"Gewisse Verzweiflung"Wadephul: "Lawrow weiß, dass Russland diese Sache in Leipzig gemacht hat"

Lügen und Manipulation sind das tägliche Geschäft des Kremls. Russlands Außenminister Lawrow stellt die abenteuerliche Behauptung auf, dass Deutschland Krieg gegen sein Land führen wolle. Es folgt deutlicher Widerspruch.
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat Äußerungen seines russischen Kollegen Sergej Lawrow zu angeblichen deutschen Kriegsabsichten nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle scharf zurückgewiesen. "Wir wissen ganz genau, und Sergej Lawrow weiß natürlich auch, dass Russland diese Sache in Leipzig gemacht hat - und dass wir darauf reagiert haben, darauf reagieren mussten", sagte Wadephul im Podcast "Ronzheimer" mit Bezug auf den Russland zugeschriebenen Anschlagsversuch.
Anfang August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden, in deren Nähe sich ukrainische Frachtflugzeuge befanden. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich und kündigte die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie des russischen Kulturzentrums in Berlin an. Lawrow sagte daraufhin am Sonntag, Berlin wolle "wieder Krieg" gegen sein Land führen.
Wadephul sagte in dem Podcast weiter, dass Lawrow seine Äußerung ausgerechnet am Wahltag in Sachsen-Anhalt getätigt habe, sei möglicherweise in der Absicht geschehen, für weitere Verunsicherung zu sorgen. "Wir müssen damit umgehen, dass diese russische Regierung in allen Möglichkeiten, die sie hat, versucht, auf unsere Gesellschaft einzuwirken." Deutschland ließe sich aber nicht einschüchtern.
Lawrows Äußerungen sind nach Ansicht des Ministers auch "Ausdruck einer gewissen russischen Verzweiflung". Der Ukraine-Krieg "sollte in wenigen Tagen erledigt sein - und jetzt ist man im fünften Jahr", sagte Wadephul.
Ukrainer sollen mehr in Deutschland kaufen
Wadephul kritisierte in dem Podcast die ukrainische Regierung, die seiner Ansicht nach mehr Rüstungsgüter in Deutschland einkaufen müsste. Deutschland sei mittlerweile der stärkste Unterstützer der Ukraine. "Und es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert", sagte er. "Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir nicht ganz zufrieden mit dem, was es an Bestellungen in Deutschland gibt." Wadephul sagte weiter, er habe darüber auch bei seinem jüngsten Besuch in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen.
Wadephul stimmte zudem der Forderung von CSU-Chef Markus Söder zu, dass ukrainische Männer im wehrfähigen Alter aus Deutschland in die Ukraine zurückkehren sollten. Die deutsche Regierung wisse ja zum Beispiel anhand von Meldedaten, wer sich hier aufhalte und könne Kiew dabei helfen, die Männer anzuschreiben. Die Rückkehr in die Ukraine sollte jedoch "ohne Zwang" erfolgen.

