Panorama

Waggons stürzen Damm hinabSchweres Zugunglück in Spanien - mindestens 64 Tote

28.10.2026, 10:28 Uhr
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In Spanien kommt es zu einer Tragödie. Zwischen Madrid und Andalusien kollidieren zwei Züge. Die Behörden melden viele Tote und Verletzte.

Bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid sind nach Angaben einer Sprecherin der spanischen Regionalregierung von Kastilien-La Mancha mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Todesopfer könne weiter steigen, wurde sie im staatlichen TV-Sender RTVE zitiert. Emiliano García-Page, Präsident der Region Kastilien-La Mancha meldete zudem 80 Verletzte, wovon 50 schwer verletzt seien.

Bei dem Unglück nahe Urda in der Provinz Toledo entgleisten mehrere Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo mit 147 Insassen. Zwei Waggons stürzten einen Bahndamm hinunter. Der zweite Zug stammt von der staatlichen Bahngesellschaft Renfe. In ihm befanden sich 397 Reisende. Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen, wie der spanische Bahnnetzbetreiber Adif mitteilte.

Der Unfall ereignete sich laut Medienberichten kurz vor 9 Uhr. Ein Hochgeschwindigkeitszug habe einen anderen von hinten gerammt, als beide in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs gewesen seien, hieß es aus Adif-Kreisen.

Menschliches Versagen wohl die Ursache

Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Doch erste Erkenntnisse lassen auf menschliches Versagen schließen. Das schwere Zugunglück ist nach den Worten von Verkehrsminister Oscar Puente auf eine "unerklärliche" und "falsche" Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen. Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte, sei einem der Züge grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben worden, sagte Puente.

So standen "etwa acht Züge" am Morgen aufgrund einer technischen Störung nahe dem Bahnhof Urda still, berichtet die Zeitung "El País". Fast alle erhielten die Freigabe zur Weiterfahrt, nur der Iryo nicht. Zugleich näherte sich jedoch ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug von Renfe mit niedriger Geschwindigkeit. Dieser erhielt schließlich "versehentlich von einem Mitarbeiter aus der Leitstelle" die Anweisung, zu beschleunigen, obwohl der Iryo-Zug noch das Gleis belegte, so "El País" weiter. Der Lokführer konnte nicht schnell genug bremsen, als er den anderen Zug sah, um eine Kollision zu verhindern.

Rafael Escudero, Generalsekretär der Eisenbahnergewerkschaft, mahnte, nicht vorschnell über die Ursache des Unglücks zu spekulieren. Er forderte "dringende Aufmerksamkeit" für die Eisenbahnstrecke, auf der es zu Beginn des Jahres bereits einen dramatischen Unfall gegeben hatte. Escudero vermutet Mängel in der Infrastruktur und betont, dass die Gewerkschaften schon längere Zeit eine Überprüfung der Strecke Madrid-Sevilla fordern.

Ein Überlebender schilderte "El País" die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop. "Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft", sagt der 54-Jährige.

Zunächst hätten die Passagiere gedacht, ihr Zug sei entgleist. Als sie nach und nach ausgestiegen seien, hätten sie gesehen, dass der Zug schräg stand. Es habe viele Verletzte und aufgeregte Menschen gegeben. Jerónimo half anschließend den Rettungskräften, unter anderem indem er Infusionen hielt. Die Feuerwehr konzentrierte ihre Arbeit seinen Angaben zufolge auf den stärker beschädigten Zug.

Regionalpräsident sagt Termine ab

"Ich stehe in ständigem Kontakt mit dem Verkehrsminister und dem Präsidenten von Kastilien-La Mancha. Die Rettungskräfte sind vor Ort im Einsatz, um den Betroffenen zu helfen und ihre Sicherheit in Abstimmung mit allen zuständigen Behörden zu gewährleisten", schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf X. Er sei bestürzt und sprach den Betroffenen und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Regionalpräsident Emiliano García-Page sagte vorerst alle Termine ab und machte sich auf den Weg zum Unglücksort.

Der Unfall weckt Erinnerungen an das schwere Zugunglück vom Januar dieses Jahres bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.

Quelle: ntv.de, rog/mpa/dpa

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