Zug mit Merz-Berater gestoppt?Russland greift Ukraine direkt an Nato-Grenze an
Die Einschläge kommen näher: 800 Meter vor der Grenze zu Polen geht eine russische Drohne in der Ukraine nieder. Ein Zug mit westlichen Sicherheitsberatern soll ebenfalls von russischen Angriffen betroffen sein. Polens Regierungschef beruft eine Krisensitzung ein.
Eine russische Drohne ist in der Nacht nahe der ukrainisch-polnischen Grenze in der Kleinstadt Jahodyn eingeschlagen. Dies teilt der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X mit und korrigiert damit eine frühere Aussage, wonach der Grenzübergang direkt getroffen wurde. Der Einschlagsort liegt rund 800 Meter von der Grenze entfernt, wie eine Sprecherin des polnischen Grenzschutzes sagt. Der Grenzübergang sei während des Angriffs vorübergehend geschlossen worden. Ukrainischen Medienberichten zufolge wurde eine Tankstelle getroffen.
In der Grenzregion Wolyn hat zudem eine Drohne die Lokomotive eines Personenzugs zwei Kilometer vor der polnischen Grenze angegriffen, wie die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja mitteilt. Verletzte gebe es nicht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Moskau habe den Zug "absichtlich" angegriffen. Der Bahnbetreiber PKP Intercity teilte mit, der Zug sei von Kiew nach Warschau unterwegs gewesen. An Bord hätten sich 206 Fahrgäste befunden.
Die Ukraine warf Russland einen systematischen Angriff auf ihr Eisenbahnnetz vor. Wegen landesweiter Angriffe seien das Überwachungszentrum und das gesamte Personal der ukrainischen Bahn "in höchster Alarmbereitschaft", teilte die staatliche Bahngesellschaft mit. Sie warnte vor möglichen Evakuierungen und Verspätungen von Zügen sowie Umleitungen in der zentralukrainischen Region Dnipro.
Merz-Berater kam wohl mit Schrecken davon
Laut dem "Spiegel" war auch einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz von russischen Attacken betroffen. Der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt, Günter Sautter, reiste demnach in der Nacht mit einem privat gecharterten Zug von Kiew nach Polen. Am frühen Morgen sei der Zug dann nahe der polnischen Grenze gestoppt, wegen Drohnen seien Teile des Zuges evakuiert worden.
Neben Sautter waren dem Bericht zufolge auch noch Sicherheitsberater anderer europäischer Regierungen, Bundestagsabgeordnete, Diplomaten und Wissenschaftler an Bord des Zugs. Auch der frühere britische Premierminister Boris Johnson sei nach einer Konferenz in Kiew mit dem Zug zurück nach Polen gereist. Letztlich kamen alle mit dem Schrecken davon: Kurz nach der Aufforderung zur Evakuierung gab es offenbar Entwarnung.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener, der laut "Spiegel" ebenfalls mit dem gecharterten Zug reiste, schrieb bei X, Russland eskaliere immer weiter und zündele. Er teilte ein Video von dem Drohnenangriff auf den Zug Kiew-Warschau und erklärte: "Heute Morgen bin ich mit dem Zug auf der gleichen Strecke gefahren, auf der dieser Angriff war." Manchmal entscheide der Zufall, "ob man sicher durchkommt". "Russland sei "eine immense Gefahr für die Sicherheit Europas. Das haben zu viele bei uns noch nicht realisiert."
Der estnische Außenminister Margus Tsahkna schrieb auf X, dass Mitglieder seines Teams am Grenzübergang steckengeblieben waren und die Ukraine wegen der Bedrohung durch russische Drohnen nicht verlassen konnten. "Die Angriffe Russlands werden intensiver und rücken der NATO und der EU immer näher. Unsere Reaktion muss sich ebenfalls verstärken", so der Außenminister.
Polen ist alarmiert
Auch Polen äußerte sich alarmiert nach den Vorfällen in der Nähe der Grenze. "Putin eskaliert", schrieb Außenminister Radoslaw Sikorski auf X. Regierungschef Donald Tusk rief für den Nachmittag einen Krisenstab zusammen. "Wir nehmen diese Ereignisse äußerst ernst", schrieb Innenminister Marcin Kierwinski auf X.
Über die Grenzübergänge zu Polen gelangt ein Großteil der westlichen Militär- und Humanitätshilfe in die Ukraine. Um nach Kiew zu kommen, müssen westliche Politiker auch mit der Bahn von Polen aus nach Kiew reisen, da der Flugverkehr gesperrt ist. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind wiederholt Drohnen oder Raketenteile in Nachbarländern wie Rumänien, Polen oder der Republik Moldau niedergegangen.
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Sie würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es.
