Panorama

Vorfall an US-EliteuniversitätSonderermittlerin soll nicht verfolgte Vergewaltigung untersuchen

02.10.2026, 17:13 Uhr
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Die Cornell University ist eine US-Eliteuniversität. (Foto: REUTERS)

Eine ehemalige Studentin der US-Eliteuni Cornell sagt, sie sei vor zwei Jahren von mehreren Männern auf dem Campus vergewaltigt worden. Deren Studentenverbindung wird verboten, einige Männer fliegen von der Uni. Einen Prozess gibt es nie. Zumindest bislang.

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraut die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall.

Eine frühere Studentin der Cornell-Universität hatte angegeben, sie sei im Oktober 2024 von sieben Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi mit dem Narkosemittel Ketamin betäubt und dann vergewaltigt worden. Die zuständige Staatsanwaltschaft entschied jedoch, die Verdächtigen nicht vor Gericht zu stellen.

Keine Anklage wegen Gesetzeslücke

Der US-Sender CNN und andere Medien berichteten, dies liege an einer Gesetzeslücke in New York, die es in ähnlicher Form in rund 19 US-Bundesstaaten gibt. Danach können Staatsanwälte nur schwer Anklage erheben, wenn sich das mutmaßliche Opfer freiwillig so stark berauscht hat, dass seine Fähigkeit zur Einwilligung in Sex massiv beeinträchtigt ist. 

Gouverneurin Hochul sagte: "Es sollte keine Rolle spielen, ob sie vorher Drogen oder Alkohol konsumiert hat. Ein freiwilliger Rausch ist keine Lizenz für sexuelle Übergriffe oder eine Gruppenvergewaltigung - Punkt". Sie unterstütze die Schließung dieser Gesetzeslücke, betonte die Politikerin der Demokraten.

"Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ich wurde vergewaltigt", soll die Angeklagte laut US-Medien damals gegenüber der Universitätspolizei ausgesagt haben. Der zuständige Bezirksstaatsanwalt sagte, das Dokument von der Universität habe er damals nie erhalten. In der Erklärung von 2024, die er kenne, habe die Frau nichts beschrieben, was eine Straftat dargestellt hätte. Er war maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, dass es 2024 nicht zu einem Verfahren kam.

Der Anwalt der Frau, Thomas Giuffra, sagte dem Sender CNN, seine Mandantin habe zunächst verdrängt, dann Scham empfunden und sei dann zu der Erkenntnis gelangt, dass sie von Menschen vergewaltigt worden war, die sie für ihre Freunde gehalten hatte. "Ihre Reaktionen waren eine Lehrbuchreaktion auf ein Trauma", so der Anwalt.

Gruppenchat dient als Beleg für Vergewaltigungsvorwurf

In der Zivilklage wird ein Snapchat-Gruppenchat von Mitgliedern der Studentenverbindung als Beweismittel angeführt. Darin sollen die Männer während der fraglichen Nacht in vulgärer Sprache darüber geschrieben haben, dass eine Frau im Haus für Sex zur Verfügung stehe. Die Klägerin sieht darin Hinweise darauf, dass weitere Männer gezielt in das Zimmer kamen. 

Hochul erklärte nun, dadurch sei das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Justiz untergraben worden. Nach einer Zivilklage des mutmaßlichen Opfers gegen die Universität im September entschied die Bezirksstaatsanwaltschaft am Montag, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.

Generalstaatsanwältin James soll die Angelegenheit jetzt unter die Lupe nehmen und "gegebenenfalls alle aus dieser Untersuchung resultierenden Straftaten verfolgen", wie Hochul auf X erklärte. Neue Informationen hätten "ernsthafte Fragen aufgeworfen, wie mit diesem Fall umgegangen wurde". Die Klägerin, die in den Akten "Jane Doe" genannt wird, verdiene Gerechtigkeit.

Die Universität Cornell hatte die Studentenverbindung nach den Vorwürfen verboten und einige der beteiligten Studenten suspendiert. Einige von ihnen wurden später der Universität verwiesen.

James wurde unter anderem mit Ermittlungen gegen Präsident Donald Trump und den ehemaligen New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo bekannt.

Quelle: ntv.de, als/AFP/dpa

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