Bürger sollen Häuser verlassenBrand nur noch wenige Kilometer von Monschau entfernt

Der Waldbrand, der in einem Naturschutzgebiet in Belgien wütet, nähert sich der deutschen Grenze. Die Menschen in der Eifelstadt Monschau sind in Sorge. Einige sollen wegen starker Rauchbelastung bereits ihre Häuser verlassen.
Wegen der Ausbreitung eines großen Waldbrandes von Belgien in Richtung Deutschland spitzt sich die Lage für die Menschen in der grenznahen nordrhein-westfälischen Stadt Monschau zu. Die Feuerfront im Hohen Venn befinde sich nur noch etwa drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, teilte die Stadt in der Nacht auf ihrer Webseite mit - und empfiehlt Bürgerinnen und Bürgern einiger Ortsteile, ihre Häuser und Wohnungen wegen möglicherweise gesundheitsgefährdender Rauchbelastung vorübergehend zu verlassen. Angesichts der Ausbreitung der Feuerfront im Hohen Venn werde erwartet, dass es ab dem Vormittag zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen kommen werde, teilte die Stadt weiter mit. Gesundheitliche Gefahren durch den Brandrauch seien nicht auszuschließen.
Monschau liegt rund zwei Kilometer von der Grenze entfernt. Die Einsatzkräfte bewässern vorsorglich Feldgrundstücke nahe der deutsch-belgischen Grenze, um einen Zeitvorsprung vor dem Feuer zu gewinnen. Dabei ist auch das Technische Hilfswerk im Einsatz.
Angesichts der weiteren Ausbreitung des Brandes sei nicht auszuschließen, dass es vermehrt zu erheblichen Rauchbelastungen und Rauchniederschlägen komme. Den Bewohnern von Plattevenn, Leyloch und Kalterherberg westlich des Messewegs werde angesichts nicht auszuschließender gesundheitlicher Gefahren "dringend empfohlen", die Bereiche bis zum Vormittag zu verlassen und bei Verwandtschaft und Freunden unterzukommen. Es sollte auch eine Anlaufstelle bereitgestellt werden.
Wie der Einsatzleiter mitteilte, beobachte die Monschauer Feuerwehr den Waldbrand in Belgien intensiv. Ein baldiges Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet sei aktuell jedoch nicht zu befürchten. "Wir behalten die Lage weiterhin auf jeden Fall im Blick", sagte Philipp Krüger, Einsatzleiter der Feuerwehr Monschau. "Wir werden die Einsatzlage stetig überwachen, neu bewerten und gegebenenfalls Einheiten dazuziehen."
Die Stadt teilte weiter mit, vorsorglich würden Löschmaßnahmen vorbereitet, damit im Falle eines Überspringens des Feuers auf deutsches Gebiet unmittelbar mit den Löscharbeiten begonnen werden kann. Die belgischen Behörden hätten demnach die Evakuierung der unmittelbar westlich an den Ortsteil Kalterherberg angrenzenden Ortschaft Küchelscheid bereits angeordnet.
Zwei belgische Orte bereits geräumt
Zur Bekämpfung des Waldbrandes löste Belgien den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU aus. Ein Löschhubschrauber aus den Niederlanden war bereits im Einsatz. Zwei weitere Hubschrauber sowie zwei schwedische Löschflugzeuge sollten nach Angaben der EU die Löscharbeiten unterstützen.
Laut belgischer Nachrichtenagentur Belga wurden bereits etwa 600 Menschen in zwei belgischen Orten angewiesen, ihre Häuser zu verlassen - wegen des sich rasch ausbreitenden Brandes, wechselnder Windrichtungen und starker Rauchentwicklung. Die Stadt Monschau forderte die Einwohner dazu auf, Notgepäck bereitzuhalten und ihre Nachbarn zu informieren. Zudem wird den Angaben nach darum gebeten, die Notrufleitungen von Polizei und Feuerwehr nicht zu blockieren.
Bereits zuvor hatte die Stadt die Bewohner mehrerer Siedlungen aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Betroffen seien die Menschen in Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau, Plattevenn und Geisberg, teilte die Stadt auf Facebook und Instagram mit.
Am Abend hatte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich mitgeteilt, der Waldbrand habe mittlerweile eine Fläche von rund 2700 Hektar erfasst - was einer Fläche von umgerechnet fast 3800 Fußballfeldern entspricht. Zum Vergleich: Beim Brand im nur 20 Kilometer von Monschau entfernten Hürtgenwald in der Eifel sind nach Angaben des Kreises Düren etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen.
Vorsichtiges Aufatmen im Hürtgenwald
Die Menschen im Hürtgenwald können leicht aufatmen. Die Lage habe sich "deutlich entspannt", teilte der Kreis mit. Befürchtungen, eine Gewitterfront mit Böen könnte das Feuer neu entfachen, hätten sich bisher nicht bewahrheitet. Zuletzt waren bis zu 1800 Einsatzkräfte an der Löschung beteiligt.
"Die Lage hat sich gebessert, aber das Feuer ist noch lange nicht aus", sagte ein Sprecher des Kreises Düren. Unter anderem müssten zahlreiche Glutnester bekämpft werden. Die Löscharbeiten würden voraussichtlich noch mehrere Tage dauern.
Am Samstagabend hatten die Behörden entschieden, dass die Bewohner des Ortsteils Gey in Hürtgenwald in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Die rund 1800 Bewohner hatten zuvor in der Nacht auf Freitag wegen des Waldbrandes in der Nordeifel das Gebiet verlassen müssen. Die Flammen waren bis auf 250 Meter an ihre Grundstücke herangerückt.
"Eine aktuelle Gefahr durch den Waldbrand besteht nicht mehr. Es ist gelungen, Gey so zu sichern, dass Flammen nicht auf den Ort übergreifen können", erklärte der Dürener Landrat Ralf Nolten und sprach von einer "leichten Geruchsbelästigung". Auch in den nächsten Tagen werden keine ergiebigen Regenfälle erwartet, was die Löscharbeiten deutlich erleichtern würde, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes erklärte.
Sobald die Löscharbeiten abgeschlossen sind, dürfte sich auch die Frage nach den Schäden und der Ursache des verheerenden Brandes stellen. NRW-Innenminister Herbert Reul und seine Kabinettskollegin Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hatten von möglichem menschlichem Fehlverhalten gesprochen. "Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen, einfach irgendwas wegwerfen", hatte Reul gesagt.