Maga-Grüße nach MagdeburgDie AfD ist Trumps Partner für den Angriff auf Europa
Von Hannes Vogel und Roland Peters
Nicht nur der erste AfD-Landtagspräsident ist eine Zäsur für die deutsche Demokratie. Die Liebesgrüße aus Washington für die rechte Partei sind es auch. Mit ihr wollen Donald Trump und Elon Musk den Widerstand gegen ihre autoritären Interessen auf dem Kontinent brechen.
Tobias Rauschs Triumph als erster Landtagspräsident der AfD wurde schnell ausgebremst. Laut dem frisch gewählten Parlamentschef dauerte es nach seinem Wahlerfolg nur wenige Stunden, bis BMW sein Leasing-Angebot für einen Dienstwagen zurückzog. Rausch, dessen Landesverband als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, empörte sich. "Ich werde aufgrund meiner Parteizugehörigkeit diskriminiert", behauptete der AfD-Politiker. Er werde jetzt erst einmal seinen Privatwagen benutzen.
Doch Rettung naht womöglich bald aus Übersee. Beatrix von Storch, AfD-Vizefraktionschefin im Bundestag, fragte Elon Musk auf dessen Plattform X: "Würde Tesla ihm einen Dienstwagen zur Verfügung stellen wollen?" Die Frage an den Superreichen war geradezu symbolisch für eine transatlantische rechte Achse, die sich immer deutlicher zeigt. Teile der AfD suchen offen die Nähe zu internationalen rechten Kräften.
Bereits nach deren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt hatten sich zwei Gratulanten zu Wort gemeldet. US-Präsident Donald Trump und eben Tesla-Chef Musk. Trump feierte die Partei "im Aufwind" nach ihrer "wirklich großen Nacht", Musk frohlockte kurz und knapp: "Gut gemacht!" Die Grüße aus dem Maga-Lager wegen des AfD-Triumphs von Magdeburg sind keineswegs Zufall. Die US-Regierung interessiert sich für die AfD, weil die antidemokratische Allianz aus Trump und den Tech-Milliardären die EU zersetzen will. Sie hat die deutsche Partei auserkoren, strategischer Partner für ihren Frontalangriff auf Europa zu sein. Die AfD ist ihr autoritärer Rammbock.
Autoritäre Allianz in Wartestellung
Für Trump wie die Tech-Milliardäre, die seinen autoritären Wandel mitmachen, ist der "alte Kontinent" zum strategischen Rivalen geworden, wenn nicht zum ideologischen Hauptfeind. "Weil die Europäer versuchen, die Werte zu bewahren, die Maga in den USA zerstören will", wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman erklärte. "Die Leute, die Amerika in einen autoritären Staat unter Vorherrschaft der Weißen verwandeln wollen, möchten, dass Europa denselben Weg einschlägt." Die EU steht ihren wirtschaftlichen und politischen Zielen gleichermaßen im Weg.
Die Methode ist die gleiche, mit der das Silicon Valley eine Branche nach der anderen nach ihren Vorstellungen und den eigenen Profit umgekrempelt hat: Disruption. Demokratische Gesellschaften, die Widerstand leisten, sollen mit Schockeffekten und Bündnissen mit Parteien gespalten werden, die ähnlich antiliberale Visionen wie die der US-Regierung und ihrer Tech-Bros verfolgen. Wie das geht, führte Elon Musk schon zwei Jahre vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor. Kurz vor Weihnachten 2024 positionierte er sich auf X eindeutig und warf seinen Namen hinter die rechte Partei: "Nur die AfD kann Deutschland retten." Keine Stunde später antwortete Parteichefin Weidel: "Ja, Sie haben absolut recht, Elon Musk!"
In der "Welt" legte Musk damals nach: Die AfD sei "der letzte Funke Hoffnung für dieses Land". Sechs Wochen vor der Bundestagswahl sprach er mit Weidel eine Stunde lang live vor seinen fast 240 Millionen Followern - genau wie zuvor mit Trump im US-Wahlkampf. Weidel durfte unwidersprochen behaupten, Hitler sei "Kommunist" gewesen. Musk ließ sich zum AfD-Wahlkampfauftakt in Halle zuschalten: "Seid stolz, Deutsche zu sein!", meinte er. Weidel kopierte in ihrer Rede wörtlich den Slogan der Maga-Bewegung: "Make Germany great again!"
Dass dies keine Laune war, sondern Methode, zeigte sich spätestens in diesem Jahr und schon vor Musks erneuten Glückwünschen an die AfD-Glaubensbrüder in Magdeburg. "Nur Restore kann Großbritannien retten", schrieb Musk im Juni 2026 auf X. Dieselbe Formel, diesmal für britische Rechtsextreme. Der Tech-Milliardär ist offensichtlich Teil einer Allianz in Wartestellung, die offen eine autoritäre Wende in Europa herbeisehnt.
Trump sucht "starken deutschen Partner"
Trumps Weißes Haus, Musk und die AfD sprechen inzwischen dieselbe Sprache. Unisono plädieren sie für "Remigration", die Massenabschiebung von Millionen Ausländern, worunter manche zudem den zusätzlichen Entzug der Staatsangehörigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund verstehen. Die AfD nahm den Begriff schon im Januar 2025 in Riesa ins Programm auf: "Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration", sagte Weidel damals trotzig. Elon Musk sieht es genauso: "Remigration ist der einzige Weg", schrieb er im Herbst 2025 auf X. Im Mai 2026 postete der offizielle Account des Weißen Hauses über einem Bild des Präsidenten, Trump sei nicht für "Replacement Migration" - die Verschwörungserzählung vom Großen Bevölkerungsaustausch -, sondern für "Remigration".
