farbanzeige beim Braun ExactFit™ 2.
Auch bei der Messgeschwindigkeit lässt sich das Beurer Zeit. Dafür spielt das Beurer BM 27 Oberarm-Blutdruckmessgerät* seine Stärke aus, wenn mehrere Menschen dasselbe Gerät nutzen: Messwerte können für bis zu vier Personen getrennt gespeichert werden. Praktisch ist außerdem die Erkennung möglicher Anwendungsfehler. Und ein charmantes Detail gibt es obendrauf: Zum handschriftlichen Eintragen der Werte liegt sogar ein klassischer Blutdruckpass bei.
Medisana BU 510 Oberarm-Blutdruckmessgerät - praktisch und präzise
Kurz und knapp: Es macht, was es soll – und das gut: Das Medisana BU 510 misst in unserem Test zuverlässig, ist unkompliziert in der Handhabung und gehört zu den günstigeren Geräten im Vergleich.
Auch beim Medisana haftet der Klettverschluss der Manschette ausgesprochen fest. Das sorgt für sicheren Halt, kostet beim Öffnen allerdings etwas Kraft. Auf längere Sicht kann die kräftige Haftung durchaus von Vorteil sein: Zumindest macht der Verschluss nicht den Eindruck, als würde er allzu schnell nachlassen. Dafür macht es uns das Gerät an anderer Stelle leicht: Die Tasten sind angenehm groß, ebenso die Messwerte auf dem Display. Praktisch ist auch, dass die Zahlen vergleichsweise lange angezeigt werden, bevor das Display erlischt.
Überhören lässt sich das Medisana* allerdings kaum. Mit 60 bis 67 Dezibel beim Aufpumpen ist es das lauteste Blutdruckmessgerät im Test. Zur Einordnung: Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Föns oder Staubsaugers aus einigen Metern Entfernung. Die Messung beeinträchtigt das nicht, im direkten Vergleich fällt das Betriebsgeräusch aber auf.
Der Datenspeicher ist für zwei Personen ausgelegt. Gut gefällt uns außerdem der lange Verbindungsschlauch: Er reicht bequem vom Oberarm bis zum Messgerät auf dem Tisch. Unterm Strich konzentriert sich das Medisana damit auf das Wesentliche – ohne viele Extras, aber mit unkomplizierter Bedienung und zuverlässigen Messwerten.
Cazon Oberarm-Blutdruckmessgerät - günstig und übersichtlich
Kurz und knapp: Das Cazon erledigt seine Aufgabe solide und gehört zu den günstigeren Blutdruckmessgeräten im Test. Dafür muss man bei Bedienung und Ausstattung kleinere Abstriche machen.
Beim Öffnen der Manschette fällt sofort auf: Der Klettverschluss leistet von allen Testkandidaten den geringsten Widerstand. Das passt zur vergleichsweise kleinen Klettfläche. Pumpt sich die Manschette stärker auf, spüren wir den Druck am Arm deutlicher als bei den anderen Modellen. Gut gefällt uns dagegen die Anzeige: Die Messwerte erscheinen schön übersichtlich auf dem Display, auch die dazugehörige Farbskala lässt sich leicht verstehen.
Gespart wird ein wenig beim Zubehör. Eine richtige Aufbewahrungstasche fehlt, außerdem sind beim Cazon als einzigem Gerät im Test keine Batterien im Lieferumfang enthalten. Dafür liegt ein USB-Kabel bei, über das sich das Cazon Blutdruckmessgerät* mit Strom versorgen lässt. Mit einem passenden Netzteil kann es damit auch an der Steckdose betrieben werden. Unterm Strich bietet das Cazon wenig Schnickschnack, aber eine übersichtliche Anzeige und die wichtigsten Funktionen zum vergleichsweise kleinen Preis.
Blutdruckmessgeräte richtig nutzen: Das ist wichtig
Für alle Geräte im Test gilt: Bei wiederholten Messungen stellen wir nur geringe Abweichungen zwischen den ermittelten Werten fest. Die fünf Modelle eignen sich für Oberarmumfänge von ungefähr 22 bis 42 Zentimetern und können unregelmäßige Herzschläge anzeigen. Die Gebrauchsanweisungen sind ausführlich und erklären die Bedienung auch mit Grafiken. Ein kleines, aber gerade für ältere Nutzer relevantes Manko: Die Schrift fällt oft recht klein aus – ohne Lesebrille kann es dann schwierig werden.
Bei jeder Blutdruckmessung erscheinen zwei Werte: der systolische und der diastolische Blutdruck. Der obere, systolische Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt. Der untere, diastolische Wert beschreibt den Druck, wenn sich der Herzmuskel wieder entspannt.
Ein einzelner erhöhter Messwert bedeutet dabei noch nicht automatisch Bluthochdruck. „Bei den Messungen unterscheidet man kurzfristige Anstiege, die normal sind, von dauerhaft erhöhtem Blutdruck (Hypertonie)“, erklärt Krankenschwester Katja Pröhl. Verschiedene Faktoren können Bluthochdruck begünstigen, darunter Übergewicht, genetische Veranlagung, Stress und bestimmte Erkrankungen. Wer über längere Zeit erhöhte Werte misst, sollte das ärztlich abklären lassen, rät unsere Expertin.
*Die Testredaktion rund um den "ntv Produkt-Check" ist unabhängig, erwirbt alle Produkte auf eigene Kosten, führt Tests durch und bewertet nach objektiven Kriterien. Wenn Sie ein Produkt über einen Link kaufen sollten, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich dadurch nicht.
Dieser Artikel erschien erstmalig am 20. Januar 2026 und wurde danach redaktionell überarbeitet.





