Politik

Kiew erlässt SanktionenEx-Pressesprecherin teilt erneut gegen Selenskyj aus

14.09.2026, 15:12 Uhr
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Selenskyj und seine damalige Pressesprecherin Mendel während einer Pressekonferenz Anfang Oktober 2019. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Die ehemalige Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten Selenskyj zieht immer wieder mit fragwürdigen Äußerungen den Zorn ihrer Landsleute auf sich. Nun stellt Mendel neue Behauptungen über ihren früheren Chef auf. Kiew hat inzwischen Sanktionen gegen sie erlassen.

Die inzwischen sanktionierte ehemalige Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Julija Mendel, fällt erneut mit negativen Aussagen über ihren früheren Arbeitgeber auf. Hintergrund der jüngsten Aussagen ist Selenskyjs Forderung an das Parlament, den ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko zu entlassen. Dieser erhob nach einer weiteren Korruptionsaffäre Vorwürfe gegen die Antikorruptionsbehörden des Landes und verließ die Ukraine.

"Lassen Sie sich nicht täuschen. Der Generalstaatsanwalt durfte das Land gerade deshalb verlassen, weil er diese Verdachtsanzeigen unterzeichnet hat", schrieb Mendel nun auf der Plattform X. Selenskyj würde Hass und Wut gegen die Korruptionsbehörden NABU und die SAPO hegen, weil diese seit Jahren gegen das Präsidentschaftsbüro ermitteln würden. "Vor der Kamera wird er sagen, dass er die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden unterstützt; hinter den Kulissen wird er jedes verfügbare Mittel nutzen, um Druck auf sie auszuüben", behauptete Mendel. Auch unterstellt sie Selenskyj "mentale Veränderungen" und mangelnden Realitätssinn.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Selenskyj Sanktionen gegen seine ehemalige Pressesprecherin verhängt hat. Grund für die Sanktionen gegen Mendel und weitere Ukrainer und Russen sind einer Mitteilung des Präsidentenbüros in Kiew zufolge die Verbreitung von Desinformation und russischer Propaganda. Laut der Onlinezeitung "Kyiv Independent" wurden Mendel all ihre staatlichen Auszeichnungen aberkannt und ihre Vermögenswerte eingefroren. Zudem darf sie demnach künftig kein Geld mehr aus der Ukraine transferieren. "Ich wusste, dass wegen meines Interviews mit (dem rechten US-Moderator) Tucker Carlson Anklagen wegen „Hochverrats“ vorbereitet wurden, und ich hatte mit möglichen Sanktionen gerechnet", kommentierte Mendel auf X den Beschluss.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mendel durch Aussagen über Präsident Selenskyj Aufsehen erregt. Im Mai dieses Jahres erhob sie beispielsweise in dem Interview mit Carlson schwere Vorwürfe gegen die ukrainische Regierung und Selenskyj persönlich. "Wir sehen Putin als böse an. Aber auch Selenskyj ist böse", sagte sie Carlson in dem anderthalbstündigen Interview. Vor der Kamera sei er ein Teddybär, aber hinter der Kamera sei er ein Grizzlybär.

Anschließend werden ihre Vorwürfe immer drastischer. So unterstellte sie Selenskyj eine Kokainsucht - eine beliebte russische Erzählung - sowie Geldwäsche und gab an, dass dieser sie und ihre Kollegen angewiesen habe, Propaganda im Stil von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels zu machen. Darüber hinaus bezeichnete sie Selenskyj als "Diktator", der das größte Hindernis für Frieden in der Ukraine sei und Kritiker als Bestrafung an die Front schicken würde. Für keine ihrer Anschuldigungen lieferte sie Beweise. Ukrainische Journalisten und Politiker kritisierten die Äußerungen Mendels und warfen ihr die Verbreitung russischer Desinformation vor.

Abstruse Vorwürfe gegen Selenskyjs Ex-Bürochef

Auch stellte Mendel die zweifelhafte Behauptung auf, dass die ukrainische Delegation vor den gescheiterten Verhandlungen in Istanbul einer Abtretung des Donbass an Russland zugestimmt habe. Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch nicht mehr im Amt und auch nicht an den Gesprächen beteiligt. Zudem belastete sie die ukrainische Regierung in dem Interview durch Korruptionsvorwürfe.

Abstruse Behauptungen stellte sie Anfang des Jahres auf Facebook über Selenskyjs ehemaligen Bürochef Andrij Jermak auf: Dieser betreibt Mendel zufolge schwarze Magie, besucht Friedhöfe und bewahrt Leichenwasser auf. Am 16. September ist Mendel nach eigenen Angaben zu einer Veranstaltung der AfD eingeladen. Sie sei sehr dankbar für die Gelegenheit, im Europäischen Parlament eine Rede zu halten, schrieb sie auf X.

Julija Mendel war von Juli 2019 bis Juli 2021 zwei Jahre lang die Pressesprecherin Selenskyjs. In dieser Zeit fiel sie durch aggressives Verhalten gegenüber Journalisten auf. Im September 2019 stieß sie beispielsweise einen Journalisten weg, als dieser versuchte, eine Stellungnahme von Selenskyj zu erhalten. Darüber hinaus erntete Mendel der Zeitung "Kyiv Post" zufolge mehrmals Kritik, weil sie Lettland und Litauen verwechselte.

Quelle: ntv.de, lar

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