Streamer verfolgt Fabian KösterWurde "heute show"-Reporter bedrängt? - Landtagsverwaltung prüft

Der ZDF "heute show"-Reporter Köster fühlt AfD-Politikern nach der konstituierenden Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt satirisch auf den Zahn. Im Anschluss folgt ihm ein Streamer und stellt ihm Fragen, obwohl er dies ablehnt. Der Landtag will die Vorgänge nun prüfen.
Nachdem bei der konstituierenden Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt "heute show"-Reporter Fabian Köster von einem Streamer bei der Arbeit bedrängt worden war, prüft die Landtagsverwaltung den Vorfall. Die Ereignisse würden derzeit analysiert, teilte eine Sprecherin des Landtags mit. Die Landtagsverwaltung werde zukünftig stärker Sorge dafür tragen, sowohl ungehinderte Freiräume zur Ausübung der Pressefreiheit als auch einen ungestörten Aufenthalt von Abgeordneten, Journalisten und Gästen im Landtag zu gewährleisten. Bei Verstößen könne es nach Ermahnungen auch zu Verweisen bis hin zu Hausverboten kommen.
Ein Filmer des YouTube-Kanals "Deutschland-Kurier" soll Köster während der Dreharbeiten im Magdeburger Landtag verfolgt und bedrängt haben. Der Kanal veröffentlichte selbst ein Video, das entsprechende Szenen mit dem Filmer und Köster aus dem Landtag zeigt. Darin ist das Gespräch des "heute show"-Reporters mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zu sehen. Nach dessen Ende geht Köster, und der Streamer folgt ihm. Zunächst fragt er ihn: "Warum zittern Sie denn immer so? Sind Sie aufgeregt, wenn Sie mit dem Herrn Siegmund reden?" Dann fragt er ihn, wie viel Geld er denn bekomme - "von Zwangsgebühren".
Köster entgegnet, dass er keine Interviews gebe, wenn er bei der Arbeit sei. Der Streamer fragt: "Warum nicht?" und folgt Köster weiterhin. Der Streamer fragt, ob sich Köster denn freue, dass jetzt ein AfDler Landtagspräsident ist. Auf die erneute Frage, warum er denn nichts sagen wolle, entgegnet Köster erneut, dass er keine Interviews während der Arbeit gebe.
Viele AfD-Autoren schreiben für "Deutschland-Kurier"
Der "Deutschland-Kurier" existiert seit 2017. Ursprünglich wurde er vom Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten herausgegeben. Der Verein löste sich 2022 jedoch auf. Seit 2018 gibt die Conservare Communications GmbH die Publikation heraus. Der Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten hatte zuvor bereits ein "Extrablatt" in mehreren Bundesländern veröffentlicht und kostenlos in Hunderttausenden Haushalten verteilt. Darin wurde zur Wahl der AfD bei den jeweils anstehenden Landtagswahlen aufgerufen.
Die Nähe zur AfD ist auch inhaltlich mehr als deutlich. Chefredakteur David Bendels bezeichnete die Partei vor Jahren in einem Interview der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" als momentan "die einzig wählbare Partei". Unter den Autoren und Kolumnisten hat die übergroße Mehrheit ein AfD-Parteibuch. Aber auch Rolf Schlierer, ehemaliger Chef der Republikaner und FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz haben bereits für den "Deutschland-Kurier" geschrieben. Schlierer gründete ursprünglich den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten. Bendels hatte dort die Geschäftsführung inne.
Bereits vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte es vor allem im Umfeld von AfD-Wahlkampfveranstaltungen ähnliche Vorfälle gegeben, in denen rechte Streamer Journalisten bedrängt hatten. Die Deutsche Journalisten-Union (dju) sprach von mindestens 30 Vorfällen im Umfeld von AfD-Wahlkampfveranstaltungen. Nach einem Vorfall mit einer Reporterin des "Spiegels" hatte die AfD einem Streamer Vorgaben für den Besuch von Veranstaltungen gemacht.
Am Abend der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte etwa ein Youtuber, der offen für die AfD wirbt, Journalisten im Pressebereich der AfD-Wahlparty bedrängt. Sein Video, in dem er immer wieder eine Journalistin des "Spiegels" mit Fragen löcherte und ihr folgte, erreichte Tausende Menschen. Es führte innerhalb der AfD zu Diskussionen über den Umgang mit Streamern. Ulrich Siegmund hatte zuvor die Bedeutung von Streamern für den AfD-Wahlerfolg hervorgehoben und sich bei ihnen für ihre Arbeit bedankt.

