Politik

Wahl-Schlacht in MichiganTrumps Hass-Gegner überholt alle ganz links außen 

28.10.2026, 19:36 Uhr imageVon Lukas Märkle
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Michigan entscheidet am 3. November, ob es mit Abdul El-Sayed den ersten muslimischen Senator gibt. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

In Michigan kämpfen die Demokraten mit einem linken Kandidaten um einen Senatssitz. Der möchte das Ruder bei gleich mehreren Themen radikal herumreißen. Doch Donald Trump teilt gegen Abdul El-Sayed sehr schmutzig aus.

Sollte der Demokrat Abdul El-Sayed in den US-Senat einziehen, wäre das eine Premiere: Er wäre der erste Muslim in dieser Kongresskammer. Zugleich könnte sein Erfolg den linken Parteiflügel kräftig stärken. Die Kongresswahlen am 3. November werden in Michigan die Frage beantworten: Kann ein progressiver Kandidat mit kontroversen Positionen zu Israel einen Swing State gewinnen?

Michigan ist ein umkämpfter Bundesstaat wie aus dem Lehrbuch. Mal gewinnen die Demokraten, mal die Republikaner. Die Wahl 2024 zeigte das idealtypisch. Donald Trump gewann den Bundesstaat gegen Kamala Harris. Gleichzeitig setzte sich die Demokratin Elissa Slotkin im Senatsrennen durch. Ihr damaliger Gegner: Mike Rogers. Nach seiner knappen Niederlage versucht Rogers es nun erneut.

Im Umfragedurchschnitt von RealClearPolling liegt El-Sayed mit 1,9 Prozentpunkten vor Rogers. Das Rennen bleibt damit offen; ein eindeutiger Favorit lässt sich aus den Umfragen nicht ableiten. Für die Demokraten ist der Ausgang von zentraler Bedeutung im Kampf um die Senatsmehrheit. Ohne Michigan könnte es schwer bis unmöglich werden, in der Kongresskammer die Oberhand zu gewinnen.

Für US-Präsident Donald Trump ist El-Sayed der Hass-Gegner schlechthin. Auf seinem Social-Media-Kanal Truth Social finden sich etliche Einträge Trumps zum linken Demokraten. Trump griff El-Sayed wiederholt mit persönlichen Beleidigungen an. "Auf dem Weg nach Michigan, um gegen ein dschihadistisches Mitglied der Muslimbruderschaft zu kämpfen - einen Mann, dem der Zutritt zu den Hallen unseres großartigen und wunderschönen Kapitolgebäudes niemals gestattet werden sollte", erklärte der Republikaner vor einem Wahlkampfauftritt in dem Swing State am Sonntag.

Trump rückt Demokrat in die Nähe von 9/11-Terroristen

Trump ist sich nicht zu schade, El-Sayed in die Nähe der Attentäter von 9/11 zu rücken. Die Forderung, El-Sayed den Zutritt zum Senatssaal zu verweigern, verglich er mit dem Widerstand der Passagiere, die sich an Bord des United-Flugs 93 gegen die Entführer zur Wehr setzten.

Der US-Präsident machte sich auch wiederholt über den Namen des Demokraten lustig und nannte ihn bei seinem Zweitnamen "Mohamed". Der Linke lässt die Namenswitze aber ins Leere laufen. "Leute, mir ist es egal, wie er meinen Namen ausspricht", erklärte El-Sayed. "Es ist mir nicht einmal wichtig, dass er sich meinen ganzen Namen merkt. Denn ab November kann er mich einfach 'Senator' nennen. Für dich werde ich Senator Mohamed sein, Bro."

El-Sayed - ein "Extremist", "gefährlicher Dschihadist" und "Mitglied der Muslimbruderschaft". Trump agitiert offensichtlich islamophob gegen den Demokraten. Der US-Präsident legte für diese Vorwürfe keine Belege vor. Die Republikaner verwiesen stattdessen auf alte Social-Media-Beiträge von El-Sayeds Halbschwester. Darin schrieb sie, ihre Mutter sei in den 1970er-Jahren in der Muslimbruderschaft aktiv gewesen. Die Mutter hatte die Familie nach der Trennung von seinem Vater verlassen, als El-Sayed drei Jahre alt war. El-Sayed selbst distanzierte sich von der Muslimbruderschaft.

Die Republikaner nutzten das Thema in Wahlwerbespots, bei Auftritten und in mehreren TV-Debatten, in denen sich Rogers und El-Sayed aggressiv beharken. "Wenn Sie in den Senat der Vereinigten Staaten wollen, müssen wir wissen: Stehen Sie auf der Seite Amerikas oder auf der Seite dieser Terrorgruppen in Übersee?", sagte Rogers bei der Debatte in der vergangenen Woche. "Ich bin stolz auf Amerika. Ich bin stolz darauf, Amerikaner zu sein. Ich bin stolz auf unsere Verfassung, die uns allen das Recht garantiert, so zu beten, wie wir es für richtig halten", erwiderte El-Sayed.

