In fremdes Land ausgeflogenAyanas Schicksal offenbart Trumps brutale Abschiebepolitik

Die US-Behörde ICE ist für ihr hartes Vorgehen gegen Einwanderer bekannt. Nun erzählt eine Frau, was nach ihrer Festnahme geschehen ist: Von einem auf den anderen Tag findet sie sich auf einem anderen Kontinent wieder - in einem Land, das ihr vollkommen fremd ist.
Ayana wurde Ende Mai aus den USA abgeschoben, wo sie rechtmäßig fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Die US-Behörden zwangen sie in ein Flugzeug nach Kamerun, wo sie nun festsitzt - ohne Perspektiven, weit weg von ihrer Familie, in einem Land, zu dem sie keinerlei Bezug hat.
Geboren in einem Flüchtlingslager im Sudan, kam sie mit zwei Jahren mit ihren Eltern in die USA. Jetzt ist sie eine von hunderten Ausländern, unter ihnen auch Menschen mit regulärem Aufenthaltsstatus, die von der US-Regierung seit anderthalb Jahren in afrikanische Staaten abgeschoben wurden. "Im Flugzeug haben sie mir eine Karte gegeben und gesagt: 'Du bist in Kamerun'", erinnert sie sich. "Ich habe gesagt: 'Was ist das, Kamerun?' Ich hatte nie davon gehört."
Die 40-Jährige hat keine Erinnerungen an ihre ersten beiden Lebensjahre in Afrika. Sie hat 38 Jahre in San Diego in Kalifornien an der Westküste der USA verbracht. Dort besuchte sie eine Handelsschule, bevor sie Pflegehelferin wurde und sich ein Leben aufbaute, mit ihrer inzwischen 18-jährigen Tochter und ihren Familienangehörigen, von denen einige in der US-Armee dienen.
So wie sie wurden seit Januar rund 50 Menschen, die ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo, Ghana, Angola, Äthiopien, Sierra Leone, Kenia, Senegal, Simbabwe und Marokko stammen, nach Kamerun abgeschoben. Das zentralafrikanische Land gehört zu einer länger werdenden Liste afrikanischer Staaten, die sich zur Aufnahme der von den USA abgeschobenen Migranten bereit erklärt haben. Kameruns Behörden äußerten sich dazu nie offiziell.
"Sie haben mich wie eine Sklavin behandelt", erinnert sich Ayana an ihre Abschiebung, bei der sie an Händen und Füßen gefesselt wurde. Die US-Einwanderungsbehörde ICE habe sie festgenommen, als sie ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen wollte. "Meine Rechte wurden während dieser Prozedur die ganze Zeit verletzt", stellt sie verbittert fest.
Ayanas Mutter stammte aus Eritrea, ihr Vater aus Äthiopien. Auf der Flucht vor dem Krieg, den beide Länder gegeneinander führten, wurde Ayanas Familie von den USA auf Grundlage der UN-Antifolterkonvention aufgenommen.
"Ich bin staatenlos. Ich habe keine Geburtsurkunde, ich bin weder Sudanesin und ich bin weder in Äthiopien noch in Eritrea geboren", erklärt sie. Selbst wenn sie sich - trotz der dort herrschenden Konflikte - zur Ausreise in eines der Länder bereit erklären würde, würde sie dort mangels Papieren nicht hereingelassen.
Ayana ist kein Einzelfall
Auch Peter, ein 51 Jahre alter Kenianer, wurde nach fast 25 Jahren in Dallas, Texas, von den USA nach Kamerun abgeschoben. Auch er habe erst "während des Fluges erfahren, dass wir nach Kamerun fliegen". Der leidenschaftliche Country-Musiker musste seinen 21-jährigen Sohn zurücklassen, der in der US-Marine dient.
Anthony wiederum wurde 2025 von der US-Einwanderungsbehörde festgenommen, kurz nachdem er die mexikanische Grenze überquert hatte. Der etwa 40-jährige Mann aus Simbabwe hat nie in den USA gelebt. Er erzählt, er schäme sich, dass er nach der langen und gefährlichen Reise durch Afrika und Mittelamerika nun nicht in der Lage sei, für seine Frau und die vier Kinder aufzukommen, die in Simbabwe geblieben seien.
Die befragten Betroffenen, deren Vornamen zu ihrem Schutz geändert wurden, erzählen alle von einer extrem gewaltsamen Abschiebung, ohne zu wissen, wohin sie gebracht würden; von erbärmlichen Lebensbedingungen und einem Gefühl des Ausgesetztseins in der kamerunischen Hauptstadt Jaunde, wo sie in einer baufälligen Unterkunft unter Aufsicht der Polizei untergebracht sind. Finanzielle Unterstützung gibt es keine.
Ayana hatte bei der Ankunft in Jaunde nur die Kleidung dabei, die sie am Leibe trug. Handy und Pass wurden ihr vorher abgenommen. Die von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereitgestellten Hygienemittel reichen nicht aus, die medizinische Betreuung ist begrenzt, psychologische Betreuung gibt es nicht. Fast alle Abgeschobenen erkranken nach ihrer Ankunft an Malaria.
Einige der Abgeschobenen wurden bereits in ihr Herkunftsland oder in andere Staaten weitergeschickt. Um dieses völkerrechtswidrige Verfahren zu stoppen, hat der Anwalt Fru Joseph Awah Anfang August vor Gericht die Aussetzung des Abkommens mit Washington und einen "klaren rechtlichen Status" für die Abgeschobenen gefordert.
"Kamerun wird uns nicht die Möglichkeit geben zu bleiben und hier unser Leben zu leben, sie machen das für Geld", sagt Ayana. Recherchen zufolge drängt Washington Drittstaaten vor allem aus Afrika mit Finanzhilfen in Millionenhöhe und der Drohung mit Visumsbeschränkungen dazu, abgeschobene Migranten aufzunehmen.
"Ich fühle mich hier wie in einer Falle", seufzt Ayana. Ihre letzte Hoffnung: Dass in Washington 2028 eine neue Regierung an die Macht kommt und ihr die Rückkehr erlaubt.