Längst gibt es auch Kontakte auf dem Dienstweg. Sarah Rogers, verantwortlich für die öffentliche Diplomatie des US-Außenministeriums, hat gegen den vermeintlichen "Zensur-Industrie-Komplex" der EU gewettert und streckt Rechtspopulisten in ganz Europa die Hand aus. Nach einem Treffen mit ihr erklärte Markus Frohnmaier, außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, die Partei stehe als europäischer Arm eines solchen Bündnisses bereit: Es sei klar geworden, dass "Washington einen starken deutschen Partner sucht, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen".
Rogers' Kollege Samuel Samson, vom religiösen Aktivisten zum hochrangigen Berater im Außenministerium aufgestiegen, hat die Strategie auf einem Blog des State Department aufgeschrieben: Europa sei eine "Brutstätte der digitalen Zensur, von Massenmigration", deshalb wolle Washington eine "zivilisatorische Allianz" mit den rechten Nationalisten des Kontinents eingehen. Im September 2025 empfing Samson gemeinsam mit Vertretern des Nationalen Sicherheitsrats und aus dem Büro von Vizepräsident JD Vance die AfD-Vizefraktionschefin Beatrix von Storch im Weißen Haus. "Ich hatte den Eindruck, dass sie sehr daran interessiert waren, von uns zu hören", sagte der mitgereiste AfD-Politiker Joachim Paul der "New York Times". "Sie machten sich viele Notizen."
America First heißt Big Tech First
In der Nationalen Sicherheitsstrategie des Weißen Hauses hat die US-Regierung das Bündnis mit internationalen rechten Kräften zur offiziellen Doktrin erhoben. Europa drohe die "zivilisatorische Auslöschung", heißt es darin, Brüssel "tyrannisiere die politische Opposition". Rettung verspreche allein der wachsende Einfluss "patriotischer europäischer Parteien", der "in der Tat großen Anlass zu Optimismus" gebe. "Das ist ganz klar ein Programm für einen Regimewechsel in Europa - mit dem Ziel, es in ein illiberales System zu verwandeln", warnte Professor Henry Farrell von der Johns Hopkins University.
Hinter dem Kulturkampf stehen auch handfeste Geschäftsinteressen. Zwischen 20 und 30 Prozent ihrer Umsätze machen die US-Tech-Riesen in Europa. Russland ist als Markt zu klein, China schottet sich ab. Der ungehinderte Zugang zu 450 Millionen europäischen Kunden und ihren Daten hingegen wird nur von Brüssel bewacht. Also soll diese Bastion fallen. "Amerikas wirtschaftliche und technologische Vormachtstellung zu erhalten", formuliert die offizielle US-Sicherheitsstrategie als Ziel. Europa soll ein strategisch abhängiger Absatzmarkt werden.
Per Dekret hatte Trump deshalb schon in den ersten Wochen seiner Regierung angeordnet, jeden Regulierungsversuch der EU im Keim zu ersticken: "Zollt Amerika und seinen unglaublichen Technologiefirmen Respekt - sonst wird es Konsequenzen geben!", drohte er später auf Social Media. Jedes Land mit Digitalsteuer werde "sofort mit einem 100-prozentigen Zoll auf alle Exporte in die USA belegt", legte er im vergangenen Sommer nach.
Deutschland in der Zange
Als Machtzentrum Europas wird Deutschland doppelt in die Zange genommen: wirtschaftlich durch die digitale Kanonenbootpolitik für die Tech-Milliardäre, politisch durch die Unterstützung der AfD. Eine AfD-Regierung, die Digitalsteuern, Plattformregeln und Datenschutz nicht länger verteidigt, wäre den USA mehr wert als jedes Handelsabkommen.
Marc Andreessen, einer der einflussreichsten Investoren des Silicon Valley, formulierte das Vorhaben so: "Wir haben in Europa enorme Probleme. Wir möchten mit der US-Regierung zusammenarbeiten, um globale Märkte zu öffnen und US-Unternehmen zum Sieg zu verhelfen." Elon Musk gab ein Ziel aus: "Die EU sollte abgeschafft und die Souveränität an die einzelnen Länder zurückgegeben werden." Die AfD fordert eine Umwandlung der Europäischen Union in einen "Bund europäischer Nationen" mit weitreichenden Ausnahmen für Deutschland in der Migrations-, Sozial- und Finanzpolitik.
Die Gelegenheiten dafür sind weitreichend: 2027 steht in Frankreich die Präsidentschaftswahl an, danach die nächste Bundestagswahl. In Samsons Abteilung im US-Außenministerium liegt ein Fonds mit rund 5 Millionen Dollar, der früher Demokratie und Menschenrechte in Russland förderte. Künftig sollen damit Pro-Maga-Denkfabriken in Europa finanziert werden. Die Wahl des Landtagspräsidenten in Magdeburg ist deshalb mehr als eine regionale Angelegenheit. Es ist das erste Amt im deutschen Staatsgefüge, das eine Partei besetzt, deren größte Fürsprecher in Washington und im Silicon Valley sitzen.

