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"Alle haben sich gut verstanden"Familie im Urlaub abgestochen? 19-Jähriger vor Gericht

21.10.2026, 15:30 Uhr
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Im Weihnachtsurlaub soll ein Heranwachsender seinen Vater, dessen Freundin und deren Tochter getötet haben. Nun beginnt der Prozess. Zentral ist die Frage nach dem "Warum".

Er sollte ein schöner gemeinsamer Familienurlaub über Weihnachten auf Kap Verde werden, einer vulkanischen Inselgruppe im Atlantik vor der Westküste Afrikas: Am Ende sind drei Menschen tot. Erstochen - in einer Ferienwohnung in Mindelo auf der Insel São Vicente. Als mutmaßlicher Täter steht jetzt ein 19-Jähriger aus der Eifel vor dem Landgericht Trier. Er soll am 23. Dezember 2025 seinen Vater, dessen Freundin und deren Tochter getötet haben. Die Anklage lautet auf Mord und Totschlag.

Das Motiv für das dreifache Tötungsdelikt ist noch völlig unklar. "Dazu haben wir momentan keine Erkenntnisse", sagte Oberstaatsanwalt Eric Samel zum Prozessauftakt. Auch der Verteidiger des Angeklagten, Harry Völker, sagte, er habe keine Erklärung für die mutmaßliche Tat seines Mandanten. "Sie haben sich alle gut verstanden." Der 19-Jährige wollte sich am ersten Tag des Prozesses nicht zu den Vorwürfen äußern. Es werde aber später eine Erklärung zur Sache geben, sagte Anwalt Völker.

Der 58 Jahre alte Vater aus dem Raum Aachen - die beiden Frauen im Alter von 20 und 45 Jahre wohnten in Berlin - habe zu dem gemeinsamen Urlaub eingeladen. "Er hatte es seinem Sohn explizit zum Geburtstag geschenkt." Knapp eine Woche vor der mutmaßlichen Tat ging es gemeinsam los.

Gegen 4 Uhr morgens habe der 19-Jährige zunächst die Tochter attackiert, sagte Samel. Die junge Frau habe zum Schlafen im Bett gelegen und keine Möglichkeit gehabt, sich zu wehren. Hier laute der Vorwurf Mord - das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt. Danach soll der 19-Jährige seinen Vater und seine Partnerin angegriffen haben. Im Kampf habe er den Opfern "eine Vielzahl von Stich- und Schnittwunden" zugefügt. Hier ist Totschlag angeklagt. Alle drei starben an den Folgen von Halsverletzungen.

Noch bei der Tat setzte die Lebensgefährtin mit ihrem Handy über einen Messengerdienst einen Notruf an eine Verwandte in Deutschland ab. Die Verwandte alarmierte daraufhin die deutsche Polizei.

Festnahme in Portugal

Laut Samel hat der Angeklagte spätestens am 23.12.2025 den Entschluss gefasst, die drei Menschen zu töten. Zuvor habe er seinen Rückflug gebucht. Nach der Tat war der 19-Jährige in die portugiesische Hauptstadt Lissabon geflogen, wo er festgenommen wurde. Mitte Januar erfolgte seine Auslieferung nach Deutschland.

Oberstaatsanwalt Samel sagte, ein anderer Täter werde ausgeschlossen. "Die Ermittlungen haben sehr, sehr schnell gezeigt, dass der Angeklagte als unmittelbarer Täter in Betracht kommt." Die kapverdischen Ermittler hätten zahlreiche Hinweise geliefert. Zudem habe es "vielfältige kriminaltechnische Maßnahmen" gegeben. Dazu werde im Laufe des Prozesses mehr bekannt.

Der Austausch mit den kapverdischen Behörden habe sehr gut funktioniert, sagte Samel. "Wir waren ja dann auch bei den Kollegen vor Ort, haben uns da den Tatort selbst noch mal angeschaut." Auch bei der Übergabe der Beweisergebnisse ging "alles reibungslos". Doch nach Angaben von Völker ist die Tatwaffe nicht gefunden worden. Oberstaatsanwalt Samel: "Dazu können wir aktuell nichts sagen. Das ist alles Gegenstand der Hauptverhandlung."

Verteidiger Völker sagte, er habe "erhebliche Zweifel" an dem, was zum Ablauf des Geschehens in der Anklage stehe. Die Spurenlage müsse im Verfahren bewertet werden. Und den Rückflug buchte der junge Mann laut seinem Anwalt, weil er keine Lust mehr auf den Urlaub hatte und zurückfliegen wollte.

Angeklagter ein "ganz normaler Junge"?

Der Angeklagte, ein Deutscher, lebte zuletzt im Kreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz - und damit im Zuständigkeitsbereich der Trierer Staatsanwaltschaft. Er stammt aus einer früheren Ehe seines Vaters. Die Eltern hätten sich getrennt, als er sechs oder sieben Jahre alt war, sagte der gebürtige Aachener. Das Verhältnis zu seinem Vater sei "in Ordnung gewesen", ergänzte er.

Ruhig berichtete der junge Mann über sein bisheriges Leben: Er habe zunächst im nordrhein-westfälischen Roetgen gewohnt, sein Vater sei Unternehmer. Später sei er in Wittlich und Daun in Gymnasien gegangen, habe aber in der 11. Klasse die Schule verlassen, um eine Ausbildung zu machen - als Kaufmann in einer Großspedition. Die habe er nach einem Jahr abgebrochen, jetzt wolle er in der Pflege arbeiten, sagte er.

"Er ist ein ganz normaler Junge", sagte sein Verteidiger. Er habe einen normalen, relativ unauffälligen Lebensweg hinter sich. "Also die Tat mit ihm in Vereinbarung zu bringen ... Es fällt einem schwer, etwas Derartiges zu glauben."

Der Prozess findet vor der Jugendkammer des Landgerichts Trier statt, da der Angeklagte mit 19 Jahren zur Tatzeit Heranwachsender war. Zum Prozess sind nach Angaben des Gerichts drei Nebenkläger zugelassen. Der Prozess geht am 4. November weiter. Er ist vorläufig bis zum 2. Dezember geplant.

Quelle: ntv.de, Birgit Reichert, dpa

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