Politik

"Das hätte ich nie gedacht" Wie die Demokraten die rote Bastion Texas komplett überrollten 

05.11.2026, 17:36 Uhr imageVon Lukas Märkle
00:00 / 08:13
2026-11-04T120823Z_198641906_RC2WGOA1FCW2_RTRMADP_3_USA-ELECTION-TEXAS
Wahlsieger James Talarico und Gina Hinojosa feiern den Erfolg bei einer Burgerkette. (Foto: James Talarico via X via REUTERS)

Die Republikaner dominieren über Jahrzehnte das politische Geschehen in Texas. Mit den Midterms übernehmen nun die Demokraten an entscheidenden Stellen das Ruder. Ihr Wahlsieg könnte bereits eine Erfolgsstrategie für die nächste Präsidentschaftswahl aufzeigen.  

Seit Jahrzehnten träumen die Demokraten davon, Texas zu gewinnen und den Bundesstaat auf der politischen Landkarte blau einzufärben. Immer wieder setzten sie auf Kandidaten, die Begeisterung auslösten und einen historischen Sieg möglich erscheinen ließen. Doch am Ende gewannen immer die Republikaner. Mit den Zwischenwahlen am Dienstag hat sich das geändert: Ein "blauer Tsunami" erfasste das Land und brachte auch die republikanische Bastion Texas zu Fall.

Der Demokrat James Talarico gewann die Wahl zum US-Senat mit deutlichem Abstand gegen den Republikaner Ken Paxton. Dessen Kampagne war von Tesla-Chef Elon Musk, der nach Texas übergesiedelt war, um dem demokratisch dominierten Kalifornien zu entkommen, mit Hunderten Millionen Dollar unterstützt worden. Während die Umfragen noch ein enges Rennen voraussagten, war das Resultat nach Auszählung fast aller Stimmen sehr deutlich. Der 37-Jährige siegte mit 1,2 Millionen Stimmen Vorsprung. Im Wahlkampf verband Talarico christliche Botschaften mit Kritik an den hohen Lebenshaltungskosten und an der Korruption der Trump-Regierung. Damit warb er gezielt auch um Republikaner, die vom Präsidenten enttäuscht waren.

Bei einer Senatswahl in Texas waren die Demokraten zuletzt 2018 einem Sieg nahegekommen. Damals scharten sie sich um Beto O'Rourke. Dieser war am Ende nur drei Prozentpunkte davon entfernt, den republikanischen Senator Ted Cruz aus dem Amt zu verdrängen. Zuletzt hatte 1988 ein Demokrat eine Wahl zum US-Senat in Texas gewonnen, ein Jahr vor Talaricos Geburt.

Für die Republikaner sind die Ergebnisse ein absolutes Desaster. Ihre Dominanz in dem Bundesstaat ist gebrochen. Der republikanische Senator Ted Cruz rechnete in seinem Podcast mit seiner eigenen Partei ab. Er spricht von einem "Arschtritt" für seine Partei und einer "Abfuhr auf Watergate-Niveau", in Anspielung auf den Skandal, der Präsident Richard Nixos das Amt kostete.

"Texas ist blau. Das ist ein Satz, der mir nur schwer über die Lippen kommt. Aber Texas ist - zumindest heute - blau", schreibt Cruz auf X. "Während wir heute hier sitzen, bin ich der einzige landesweit gewählte Republikaner, der noch in Texas ist. Das hätte ich nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde."

Demokraten gewinnen alle landesweiten Rennen in Texas

Die Demokraten gewinnen in Texas alle landesweiten Rennen bei den Zwischenwahlen. Ohne Ausnahme. Das Gouverneursamt, das Amt des Vizegouverneurs und das des Generalstaatsanwalts werden künftig von Demokraten besetzt. Hinzu kommen die landesweiten Ämter für Landverwaltung, Landwirtschaft und Energieregulierung.

Gina Hinojosa verdrängt den Republikaner Greg Abbott bei der Gouverneurswahl. Mit ihr wird erstmals seit 1994 wieder eine Demokratin Texas regieren. Die 52-Jährige ist zugleich die erste Latina, die das Gouverneursamt übernehmen wird. Lange waren ihr kaum Chancen gegen den finanziell deutlich besser aufgestellten Amtsinhaber eingeräumt worden.

