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Glücklich trennenWann ist eine Liebe wirklich gescheitert?

04.10.2026, 09:58 Uhr imageVon Lauren Ramoser
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Schön war's - so wollen es Wayne Carpendale und Annemarie Carpendale sehen. (Foto: picture alliance/dpa)

Rund jede dritte Ehe wird geschieden, die Öffentlichkeit spricht dann gerne vom Scheitern der Beziehung. Doch warum urteilen wir in der Liebe so hart und machen uns damit so viel Druck?

Trennung nach x Jahren - Ehe gescheitert. Dieser Satz findet sich immer wieder als Schlagzeile oder Kommentar nach Bekanntwerden einer Promi-Trennung. Mitte September ist es die Trennung von Schauspieler Wayne Carpendale und Moderatorin Annemarie Carpendale, die die Öffentlichkeit überrascht. Der Schauspieler reagiert wenig später auf seinem Instagram-Account mit einem Video-Statement zu der Trennung nach 19 Jahren, viele davon als Ehepaar. Er findet nachdenkliche Worte, vor allem über den Begriff des Scheiterns.

"Wenn ich ein Restaurant habe und nach 19 Jahren sage, es reicht, dann sagt auch keiner: Voll gescheitert, 19 Jahre umsonst gekocht", so Carpendale und trifft damit einen wichtigen Punkt, sagt Paartherapeut Christopher Frentrup im Gespräch mit ntv.de. "Ich finde den Begriff des Scheiterns problematisch, weil er das Gelingen von Beziehungen an der Dauer festmacht." Das sei einer der unwichtigeren Faktoren in Beziehungen.

Ist die Ehe zum Scheitern verurteilt?

Laut Carpendale endet eine erfolgreiche Ehe auf dem Friedhof. Wer es nicht bis hierhin schafft, trifft sich in den meisten Fällen beim Scheidungsanwalt. Das ist in Deutschland für etwa jedes dritte Paar der Fall - und das, obwohl Heiraten aus der Mode gekommen ist. Denn die Zahl der Eheschließungen war 2025 laut Statistischem Bundesamt auf dem niedrigsten Stand seit 1950. Lebten 1994 noch 60 Prozent der Deutschen in einer Ehe, waren es Ende 2024 nur noch 50 Prozent. Lediglich die Dauer der Ehen ist in diesem Zeitraum rund zwei Jahre gestiegen. Ehepaare trennen sich heute nach 14,7 Jahren Ehe.

Solch ein Beziehungsende ist anstrengend. "Die Menschen kommen nur in Kontakt mit der Größe der Ehe im Moment der Scheidung", sagt Frentrup. "Welchen Rechtsrahmen das berührt, bekommt man im Alltag nicht mit." Der gesellschaftliche Druck, der sich während einer Trennung über einem Paar entlädt, sei tief im Konstrukt der Ehe verwurzelt.

"Der Staat hat ein besonderes Interesse an der Ehe", erklärt der Therapeut. Das werde in ihrer rechtlichen Alleinstellung deutlich. "Der besondere Schutz der Familie im Grundgesetz, Rechtsklauseln wie das Ehegattensplitting, all das sind Vorteile für explizite Ehemodelle", so der Paartherapeut. Für Paare werde laut Frentrup im Moment der Trennung eins klar: "Wenn wir diese Beziehung beenden, hat das rechtlich weitreichende Folgen." Deutlich wird das auch beim Scheidungstermin vor Gericht, wenn Richter beide Ehepartner fragen, ob sie die Ehe für gescheitert halten. Nach dem meist emotionalen "Ja", bei der Eheschließung, besiegelt dieses zweite einstimmige "Ja" das Ende selbiger.

Und häufig entsteht spätestens dabei ein Gefühl der Bitterkeit, Liebe schlägt in Hass um. Das ist besonders tragisch, wenn Kinder im Spiel sind. Aber auch auf Familien, Freundeskreise und das soziale Umfeld der Ex-Paare hat das große Auswirkungen.

Wann ist die Liebe erfolgreich?

Zumindest die Wucht des Urteils des Scheiterns könnte man aus der Gleichung der Trennung rausnehmen, indem man andere Erfolgskriterien stärker gewichtet. "Vielleicht sollte man Beziehungen nicht nur danach beurteilen, ob sie gehalten haben, sondern danach, ob sie eine Zeit lang getragen haben, ob man zusammen gelacht hat, ob man sich zusammen ein Zuhause gebaut hat, ob man sich durch beschissene Zeiten geholfen hat", schlägt Carpendale in seinem Video vor.

Paartherapeut Christopher Frentrup empfiehlt, sich eigene Maßstäbe für eine Beziehung zu setzen, auch um den Druck herauszunehmen. "Bin ich in der Beziehung gewachsen?", ist laut des Therapeuten eine wichtige Frage, die sich Menschen stellen sollten. Paare sollten miteinander wachsen können, ohne sich voneinander abhängig zu machen. "Das scheint mir ein erstrebenswerter Zustand zu sein", erklärt Frentrup.

Geschichte gut, aber Kapitel vorbei

Doch wie gelingt das konkret? "Ob Menschen sich über eine lange Zeit parallel in einer Beziehung halten können, ist nicht einfach nur Schicksal. Sonst wäre Paartherapie nutzlos und es gibt gute Studien dazu, dass sie in etwa zwei Drittel der Fälle wirksam sein kann", sagt Frentrup. Wie man ein Auto regelmäßig zum TÜV bringt, kann man in einer Paartherapie auch kritisch auf die eigene Beziehung schauen. Was läuft rund? Wo rostet es? Woran müssen wir arbeiten? Das habe laut des Therapeuten die Chance, die Beziehung langfristig zu stärken, bevor schwerwiegende Probleme entstehen.

Entscheidend sei, eine gemeinsame Vision der Zukunft zu entwickeln, Träume zu haben und zu leben, miteinander im Gespräch zu bleiben und sich immer wieder nah zu sein. "Und trotzdem kann es sein, dass Menschen, die gut im Kontakt miteinander sind, das Gefühl haben, ihre gemeinsame Geschichte sei auserzählt", berichtete Frentrup aus seiner therapeutischen Arbeit. "Da hat keiner was falsch gemacht, es gab keine Vertrauensbrüche, und man geht dann trotzdem getrennte Wege."

Dieses literarische Bild nutzt auch Wayne Carpendale in seiner Stellungnahme und findet es tröstlich. "Vielleicht ist nicht jede Beziehung die man beendet, gescheitert, sondern einfach abgeschlossen", sagt er. Ein Kapitel der eigenen Geschichte, das man nicht rückwirkend verteufelt und schlechtredet - wenn es auch viele schöne und bedeutende Momente gegeben hat.

Quelle: ntv.de

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