Iran-Krieg stößt auf KritikRepublikaner verlieren nach Kirk-Mord Rückhalt bei jungen Wählern

Charlie Kirks Jugendorganisation gewinnt einst junge Wähler für Trump. Ein Jahr nach Ermordung des Aktivisten wächst die Organisation weiter. Doch kurz vor den Midterms zeigt sich ein gegenläufiger Trend: Trumps Zustimmung bei jungen Menschen schwindet.
Ein Jahr nach der Ermordung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk sieht sich die Republikanische Partei von Präsident Donald Trump mit wachsendem Unmut unter jungen Wählern konfrontiert. Obwohl die von Kirk mitgegründete Organisation Turning Point USA (TPUSA) seit seinem Tod stark gewachsen ist, wenden sich Teile der jungen Wählerschaft von Trump ab.
Auf einem Parteitag zu den Zwischenwahlen hat US-Präsident Donald Trump an das Attentat auf den ultrarechten Aktivisten Charlie Kirk vor einem Jahr erinnert. Kirk sei ein "großartiger Freund und eine konservative Stimme" gewesen, sagte Trump am Donnerstag auf dem Republikaner-Parteitag in Dallas im Bundesstaat Texas. Er warnte erneut vor der "radikalen Linken" und rief dazu auf, bei den Kongresswahlen am 3. November nicht für die Demokraten zu stimmen. Kirk war am 10. September 2025 erschossen worden, als er auf einem Uni-Campus im Bundesstaat Utah im Freien gesprochen hatte.
Als Hauptgründe für die Unzufriedenheit gelten die hohen Lebenshaltungskosten, der Krieg gegen den Iran und die Veröffentlichung von Akten im Zusammenhang mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Einer Umfrage der Harvard-Universität zufolge gaben die Hälfte der US-Bürger zwischen 18 und 29 Jahren an, stark von der Inflation betroffen zu sein.
Zudem stößt der Iran-Krieg in dieser Altersgruppe auf die größte Ablehnung. "Die Gräben, die sich bei jüngeren Konservativen und in der Partei im Allgemeinen auftun - die Haltung zu Israel spielt dabei eine große Rolle", sagte Nicole Hemmer, Geschichtsprofessorin an der Vanderbilt-Universität. Es gebe viel Wut über die Wirtschaft und Trumps Außenpolitik.
Trump-Zustimmung sinkt, TPUSA wächst
Die Entwicklung spiegelt sich in den Umfragewerten wider. Laut einer Reuters/Ipsos-Erhebung sank die Zustimmung zu Trumps Politik bei Männern zwischen 18 und 29 Jahren von 43 Prozent im Februar 2025 auf 32 Prozent im vergangenen August. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hatten noch 46 Prozent dieser Gruppe für Trump gestimmt.
Paradoxerweise hat TPUSA im selben Zeitraum ein enormes Wachstum verzeichnet. Die Zahl der High-School-Gruppen stieg um 180 Prozent auf über 3500, die der College-Gruppen um mehr als 60 Prozent auf über 1500, wie ein Sprecher der Organisation mitteilte. Weggefährten Kirks betonten jedoch, dass dessen Fähigkeit fehle, auf die Sorgen junger Menschen einzugehen. "Man kann junge Leute nicht einfach einschüchtern. Man muss zuhören, was sie wirklich fühlen, und es verstehen", sagte der konservative Kommentator Jack Posobiec. "Ich denke, die Botschaft der Republikaner weist in diesem Punkt eine Lücke auf."
Angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen im November könnte die abnehmende Unterstützung junger Wähler für die Republikaner entscheidend sein. Eine Umfrage der Tufts-Universität deutet auf eine hohe Wahlbeteiligung in dieser Altersgruppe hin.
Kirk machte Trump bei jungen Wählern beliebt
Kirk hatte sich in konservativen Kreisen als Verfechter der Meinungsfreiheit einen Namen gemacht. Mit TPUSA besuchte er Hochschulen und forderte Studierende - vor allem solche mit anderer politischer Haltung - zur Debatte heraus. Trump bezeichnete Kirk nach dem Attentat als "Märtyrer" und verlieh ihm posthum die Präsidentenmedaille der Freiheit als höchste zivile Auszeichnung der USA. Kritiker warfen Kirk dagegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und das Schüren von Hass gegen Minderheiten vor.
Als prominenter Vertreter der Bewegung "Make America Great Again" (Maga) trug Kirk dazu bei, Trump unter jungen Wählern populärer zu machen. Er galt als enger Vertrauter nicht nur von US-Vizepräsident JD Vance, sondern auch von Trumps ältestem Sohn, Donald Trump Junior. Der Präsidentensohn würdigte Kirk beim Parteitag der Republikaner als Kämpfer für "Glauben, Familie, Freiheit und Patriotismus".
Auf dem Parteitag würdigte ihn auch US-Vizepräsident Vance. "Es wird in die Geschichte eingehen, dass euer Vater ein großartiger Mann war", sagte Vance in Dallas in Bemerkungen, die an die Kinder Kirks adressiert waren. Die Menge brach daraufhin in "Charlie, Charlie"-Rufe aus.
Dem mutmaßlichen Attentäter Tyler Robinson droht bei einer Verurteilung wegen Mordes die Todesstrafe. Der 23-Jährige sei es "satt" gewesen, den "Hass" des Influencers zu ertragen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Robinson hatte auf nicht schuldig plädiert. Ein Datum für den Prozess steht noch nicht fest.

