Winkel als JU-Chef bestätigtWüst warnt beim Parteinachwuchs vor politischen Rändern

Merz, Söder und Wüst sprechen an diesem Wochenende vor den Delegierten der Jungen Union. JU-Vorsitzender Johannes Winkel betont vorsorglich, dass dies "kein Kanzler-Casting" werden solle. NRW-Ministerpräsident Wüst sieht Deutschland in einem "ernsten Zustand".
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat bei dem JU-Treffen vor politischen Extremisten von links und rechts gewarnt. Besonders scharf kritisierte Wüst beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Bonn die Sondierungen von Linken, Grünen und SPD nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin. "Die Verhandlungen in Berlin mit dem Ziel, die Linke an die Macht zu bringen, sind eine Schande für die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland", rief Wüst unter dem Applaus der JU-Delegierten.
"Das Gift des Antisemitismus ist tief eingesickert in die Berliner Linke. Es liegt jetzt an SPD und Grünen, diese Schande zu beenden", sagte der CDU-Politiker. Wer gemeinsam mit "kriminellen Clans und Israel-Hassern" Wahlkampf mache, dürfe niemals in eine Regierung kommen.
Zugleich warnte Wüst vor der AfD nach deren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. "Parteien wie die AfD sind Verbündete der Feinde Deutschlands und der Feinde Europas", sagte Wüst und nannte Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump. "Die plappern nach, was Putin sagt, wie die Papageien."
Die 39 AfD-Abgeordneten im neuen Magdeburger Landtag nannte Wüst eine Gruppe von "Rechtsextremisten, Verrückten, Esoterikern, kriminellen Versagern und intellektuellen Tieffliegern". Und fügte hinzu: "Wir lassen nicht zu, dass übel gelaunte Pessimisten, Radikale und Putins Papageien dieses Land übernehmen."
Wüst dankte dem innenpolitisch unter Druck stehenden Bundeskanzler Friedrich Merz für dessen Einsatz in Europa. "Weil Friedrich Merz Europa zusammenhält, ist Europa wieder stärker in der Welt", sagte Wüst. "Weil Friedrich Merz in der Nato Verantwortung übernommen hat, hat das Bündnis neuen Halt gefunden."
Deutschland sei in einem "ernsten Zustand", mahnte Wüst. "Es sind Fehler gemacht worden, und es ist Vertrauen verloren gegangen." Die jüngsten Wahlergebnisse zeigten, dass die politische Mitte in Deutschland unter einem riesigen Druck stehe.
Der 51-Jährige wird immer wieder als möglicher Nachfolger von Kanzler Merz genannt. Er wurde von den Delegierten mit langem Applaus im Stehen gefeiert. Mit Spannung wird der Auftritt von Merz am Samstag erwartet, der im vergangenen Jahr wegen einer Rentenreform heftig mit den JU-Delegierten aneinandergeraten war. Seitdem hat der Kanzler in seiner Partei vor allem durch die Niederlagenserie bei den Landtagswahlen im September und schlechte Umfragewerte deutlich an Autorität verloren.
Winkel: "Wir machen unser eigenes Ding"
Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, hatte zuvor in seiner Eröffnungsrede die Eigenständigkeit des Parteinachwuchses von CDU und CSU gegenüber Kanzler Merz und möglichen Nachfolgern betont. "Wir sind hier nicht der Applausometer für irgendwelche Dezibel-Messer", sagte Winkel. "Das ist hier kein Kanzler-Casting", betonte er. "Wir machen unser eigenes Ding."
Winkel wurde auf dem Deutschlandtag mit seinem bisher besten Wahlergebnis als Vorsitzender der JU bestätigt. Er erhielt 265 von 282 gültigen Stimmen. 16 Delegierte stimmten gegen ihn, zwei enthielten sich. Ohne die Enthaltungen, die bei der Union anders als bei anderen Parteien nicht mitgezählt werden, kommt Winkel auf 94,6 Prozent Zustimmung.
Bei dem dreitägigen Treffen der JU in Bonn sprechen sowohl Merz als auch CSU-Chef Markus Söder vor den Delegierten. Wüst und Söder werden immer wieder als mögliche Nachfolger für Merz gehandelt, der unter Druck steht.
Winkel äußerte die Hoffnung, dass von dem Treffen ein Signal des Aufbruchs ausgehen werde. Viele Parteimitglieder seien in den vergangenen Monaten "in eine gewisse Resignation gefallen". Die jungen Abgeordneten diskutierten "auf Augenhöhe" mit CDU und CSU und hätten auch im Bundestag mittlerweile entscheidende Positionen übernommen, betonte Winkel.
