Goldabbaustätten getroffenDutzende Tote nach ägyptischem Luftangriff auf Sudan

Im Sudan tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg. Nun scheint sich mit Ägypten eine ausländische Macht einzumischen. NGOs zufolge sollen Kampfjets eine Goldmine im Sudan angegriffen haben. Über die Zahl der Opfer gibt es ganz unterschiedliche Angaben.
Bei einem Luftangriff auf eine Goldmine an der Grenze zwischen dem Sudan und Ägypten sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens 72 Arbeiter getötet worden. Die sudanesische Organisation Emergency Lawyers erklärte, die ägyptische Luftwaffe habe am Samstag einen Angriff auf die Mine geflogen.
Eine andere Organisation, die Darfur Victims Advocacy, sprach sogar von 200 Toten und etwa 120 Verletzten. Demnach sollen ägyptische Militärflugzeuge das Abbaugebiet bombardiert haben, in dem Tausende nach Gold schürfen. Die Zahlen sowie die Vorwürfe gegen Ägypten lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Ägypten gab bisher keine Stellungnahme ab.
In den sudanesischen sozialen Medien kursierten Bilder von Flugblättern, die von den ägyptischen Flugzeugen abgeworfen sein sollen. Darin war von einer Sicherheitskampagne gegen illegalen Goldabbau die Rede.
Im Juni hatte es schon einmal einen Angriff auf eine nicht lizenzierte Goldmine in der Region Jabal al-Uqaydat an der Grenze zu Ägypten gegeben. Dabei wurden 23 Arbeiter getötet. Der Angriff war ebenfalls Ägypten zugeschrieben worden. Die ägyptische Armee hatte damals mitgeteilt, sie habe einen "Großeinsatz" gegen illegalen Goldabbau auf ägyptischem Staatsgebiet ausgeführt. Von einem Angriff auf eine Mine sprach sie nicht.
Die Grenze zwischen dem Sudan und Ägypten ist umstritten, beide Länder beanspruchen das rohstoffreiche Halaib-Dreieck für sich. Ägypten ist zugleich ein wichtiger Verbündeter der sudanesischen Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan, die seit mehr als drei Jahren gegen die RSF-Miliz seines ehemaligen Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo kämpft. In dem Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas wurden bereits mehr als 200.000 Menschen getötet.