Politik

Ukraine rückt weiter vorExperten: Anti-Drohnen-Kuppel ermöglicht Kiews Erfolge bei Lyman

20.09.2026, 18:46 Uhr
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Ukrainische Soldaten in der Region Donezk. (Foto: via REUTERS)

Im Norden der Region Donezk stoßen Kiews Truppen weiter vor. Nach Angaben des ukrainischen Militärs tritt sogar Moskaus Elite-Drohneneinheit Rubikon den Rückzug an. Analysten sehen in der Gegenoffensive ein Modell für künftige Bewegungsoperationen.

Die ukrainischen Streitkräfte haben im Rahmen ihrer Gegenoffensive im Norden der Region Donezk weitere Erfolge gemeldet. Der Kommandeur des dritten Armeekorps, Andrij Bilezkyj, berichtete in einem Video, die Dörfer Schandryholowe und Derylowe nördlich der Stadt Lyman seien befreit worden. Insgesamt habe man in den ersten beiden Phasen der Operation "Vivaldi" eine Fläche von 125 Quadratkilometern unter ukrainische Kontrolle gebracht. Die tatsächlich befreite Fläche bezifferte Bilezkyj auf 50 Quadratkilometer. Die russischen Verluste seit Beginn der Gegenoffensive gab der Brigadegeneral mit 3000 Mann an.

Wegen strikter Geheimhaltung hatte die Ukraine aus der Region Lyman seit dem Frühsommer kaum Nachrichten veröffentlicht. Erst am Dienstag äußerte sich das ukrainische Militär öffentlich zu der Operation "Vivaldi". In den vergangenen Tagen machten von Experten verifizierte Fotos und Videoaufnahmen deutlich, dass es der Ukraine gelungen war, Lyman zu sichern und einen großen Vorstoß der russischen Streitkräfte zurückzuwerfen.

Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) führt für die ukrainischen Erfolge eine Reihe von Faktoren an. Demnach habe Kiews Militär im Vorfeld der Gegenoffensive gezielt Jagd auf russische Drohnenpiloten und deren Startpositionen gemacht. Ziel sei es gewesen, eine Drohnenüberlegenheit in der Region zu schaffen. Laut einem Offizier des dritten Armeekorps hätten die Schläge sogar dazu geführt, dass die gesamte dort eingesetzte russische Elite-Drohneneinheit Rubikon in einen anderen Frontabschnitt verlegt wurde.

Zusätzlich habe die Ukraine eine Kampagne mit Drohnen mittlerer Reichweite gegen die russischen Nachschublinien geführt. Die Angriffe hätten die russische Logistik bis zu 120 Kilometer hinter der Front gestört. Ohne ausreichend Treibstoff sei es den Russen schwerer gefallen, eigene Drohnen und Störsender einzusetzen. Parallel dazu habe die Ukraine die Flugabwehr verstärkt und Systeme der elektronischen Kriegsführung in Position gebracht. Dadurch sei eine Art Anti-Drohnen-Kuppel auf dem Gefechtsfeld entstanden, die sich mit den vorrückenden ukrainischen Truppen mitbewegt habe.

Diese Kuppel habe die russische Aufklärungs- und Angriffsfähigkeit vorübergehend gestört. Den Analysten zufolge entspricht das ukrainische Vorgehen weitgehend der Einschätzung des ISW, wie großräumige Bewegungsoperationen unter den Bedingungen moderner Kriegsführung wieder ermöglicht werden könnten: Dafür müsse zunächst das Zusammenspiel aus Aufklärungs- und Angriffsdrohnen, Artillerie und anderen Waffen des Gegners ausgeschaltet oder zumindest entscheidend gestört werden.

Quelle: ntv.de, jpe

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