"Überraschende" VergeltungIrans neuer Verteidigungsminister warnt USA vor Bombenangriff

Nachdem Irans Verteidigungsminister im Krieg gegen die USA getötet wird, wählt Teheran nun einen Nachfolger. Kaum im Amt droht der erfahrene Raketenexperte Trump mit Vergeltung. Anlass sind Berichte über mögliche US-Angriffe mit der "Mutter aller Bomben".
Der Iran bekommt einen mit der Raketenproduktion erfahrenen Funktionär als neuen Verteidigungsminister. Im Parlament (Madschles) stimmten 237 der 290 Abgeordneten für den Rüstungsexperten Mehrdad Achlaghi Ketabtschi, wie der staatliche Rundfunk berichtete. Präsident Massud Peseschkian hatte ihn Anfang Oktober offiziell nominiert.
Der 68-Jährige folgt auf den früheren Minister Asis Nasirsadeh, der am 28. Februar in Teheran bei dem von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran getötet wurde. Seitdem hatte ein General der Revolutionsgarden, Madschid Ebn-ol-Resa, das Amt in der Krisenzeit kommissarisch geführt. Der neue Verteidigungsminister ist iranischen Angaben zufolge ein erfahrener Experte aus der Rüstungsindustrie. Er leitete unter anderem die staatliche Luftfahrtindustrieorganisation (AIO), die an der Entwicklung und Produktion von Raketensystemen beteiligt ist.
Kurz nach seiner Bestätigung richtete der neue Ressortchef scharfe Drohungen an die USA. Der US-Präsident solle sich darauf konzentrieren, seine Truppen sicher aus der Region abzuziehen, sagte Achlaki Ketabtschi. "Wenn er eine einzige Bombe abwirft, wird er sehen, wie viele seiner Soldaten die Region in waagerechter Position verlassen müssen."
Außenminister bekräftigt diplomatische Bemühungen
Der neue Minister reagierte damit auf einen CNN-Bericht, wonach die USA Angriffspläne gegen iranische Energie- und Atomanlagen entwickelt hätten. Diese könnten den Einsatz der größten nicht nuklearen Bombe im US-Arsenal beinhalten, auch bekannt als "Mutter aller Bomben". Sollte der "amerikanische Feind" eine weitere Fehlkalkulation begehen, werde die Antwort "überraschend und umfassend" ausfallen, sagte Achlaki Ketabtschi weiter.
Die Drohungen des neuen Ministers stehen im Kontrast zu diplomatischen Signalen aus Teheran. So bekräftigte Außenminister Abbas Aragtschi das Angebot an die USA, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Dies könne innerhalb von sieben Tagen geschehen, sagte er am Rande eines Treffens der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Bagdad. Die Führung in Teheran prüfe derzeit eine Antwort aus Washington.
Zu den iranischen Bedingungen gehören ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen sowie der Sanktionen gegen die Ölexporte des Landes. Die USA fordern im Gegenzug eine deutliche Reduzierung der iranischen Uran-Anreicherung, um den seit acht Monaten andauernden Krieg zu beenden. Durch die strategisch wichtige Meerenge lief vor dem Konflikt etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit Öl und Flüssigerdgas.
Ketabtschi bereits sanktioniert
Ketabtschi ist mit internationalen Sanktionen belegt. Die Europäische Union etwa verhängte Strafmaßnahmen im Zusammenhang mit seiner Rolle bei der AIO. Die EU wirft ihm außerdem vor, an der Beschaffung verbotener Güter sowie an Technologien zur Unterstützung des iranischen Nuklearprogramms beteiligt gewesen zu sein. Auch die UN und die USA hatten Sanktionen gegen ihn verhängt.
Die Modernisierung des Raketenprogramms hat für Teheran hohe Priorität. Seit Jahren setzt die iranische Staatsführung zur militärischen Abschreckung auf die Produktion ballistischer Raketen. Auch im Krieg gegen Israel und die USA erfolgten die iranischen Gegenangriffe auf Israel und US-Stützpunkte in der Region vor allem mit Raketen.
