Politik

Welt blickt auf deutsche WahlenAusländische Presse zählt Merz an und lobt Schwesig-Aufholjagd

21.09.2026, 02:56 Uhr
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Ausländische Medien beobachten die Wahlen in Deutschland kritisch. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Auch im europäischen Ausland sorgen die beiden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin für Schlagzeilen. "Kanzler Deutschlands zu sein kommt derzeit einem angekündigten Selbstmord gleich", so das ernüchternde Fazit einer französischen Zeitung.

In gleich zwei Wahlen fährt die Partei des Bundeskanzlers Niederlagen ein, während die politischen Ränder jubeln. Das wird auch im Ausland genau beobachtet. Viele europäische Medien kommentieren die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. "Kann Merz nach dem Erdbeben in Sachsen-Anhalt am 6. September das Nachbeben dieses Wochenendes überleben?", fragt die französische Zeitung "Libération".

Merz wolle nach dem "Desaster" nichts von einem Rücktritt hören und werde seine Reformen durchsetzen, "die genauso unbeliebt sind wie er", so das Fazit in Frankreich. In Paris wird mit Skepsis nach Berlin geblickt: "Dabei glaubt niemand, dass er sich bis zum Ende seiner Amtszeit halten kann", resümiert die französische Zeitung die beiden Wahlniederlagen der CDU. "Kanzler Deutschlands zu sein kommt derzeit einem angekündigten Selbstmord gleich", so das ernüchternde Fazit in Frankreich.

"Der mitte-rechts stehende CDU-Vorsitzende ist wegen seines Versagens, die angeschlagene deutsche Wirtschaft zu reformieren und den Aufstieg der AfD einzudämmen, unter Rücktrittsdruck geraten", schreibt "The Telegraph" in Großbritannien. "Mit einer Zustimmungsquote von nur zehn Prozent ist er bei den Wählern und seinen eigenen Parteimitgliedern, die ihn als realitätsfern, unsensibel und arrogant bezeichnen, äußerst unbeliebt", urteilt die britische Zeitung.

Die italienische Zeitung "La Stampa" sieht im SPD-Wahlsieg in Mecklenburg-Vorpommern einen Sieg gegen "die nationalistische Rechte". Manuela Schwesig, von ihren CDU-Gegnern "Küsten-Barbie" genannt werde, "zerlegte Tag für Tag die fadenscheinigen Wirtschaftskonzepte ihrer AfD-Konkurrenten", schreiben die italienischen Politik-Beobachter. "Während die SPD in den Abgrund stürzte, der die europäischen Massenparteien verschlingt, hat sich Schwesig einen Ruf erarbeitet, der mittlerweile fast schon in blindes Vertrauen umschlägt - so sehr, dass manche sie sich als Kanzlerkandidatin der SPD erträumen", schreibt "La Stampa".

Im Nachbarland Polen zählt die "Gazeta Wyborcza" den deutschen Bundeskanzler bereits an: "Die Deutschen verfolgen die Wahlen in beiden Bundesländern mit großer Aufmerksamkeit, weil nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt, wo die CDU eine enorme Niederlage erlitt, die weitere Kanzlerschaft von Merz in Frage gestellt wurde. Als er die Führung der CDU übernahm, hatte Merz versprochen, dass er die Unterstützung für die AfD halbieren würde. Heute wird ihm vorgeworfen, dass er zum Wachsen ihrer Popularität beigetragen hat", kommentiert der polnische Politik-Journalist.

Quelle: ntv.de, bho/dpa

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