Chaos bei der Wettervorhersage Herbsttief schlägt am Wochenende zu

Der Herbst kommt in Gang und wird am Wochenende regional für kühles Schmuddelwetter sorgen. Gleichzeitig gibt uns die kommende Wetterlage einige Rätsel auf. ntv-Meteorologe Paul Heger versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.
ntv.de: Bis auf wenige Tage scheint uns der Herbst 2026 bisher mit Samthandschuhen anzufassen, oder?
Paul Heger: Ja, das Wetter könnte zu dieser Jahreszeit schon ganz anders aussehen: Orkane, Dauernebel, erster Schnee im höheren Flachland. Nein, es ist in weiten Teilen eine Fortsetzung des zu trockenen, aber dadurch auch sonnenreichen, goldenen Wetters, das gleichzeitig oft wärmer als normal ausfällt.
Bleibt das denn so?
Am Freitag wird es tatsächlich noch milder. Oft sind um 20 Grad drin, im Südwesten 24 Grad. Selbst die Sommermarke von 25 Grad könnte örtlich geknackt werden. Es gibt aber auch Regionen, wo man schon merkt, dass wir weiter reinrutschen ins Winterhalbjahr.
Welche Regionen sind das?
In den typischen Nebellagen in den Tälern der Mittelgebirge oder an der Donau guckt man schon mal in die Röhre. Bei Nebel oder Hochnebel bleibt es dann deutlich frischer. Und das wird jetzt in der zweiten Oktoberhälfte natürlich immer häufiger passieren.
Der Wechsel aus goldenem Oktoberwetter und kühlen Nebellagen bleibt uns erhalten?
Ja, und tendenziell wird der Nebel irgendwann auch mal die Oberhand gewinnen. Aber zwischendurch, wie jetzt am Wochenende, passiert etwas Interessantes. Das bereitet uns Wetterleuten ordentlich Kopfzerbrechen. Wir bekommen es mit einem sogenannten Kaltlufttropfen zu tun. Diese Wetterlage bedeutet oft Chaos.
Chaos beim Wetter am Wochenende? Was bedeutet das konkret?
Diese Kaltlufttropfen sind Tiefs. Sie haben in der Höhe kalte Luft eingelagert, weil sie irgendwann mal aus nördlichen Regionen nach Süden wanderten. Umgeben sind sie nun aber von wärmerer Luft. Sie sind gleichzeitig von der großräumigem Höhenströmung abgeschnitten, dem Jetstream. Der schiebt normalerweise die Tiefs gut vorhersagbar von der einen Region in die andere.
Das Wetterchaos bezieht sich also auf die Vorhersagbarkeit des Wetters?
Ja, genau. Diese Kaltlufttropfen eiern wie ein Fettauge auf der Oberfläche einer Brühe von links nach rechts und beim kleinsten Impuls ändern sie Ihre Richtung. Die Höhenkaltluft destabilisiert dabei die Atmosphäre. Es bilden sich Wolken, Schauer, auch mal Gewitter. Und je nachdem wo sie dann entlangeiern - über warmes Wasser, kühleres Land - sind sie sehr intensiv oder nur wenig wetterwirksam. Eine genaue Prognose zu geben, ist oft schwer.
Dennoch eine Prognose: Wie sieht das Wetter jetzt am Wochenende aus?
Ein bisschen etwas wissen wir ja. Der Südwesten kann sich schon mal auf ein graues, eher regnerisches und kühles Wochenende einstellen. Nach den bis zu 24 Grad am Freitag sind es am Samstag oft nur noch 10 bis 15, am Sonntag teils auch unter 10 Grad. Diese Zone reicht am Samstag auch hoch bis nach Sachsen, Berlin und Brandenburg, eventuell bis nach Vorpommern. Südöstlich davon bleibt es trockener, sonniger und milder. Auch nordwestlich bleibt es oft netter, wenn auch ein paar Schauer dabei sind. Dazu ist es sehr windig. Am schönsten wird es wohl in Schleswig-Holstein und Hamburg.
Das ist doch schon mal etwas. Gibt es für Sonntag etwas Konkretes?
Da wird es dann schon schwierig, weil dieses Tief direkt über uns hinweg kreiselt und die Auswirkungen unklar sind. Wie schon beschrieben, hängt der Südwesten unter den dichten Wolken mit Regen. Wahrscheinlich wird es auch bis hoch ins Rheinland trüber werden. Im Rest können Schauer auftreten, es bleibt aber meist trocken. Am meisten Sonne dürfte es im Osten Bayerns und wieder im äußersten Norden geben - hier aber weiterhin mit frischem Wind.
Die neue Woche wird dann aber wieder golden?
Zumindest wird sich dieser Kaltlufttropfen abschwächen und verziehen. Am Montag sollte es meist trocken bleiben und nach Nebelauflösung scheint dann auch wieder häufiger die Sonne. Damit wird es auch wieder etwas milder. Eine Sache wird aber anders sein und sie zeigt uns, dass es der Herbst ernst meint.
Wird es bald stürmisch?
Nein, aber der Wind ist der Punkt. Er kommt Anfang nächster Woche nicht mehr wie aktuell aus Südwest, sondern verbreitet aus Ost und ist deutlich frischer. Wenn es nachts aufklart, wird es kalt bis frostig, gerade im Osten und natürlich in den höheren Lagen. Aber auch tagsüber wird der Wind pusten. Trotz Sonne wird sich die Luft dann deutlich kälter anfühlen, eben herbstlich. Bei Hochnebel könnte sich das dann schon eher mal nach November anfühlen.
Aber die Sonne wird noch die Oberhand haben?
Na ja, es wird nächste Woche weitere Überraschungen geben, wahrscheinlich auch einen neuen Kaltlufttropfen. Genauso aber auch Sonnenschein. Das Wetter ist wieder etwas abwechslungsreicher. Das bereitet uns Wetterleuten zwar manchmal Kopfzerbrechen, aber vor allem auch Freude - immerhin uns.