Panorama

Behördenmitarbeiter getötetSchüsse in Berngau - was wir wissen, und was nicht

09.10.2026, 10:13 Uhr
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Im pfälzischen Berngau eskaliert am Donnerstagnachmittag eine routinemäßige Waffenkontrolle. Zwei Mitarbeitende des Landratsamtes Neumarkt sterben. Die Polizei befindet sich über zwölf Stunden im Einsatz und nimmt den 60 Jahre alten Schützen schließlich nach weiteren Schüssen fest. Was zu dem Fall bisher bekannt ist.

Was wir wissen

Tatort und Zeitpunkt

In Berngau im Landkreis Neumarkt südöstlich von Nürnberg hat es am Donnerstagnachmittag einen tödlichen Vorfall mit Schusswaffen gegeben. Mehrere Zeugen meldeten gegen 14 Uhr per Notruf Schussgeräusche, woraufhin ein Großeinsatz der bayerischen Polizei begann.

Opfer

Vor einem weißen Wohnhaus fanden Einsatzkräfte einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes Neumarkt leblos auf dem Boden. Im Gebäude entdeckten sie später die Leiche seiner 54 Jahre alten Kollegin. Die Ermittler gehen aufgrund der Auffindesituation davon aus, dass sie bereits im Zuge der ersten Schüsse unmittelbar starb.

Anlass der Kontrolle

Die beiden Getöteten waren zu einer routinemäßigen Kontrolle im Rahmen des legalen Waffenbesitzes bei einem Mann, unter anderem zur Überprüfung der korrekten Lagerung der Waffen. "Solche Kontrollen finden ohne Vorankündigung turnusgemäß bei allen Inhaberinnen und Inhabern von Waffenbesitzkarten statt, um einen ordnungsgemäßen Umgang und besonders auch die vorschriftsgemäße Verwahrung der Waffen zu kontrollieren und zu gewährleisten", teilte das Landratsamt mit.

"Die Kontrollen werden immer zu zweit durchgeführt und erfolgen bayernweit ohne vorherige Abstimmung mit der Polizei, wenn es keinen konkreten Gefährdungsverdacht gibt. Im Falle der Kontrolle von Berngau gab es weder einen konkreten Gefährdungsverdacht noch sonstige Hinweise", so das Landratsamt weiter. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte, es lagen bisher keine Erkenntnisse vor, dass vom Verdächtigen eine Gefahr ausgeht. Vorherige Kontrollen bei dem Schützen seien vorfallfrei verlaufen.

Verdächtiger

Der mutmaßliche Schütze ist ein 60-jähriger Deutsche, der zehn Waffen legal besaß. Der Mann ist Herrmann zufolge Jäger und Sportschütze. Polizeilich ist der Verdächtige zuvor nach aktuellem Stand der Ermittlungen nicht bekannt gewesen. Es gibt laut dem Landesinnenminister auch keine Hinweise auf eine wie auch immer geartete extremistische Gesinnung. Weder Staatsschutz noch Verfassungsschutz hätten bisher irgendwelche Erkenntnisse über ihn. 

Polizeilicher Großeinsatz und Taktik

Die Polizei umstellte zunächst das Gebäude und setzte unter anderem ein Spezialeinsatzkommando mit gepanzertem Fahrzeug sowie einen Polizeihubschrauber ein. Die Anwohner sollten möglichst in ihren Häusern bleiben.

Bemühungen um eine friedliche Lösung

Über Stunden versuchten erfahrene Spezialisten, den im Haus verschanzten Mann zur Aufgabe zu bewegen. Ein Polizeisprecher erklärte zur Einsatztaktik, man versuche grundsätzlich, eine friedliche, gewaltfreie Lösung durch Kommunikation zu erreichen.

Dauer des Einsatzes

Der Einsatz zog sich von den ersten Notrufen am Donnerstagnachmittag bis tief in die Nacht über gut zwölf Stunden hin.

Zugriff und Festnahme

Weil sich der Mann nicht ergab, erfolgte in der vergangenen Nacht gegen 2.20 Uhr ein Zugriff unter Einsatz von Sprengmitteln. Dabei schossen die Beamten auch - der 60-Jährige wurde leicht am Bein verletzt. Der Mann soll sich dem Zugriff widersetzt haben. Er wurde festgenommen. Aktuell befindet er sich unter Polizeibewachung in einem Krankenhaus.

Weitere Schritte der Ermittlungen

Der Festgenommene soll auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth nach seiner medizinischen Versorgung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Der entscheidet üblicherweise über eine mögliche Untersuchungshaft. Zudem werden auch heute noch Spuren am Tatort gesichert. Den Schusswaffengebrauch durch die Polizisten prüft wie in derartigen Fällen üblich das Landeskriminalamt. Zudem sollen die Toten obduziert werden.

Was wir nicht wissen

Motiv des mutmaßlichen Täters

Das Motiv des Verdächtigen ist nach Behördenangaben unklar. Hatte er womöglich nicht alle Waffen legal, waren sie nicht ordnungsgemäß aufbewahrt? Auch zur Person des Verdächtigen selbst weiß die Öffentlichkeit noch nichts. Lebte er alleine?

"Es ist im Moment in der Tat von der Motivation her noch völlig unerklärlich, warum es überhaupt zu dieser Eskalation gekommen ist", sagt Bayerns Innenminister Herrmann.

Art der Waffen

Welche und wie viele Waffen der mutmaßliche Schütze besitzt, ist öffentlich nicht bekannt. Auch muss noch geklärt werden, ob es bisher Probleme bei Kontrollen bei dem Mann gab und warum er die Waffen besaß. War er Sportschütze oder Jäger?

Genauer Ablauf der Tat

Über den genauen Ablauf der Geschehnisse konnten die Behörden "derzeit noch keine genaueren Angaben" machen, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz sagte. Details dazu, wie genau sich die Schüsse und Ereignisse im und vor dem Haus zeitlich und situativ abspielten, sind damit noch offen.

Konkrete Vorwürfe

Bisher haben die Ermittler nicht mitgeteilt, was sie dem Verdächtigen vorwerfen - also etwa Mord oder Totschlag. Auch ist unklar, ob und wann er einem Ermittlungsrichter vorgeführt wird, der über eine mögliche Untersuchungshaft befindet.

Quelle: ntv.de, mpa/dpa

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