Missbrauchte Opfer seit Jahren Ex-Polizist soll Schwangere ermordet haben

In Boston beginnt ein Prozess gegen einen ehemaligen Polizisten, der eine Schwangere getötet haben soll. Als die beiden sich kennenlernten, war das Opfer erst 13 Jahre alt. Die Verteidigung behauptet jedoch, die junge Frau hätte Selbstmord begangen.
In den USA hat ein Mordprozess gegen den ehemaligen Polizisten Matthew Farwell aus Massachusetts begonnen. Die US-Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 23-jährige Sandra Birchmore und ihr ungeborenes Kind getötet und den Tod der jungen Frau als Selbstmord inszeniert zu haben. Wie "CBS News" berichtet, begann der Prozess am Freitag vor einem Bundesgericht in Boston.
Sandra Birchmore wurde 2021 leblos in ihrem Schlafzimmer in Canton, Massachusetts, aufgefunden. Ein Sporttaschenriemen war um ihren Hals geschlungen und an einem Schranktürgriff befestigt. Lokale und staatliche Behörden stuften ihren Tod zunächst als Selbstmord ein. Zu dem Zeitpunkt war sie 23 Jahre alt und schwanger. Den Ermittlern zufolge glaubte sie das Kind sei von Farwell.
Birchmores Familie setzte die Ermittler jedoch unter Druck, die Selbstmord-Einstufung zu überdenken, da sie ihre Zukunft plante und sich auf die Mutterschaft freute. Eine bundesweite Untersuchung führte 2024 schließlich zur Anklage gegen Farwell, berichtet CNN.
Sexueller Missbrauch mit 15
Farwell soll Birchmore im Alter von 13 Jahren bei einem Berufsorientierungsprogramm der Polizei kennengelernt haben. Die stellvertretende US-Staatsanwältin Torey B. Cummings erklärt den Geschworenen, Farwell habe Birchmore eigentlich als Mentor dienen sollen. Stattdessen habe er sie manipuliert und zum ersten Mal mit ihr geschlafen, als sie 15 und er 27 Jahre alt war. Die etwa acht Jahre andauernde Beziehung beinhaltete Vergewaltigungsfantasien und von Farwell initiierten, gewalttätigen Sex, sagt Cummings. Der verheiratete Farwell habe Birchmore jahrelang ausgenutzt - sich manchmal sogar während seiner Dienstzeit mit der jungen Frau zum Sex getroffen.
Die Staatsanwältin sagte, Farwell habe Birchmore getötet, nachdem sie schwanger geworden war und er die Aufdeckung ihrer geheimen Beziehung fürchtete. "Mit den Informationen, die sie hatte, hätte sie sein Leben beenden können, also beschloss er, ihres zuerst zu beenden", sagte Cummings. Die Behörden hätten seine DNA auf dem Tragegurt der Reisetasche um Birchmores Hals gefunden, sagte sie.
Verteidigung spricht von Selbstmord
Farwells Verteidigerin Kimberly Stevens argumentiert jedoch, dass Birchmore Selbstmord begangen habe. Stevens schildert Birchmore als ängstliche, einsame und verzweifelte junge Frau, die weniger als drei Dollar auf dem Konto hatte und suizidgefährdet war. Die Verteidigerin erklärt den Geschworenen, Birchmore habe sich in einem "impulsiven Akt der Verzweiflung" selbst getötet, nachdem Farwell sich in jener Nacht von ihr getrennt hatte. Sie erklärte außerdem, dass Farwells DNA nicht unter Birchmores Fingernägeln gefunden wurde und die um ihren Hals gefundene Schlinge DNA von mehreren Personen enthielt - nicht nur von Farwell. Der Prozess wird mindestens einen Monat dauern.
Farwell befindet sich seit seiner Festnahme im August 2024 in Haft. Ihm wurde die Polizeilizenz entzogen und er darf in Massachusetts nicht mehr im Polizeidienst tätig sein. Ein DNA-Test schloss Farwell als Vater von Birchmores ungeborenem Kind aus. Die Staatsanwaltschaft gab jedoch an, dass er zum Zeitpunkt ihres Todes glaubte, das Kind sei seins.
Der 40-jährige Farwell muss im Falle einer Verteilung mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. Zusätzlich zu Mord an einem Zeugen oder Opfer wird ihm der Tod eines ungeborenen Kindes zur Last gelegt. Er hat sich in beiden Anklagepunkten für nicht schuldig erklärt.