Politik

Großdeutsche Fantasie auf KarteAfD-Jugendvorstand Strauf tritt nach Elsass-Eklat zurück

10.10.2026, 20:57 Uhr
00:00 / 06:06
623038819
Rund 80 Mitglieder der "Generation Deutschland" wandern am Tag der Deutschen Einheit im Harz auf den Brocken. (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Ein Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" postet zum Tag der Deutschen Einheit eine fragwürdige Karte in sozialen Medien. Damit entfacht er Wut in Frankreich und wenig Freude bei Parteigenossen. Nun gibt er seinen Posten auf.

Bundesvorstands-Mitglied Luca Maurice Strauf hat sein Amt bei der AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" niedergelegt. Das teilte die Organisation auf X mit. Der Schritt geschehe aus "persönlichen Gründen", heißt es. Damit zieht er offenbar Konsequenzen aus einem Social-Media-Posting zum Tag der Deutschen Einheit. Aber, was war da passiert?

Strauf hatte anlässlich des 3. Oktobers auf X geschrieben: "Deutsche Einheit bedeutet ein Deutschland, das das gesamte deutsche Volk in einem Staat vereint. Heute gedenken wir einem Etappen-Sieg auf dem Weg dahin." Dazu postete er eine Karte, die Deutschland blau eingefärbt zeigt. Zudem sind Österreich, Teile der Schweiz und Italiens, Luxemburg sowie zahlreiche Städte und Gebiete unter anderem in Polen, Tschechien oder der Slowakei ebenfalls mit unterschiedlichen Blautönen unterlegt. In einem hellen Blau sind zudem Teile des französischen Elsass und Lothringens eingefärbt. Kurz nach der Veröffentlichung löschte Strauf den Post wieder.

Einen Aufschrei hatte er dennoch erzeugt, vor allem in Frankreich. Dort reagierten laut "Taz" zunächst vor allem Anhänger des rechten Rassemblement National (RN). Es sollen zahlreiche Bilder von Atompilzen, Nuklearwaffen oder französischen Soldaten in sozialen Medien gepostet worden sein. Es sei vor den Deutschen gewarnt und sinniert worden, Berlin müsste erneut - wie im Zweiten Weltkrieg - dem Erdboden gleichgemacht werden, schreibt die Zeitung. Auch das französische Fernsehen berichtete darüber - etwa der Privatsender BMFTV, der seinen Beitrag auf X teilte.

Strauf zitiert erste Strophe des Deutschlandliedes

Es soll nicht die erste Entgleisung Straufs gewesen sein, der mittlerweile in Bayern lebt, aber eigentlich aus dem Saarland stammt. Und sich selbst "Helmut" nennt, obwohl er so nicht heißt. Laut "taz" soll er am 5. August auf die Frage einer Journalistin, was für ihn denn Heimat ist, geantwortet haben: "Von der Maas bis an die Memel; von der Etsch bis an den Belt." Damit rezitiert er einen Teil der ersten Strophe des Deutschlandliedes, die aufgrund ihrer Vereinnahmung unter anderem in der NS-Diktatur, heute nicht mehr gesungen wird.

Der Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation habe auf den neuerlichen Vorfall am Tag der Deutschen Einheit zerknirscht reagiert, schreibt die "taz". Man habe erst über deren Berichterstattung von dem Fall erfahren, hieß es auf Anfrage. Pressesprecher Wendelin Fessl schrieb: "Er entspricht weder unserem Anspruch an Geschichtspolitik noch unserem Verständnis von Realpolitik. Patriotismus braucht keine historischen Landkarten-Fantasien." Der Vorgang solle auf der nächsten Vorstandssitzung besprochen werden, hieß es aus dort.

Strauf selbst ruderte auf "taz"-Anfrage zurück. Er habe nicht gefordert, dass Deutschland sich Teile der Nachbarländer einverleibe. Angeblich wollte er auf die gemeinsame Geschichte und das gemeinsame Schicksal verweisen. Warum dieses gemeinsame Schicksal aber nur bei Teilen Frankreichs, der Schweiz oder einzelne Regionen osteuropäischer Staaten gegeben sein soll, aber nicht bei den Staaten insgesamt, wird dadurch nicht klar. Auch sein Zitat aus der ersten Strophe der Nationalhymne sei nicht als Forderung gemeint, behauptet er. Wie konkret die Karte zu verstehen sein soll, schreibt er dagegen nicht. Ebenso wenig, wohin der von ihm erwähnte Etappenerfolg - gemeint ist die Wiedervereinigung Deutschlands - am Ende führen soll.

"Generation Deutschland" sollte gemäßigter sein

Nun also die Konsequenz aus dem Fall - angeblich von Strauf selbst getroffen: sein Rückzug aus dem Vorstand. Ob der auf sein Betreiben erfolgt oder er dazu gedrängt wurde, ist unklar. In der Pressemitteilung der AfD-Jugend ist dazu kein Wort zu finden. Weder zum Zustandekommen noch zum eigentlichen Eklat.

Die Aufregung um seine Entgleisung kann der Vorstand aber keineswegs gutheißen. Denn, die Organisation steht unter Beobachtung. Sie ist die Nachfolgeorganisation der "Jungen Alternative" (JA). Diese wurde 2013 gegründet und war keine direkte Parteijugendorganisation. Sie versuchte sich zu einem Bindeglied zwischen Partei und dem neurechten Umfeld, wie etwa der Identitären Bewegung, zu entwickeln. Der Verfassungsschutz stufte mehrere Landesverbände als "gesichert rechtsextremistisch" ein, viele weitere wurden als "Verdachtsfälle" geführt. Im März 2025 löste sich die JA selbst auf.

Es sollte eine neue Jugendorganisation entstehen, die weniger radikal und professioneller auftrat. Zudem wollte die Bundespartei stärkeren Zugriff auf die Organisation haben. Im November 2025 wurde deshalb die "Generation Deutschland" gegründet, die nun auch die offizielle Jugendorganisation der AfD ist - und auch unter ihrer Kontrolle steht.

Quelle: ntv.de, als

AfDFrankreichJunge AlternativeZweiter WeltkriegTag der deutschen EinheitRassemblement National