Demokrat fährt klaren Anti-Israel-Kurs

El-Sayed fährt im Nahostkonflikt eine klare Linie. Der linke Demokrat vertritt gegenüber Israel eine deutlich kritischere Haltung, als sie lange in seiner Partei vorherrschte. Er spricht von einem "Apartheidsregime" mit Blick auf die israelische Besatzung im Gazastreifen und im Westjordanland. Den Krieg in Gaza bezeichnet er als "Genozid". Damit spricht El-Sayed auch Wählergruppen an, die von der Unterstützung der Biden-Regierung für Israel enttäuscht waren. Diese Unzufriedenheit wurde nach der Wahl 2024 als einer der Gründe für das schlechte Abschneiden von Kamala Harris diskutiert.

Der linke Demokrat will die Militärhilfe für Israel komplett beenden. Davon betroffen wäre auch die US-Finanzierung des Raketenabwehrsystems Iron Dome, das gegen den Beschuss durch Hamas und Hisbollah eingesetzt wird. El-Sayed beschränkt seine Kritik an den Militärhilfen nicht auf Israel allein. "Die Vorstellung, dass wir Milliarden von Dollar ins Ausland schicken - nicht nur nach Israel, sondern auch nach Ägypten, woher meine Familie stammt, nach Jordanien, nach Pakistan, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar -, die Vorstellung, dass wir Milliarden ins Ausland schicken, während unsere Kinder in der Schule nicht lesen können, sollte gegen jedes Gefühl für grundlegende Fairness verstoßen", sagte der Demokrat der "New York Times". Mehr Geld für die eigene Bevölkerung statt für ausländische Regierungen - so seine Forderung.

El-Sayed spricht von einer Absage an die "Blankoscheck-Militärhilfe". Die Ukraine würde er nach eigenen Worten weiterhin unterstützen. "In der Ukraine geht es darum, die Regeln der regelbasierten internationalen Ordnung im Einklang mit unseren Verbündeten durchzusetzen."

Der Demokrat hat im Gegensatz zu seinem republikanischen Widersacher bislang kein gewähltes Amt bekleidet. El-Sayed leitete nach einem Medizinstudium die Gesundheitsbehörden von Detroit und später Wayne County. Der heute 41-Jährige scheiterte 2018 in der demokratischen Gouverneursvorwahl an Gretchen Whitmer.

El-Sayed will im Trump-Lager räubern

Seine berufliche Erfahrung bildet heute einen Kern seiner politischen Botschaft: Er tritt für "Medicare for All" ein, eine öffentliche Krankenversicherung für alle. Zugleich verspricht er, den Einfluss großer Geldgeber zurückzudrängen und die finanzielle Lage gewöhnlicher Haushalte zu verbessern. El-Sayed greift damit die hohen Lebenshaltungskosten in den USA auf. Umfragen zufolge sind sie für die Wähler bei den Midterms das entscheidende Thema. Die Zoll-Politik sowie der Iran-Krieg und die damit verbundenen stark gestiegenen Spritpreise können die Wahl am 3. November mitentscheiden. El-Sayed versucht deshalb, Rogers möglichst eng mit Trump und dessen Politik zu verbinden.

Ein wesentlicher Bestandteil von El-Sayeds Wahlstrategie ist der Aufbau einer Wählerkoalition, die über die bisherigen Unterstützergruppen der Demokraten in Michigan hinausreicht. El-Sayed sucht auch im ländlichen Michigan und auf der republikanisch geprägten Upper Peninsula Unterstützung.

Seine Hoffnung richtet sich auf Menschen, die sich wirtschaftlich abgehängt und politisch übergangen fühlen. Dazu gehören weiße Wähler ohne Hochschulabschluss, die entscheidend zu Trumps Erfolgen beigetragen haben.

Die Senatswahl in Michigan wird mit El-Sayed zur Richtungsentscheidung bei den Demokraten. Kann ein Kandidat des linken Flügels auch außerhalb von New York und anderen progressiven Hochburgen eine Wahl gewinnen?

Im Vorwahlkampf hatte El-Sayed bereits das linke Urgestein Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez auf seiner Seite. Dagegen stellten sich Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer sowie der Minderheitsführer im Senat Chuck Schumer hinter seine innerparteiliche Konkurrentin Haley Stevens. Sollte El-Sayed den Zweikampf mit Rogers in Michigan gewinnen, könnte dies weiteren linken Kräften innerhalb der Partei Auftrieb verleihen.

Quelle: ntv.de

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