Großeinsatz bei CSDIslamistischer Anschlag in Berlin? Was wir wissen und was nicht

Während Hunderttausende in Berlin den Christopher Street Day (CSD) feiern, rast ein weißer Transporter durch den angrenzenden Tiergarten. Dabei stirbt eine Frau, weitere Menschen werden verletzt. Die Polizei ermittelt unter Hochdruck zu den Umständen. Was bisher bekannt ist - und was nicht.
Wie viele Menschen haben am CSD teilgenommen?
Hunderttausende Menschen haben am Samstag in Berlin den Christopher Street Day gefeiert. Weder der Veranstalter noch die Polizei konnten die Zahl konkret benennen. Die Rede ist von bis zu 700.000 Menschen, die am CSD selbst und am Rahmenprogramm beteiligt waren. Eine Demonstration zog durch die Berliner Innenstadt. Anschließend sollte zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule auf der Straße des 17. Juni und im Tiergarten im Herzen der Hauptstadt gefeiert werden. Unter anderem trat Sarah Connor auf.
Was ist am Samstagabend geschehen?
Gegen 22 Uhr wird das Fest plötzlich abgebrochen. Nach Angaben der Polizei kommt es zu einem größeren Polizeieinsatz im Tiergarten nahe dem Potsdamer Platz. Wie ein Sprecher berichtet, ist dort ein weißer Wagen über die Straße Ahornsteig parallel zur Lennéstraße gefahren und hat mehrere Menschen an- oder umgefahren, bevor er mit einem Baum kollidierte.
Wie viele Tote und Verletzte gibt es?
Eine Frau erlag vor Ort ihren Verletzungen, eine Reanimation verlief erfolglos. Bei der Tat, bei der der Mann auch eine Machete einsetzte, kam nach Angaben bon Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eine Frau ums Leben, 29 Menschen wurden teils schwerst verletzt.
Wurde der Fahrer gefasst?
Der Fahrer befindet sich auf der Flucht. In der Nacht teilte die Polizei mit, sie habe einen mutmaßlichen Tatverdächtigen identifiziert: "Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet." Seit dem Morgen fahndet die Polizei öffentlich nach Abdul B.
Der Tatverdächtige ist laut Dobrindt 2005 in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger mit libanesischem Migrationshintergrund. In der Nacht wurde nach Informationen von ntv und RTL die Wohnung seiner Eltern in Schöneberg durchsucht, in der er gewohnt haben soll - nur etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt. Erst im Mai 2026 wurde er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus dem Jugendarrest entlassen.
Im selben Monat wurde er laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung vom Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt - wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Einem Bericht der "Welt" zufolge soll Abdul B. zur Bewährung auf freiem Fuß gewesen sein und an einem Beratungsprogramm zur Deradikalisierung teilgenommen haben. Für den morgigen Montag war demnach der nächste Termin geplant.
Nach Informationen von "Süddeutscher", NDR und WDR war Abdul B. als islamistischer "Gefährder" eingestuft. Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein, schreibt die SZ. Er soll versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem IS anzuschließen. Ende 2025 wurde er demnach bei einer Rückreise aus dem Libanon am Berliner Flughafen festgenommen.
Mit welchem Fahrzeug wurde der Anschlag begangen?
Das Tatauto soll ein Mietwagen gewesen sein, den Abdul B. selbst angemietet hatte, wie RTL und ntv aus Ermittlerkreisen erfuhren. Es handelt sich um einen weißen Transporter.
Gibt es weitere Verdächtige?
Es ist offen, ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder ob es Komplizen gab. Laut der Polizei machten Zeugen unterschiedliche Angaben. Einem Bericht des RBB zufolge wurde bereits in der Nacht ein weiterer Tatsverdächtiger festgenommen. Es soll sich um einen Mann mit iranischer Staatsbürgerschaft handeln. Die Polizei geht demnach davon aus, dass er als Beifahrer von Abdul B. im Auto saß.
Kam es zu weiteren Vorfällen?
Die Polizei prüft, ob es nach der Fahrt eine "zweite Tatphase" gab. Zeugen hätten von am Boden liegenden Menschen mit Stichverletzungen berichtet, heißt es. Die Polizei prüft diese Angaben.
Gibt es Hinweise auf ein Motiv?
Die Behörden ermitteln "aufgrund des Verdachts eines Anschlags". Der Verdächtige wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet, wie ein Polizeisprecher sagte. Ermittlerkreisen zufolge soll er Verbindungen zur Terrorvereinigung "Islamischer Staat" (IS) haben. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR war Abdul B. als islamistischer "Gefährder" eingestuft. Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein, schreibt die SZ. Er soll versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem IS anzuschließen. Ende 2025 wurde er demnach bei einer Rückreise aus dem Libanon am Berliner Flughafen festgenommen.
Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden ergriffen?
Ein Polizeisprecher sprach am Abend von etwa 250 Zufahrtsschutzsperren, die um das CSD-Gelände auf der Straße des 17. Juni aufgestellt worden waren. Es sei deshalb besonders tragisch, dass es zu diesem Vorfall kommen konnte. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU ging davon aus, dass das Areal "sehr gut gesichert" gewesen sei.
Wie geht es mit dem CSD weiter?
Gar nicht. Die für Sonntag geplanten Aktionen, ein großes Frühstück sowie eine Reinigungsaktion im Tiergarten, wurden aufgrund der Vorkommnisse ersatzlos abgesagt.