Im Repräsentantenhaus des Bundesstaates gewinnen die Demokraten zudem 17 Sitze hinzu und sichern sich damit die Mehrheit. Lediglich im Senat des Bundesstaates, wo nur ein Teil der Vertreter zur Wahl stand, behalten die Republikaner die Oberhand.

Die Wahlsiege wurden durch eine deutliche Wählerwanderung nach links möglich. Jedes einzelne County in dem Bundesstaat rutschte einer Analyse der "New York Times" zufolge im Vergleich zur Präsidentschaftswahl 2024 in Richtung der Demokraten. Dabei waren die Erfolge nicht nur auf die urbanen Zentren beschränkt, die bereits zuvor Hochburgen der Demokraten im roten Texas waren. Auch ländliche Gegenden wurden mit der Wahl blau. Die Demokraten gewannen in 28 Counties, die vor zwei Jahren noch für Trump gestimmt hatten. In einzelnen Counties lagen die Umschwünge bei fast 50 (!) Prozentpunkten.

Die Bemühungen der Republikaner, sich durch einen gezielten Neuzuschnitt der Wahlkreise Vorteile zu verschaffen, verpufften. Die Demokraten gewannen vier der fünf Wahlkreise für das US-Repräsentantenhaus, die die Republikaner zu ihren Gunsten neu zugeschnitten hatten. Die Karten bauten auf der Annahme auf, dass die Wählerkoalition, die Trump 2024 ins Amt gebracht hatte, wieder deutlich für die Republikaner stimmen würde. Doch diese Annahme ging angesichts der Unbeliebtheit des US-Präsidenten und des Ärgers über die hohen Lebenshaltungskosten nicht auf.

Talarico blickt auf Präsidentschaftswahl voraus

Über fast alle demografischen Gruppen hinweg konnten die Demokraten zulegen. Bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren war der Umschwung mit 23 Prozentpunkten in Richtung der Demokraten besonders ausgeprägt. Ein ähnlicher Trend zeigte sich bei den Zwischenwahlen in den gesamten USA

Am folgenreichsten war die Verschiebung bei den Latino-Wählern, die die größte Bevölkerungsgruppe in Texas stellen. Die Republikaner hatten gehofft, dass die Latinos in Texas zu einem festen Bestandteil der konservativen Koalition werden würden, nachdem Trump 2024 in Wahlkreisen mit hispanischer Mehrheit in ganz Texas gewonnen hatte.

Doch das Gegenteil war der Fall. Unter den Latino-Wählern lagen die Demokraten mit 42 Prozentpunkten vorn. Das lag einerseits an den hohen Lebenshaltungskosten, andererseits aber am harten Vorgehen der Trump-Regierung gegen Migranten, von denen viele aus Lateinamerika stammen. Bei den Latinos kam das nicht gut an.

Für die Demokraten bietet der überwältigende Erfolg in Texas eine Chance über den Wahltag hinaus. Bereits in zwei Jahren wird der nächste US-Staatschef gewählt und der Bundesstaat im Süden der USA könnte ein entscheidender Baustein für die Demokraten sein, um das Weiße Haus zurückzuerobern.

Für den Sieg bei der Präsidentschaftswahl braucht ein Kandidat mindestens 270 Stimmen im Electoral College, dem Wahlleutegremium. Texas allein stellt 40 Wahlleute und hat damit erhebliches Gewicht. Für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten dürfte Texas damit zu einem wichtigen Ziel werden. "Wenn Kandidaten in Texas antreten, die einen Draht zu den Texanern haben, auf deren Bedürfnisse eingehen und ein breites Bündnis schaffen, können sie in unserem Bundesstaat durchaus erfolgreich sein", sagte Talarico "Politico" auf die Frage nach einem möglichen Erfolg in dem Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl. "Und ich möchte jeden Kandidaten für 2028 dazu auffordern, in unserem Bundesstaat einen energischen Wahlkampf zu führen."

Wie schnell eine siegreiche Wählerkoalition wieder zerfallen kann, haben die Republikaner bei diesen Zwischenwahlen erfahren. Damit aus dem erfüllten Traum kein kurzer Triumph wird, müssen die Demokraten ihre neuen Wähler dauerhaft binden.

Quelle: ntv.de

Midterm WahlenDemokratenUSATed CruzTexasUS-KongresswahlenRepublikanerWahlen