Bahn will Sicherheit erhöhenAlkoholverbot tritt an allen deutschen Bahnhöfen in Kraft

Nach dem Tod eines Bahnmitarbeiters im Juli verschärft die Deutsche Bahn ihre Sicherheitsregeln. Ein bundesweites Alkoholverbot soll Konflikte an Bahnhöfen eindämmen. Die Bundesregierung begrüßt den Schritt - doch es gibt auch Bedenken.
Ein Feierabendbier am Bahnsteig oder eins für den Weg zum Bundesligaspiel - auf sämtlichen Bahnhöfen in Deutschland ist das seit Mitternacht verboten. Bundesweit tritt an allen rund 5700 Stationen der Deutschen Bahn inklusive der Bahnsteige ab heute ein Alkoholverbot in Kraft. Ausgenommen davon sind Gaststätten in den Bahnhöfen. Auch in den Zügen darf in der Regel weiter Alkohol getrunken werden - in den Bordbistros der Fernzüge verkauft die Bahn ihn sogar selbst. Ausnahmen können auch dort gelten, wo etwa Bahnhofsgebäude nicht der DB gehören.
Das sogenannte Alkoholkonsumverbot solle die Bahnhöfe sicherer und sauberer machen, teilte die Bahn mit. Ziel sei, den Aufenthalt in den Bahnhöfen angenehmer zu machen. Ein Anlass für den Schritt war ein Vorfall in Baden-Württemberg. Ein 26 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn wurde im Juli bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalzug nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von einem 36 Jahre alten Fahrgast geschlagen und getreten. Während des Gerangels gab die Zugtür nach und der Bahnmitarbeiter fiel durch einen Spalt aus dem fahrenden Zug. Der 36-Jährige soll alkoholisiert gewesen sein.
Das Verbot ist Teil des DB-Hausrechts, dadurch haben die Sicherheitskräfte der Bahn eine Handhabe. Bei ihren Kontrollgängen sollen sie auf Personen zugehen, die gegen das Verbot verstoßen. Wer sich nicht an das Verbot halte, werde mit Augenmaß angesprochen, hieß es von der Bahn. Im schlimmsten Fall könnte ein Hausverbot folgen. Das Mitführen von verschlossenen alkoholischen Getränken im Gepäck oder aus Einkäufen bleibt erlaubt.
Bundesregierung begrüßt Verbot
"Das Alkoholkonsumverbot gilt an den Bahnhöfen an jedem Tag, auch an dem Tag von Großveranstaltungen", sagte Bahnsprecherin Anja Bröker mit Blick etwa auf Bundesliga-Partien in den Städten. Das neue Verbot dürfte vor allem an solchen Tagen auf eine harte Probe gestellt werden. Auch hier setze die Bahn aber auf Fingerspitzengefühl und Augenmaß, hieß es.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, hat das bundesweite Alkoholverbot an Bahnhöfen begrüßt. "Alkohol ist nicht die Ursache jeder Auseinandersetzung, aber er kann Konflikte verschärfen und Hemmschwellen senken", sagte Streeck der "Rheinischen Post". Deshalb begrüße er das bundesweite Alkoholkonsumverbot der Deutschen Bahn "ausdrücklich".
Bahnhöfe müssten Orte sein, "an denen sich alle Menschen sicher fühlen können", sagte Streeck. "Keine Familie sollte sich fragen müssen, ob sie mit ihren Kindern einen Bahnhof besser meidet." Gerade für Kinder könne es beängstigend sein, "wenn Menschen stark alkoholisiert sind, laut werden oder sich aggressiv verhalten". Bahnhöfe seien "öffentliche Begegnungsorte für Millionen Menschen", sagte der Drogenbeauftragte weiter. "Wer dort unterwegs ist oder arbeitet, muss sich sicher fühlen können. Das ist eine Frage der gegenseitigen Rücksichtnahme und des Respekts."
An knapp 40 großen Bahnhöfen sind Bier, Wein und Co. schon seit Längerem tabu. Dazu gehören die Hauptbahnhöfe in Köln, Kiel, Heidelberg, München, Hamburg und Berlin. Die Erfahrungen sind der Bahn zufolge positiv. Das Verbot sorge für weniger Konflikte und weniger Müll, sagte Bröker. Reisende und Mitarbeitende fühlten sich an den Bahnhöfen wohler.
Auch glaubt die Mehrheit der Deutschen, dass ein Alkoholverbot an Bahnhöfen und Bahnsteigen die Sicherheit an diesen Orten etwas oder deutlich erhöhen würde, ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. 58 Prozent gaben dies bei der Befragung im Juli an. 37 Prozent glauben dies kaum oder überhaupt nicht. 5 Prozent machten keine Angabe. Für die Umfrage wurden 2684 Personen in Deutschland ab 18 Jahren befragt.
Mirko Schwärzel aus der Bundesgeschäftsführung der Bahnhofsmission betonte bei einem Pressetermin mit der Bahn, die Umsetzung des Verbots dürfe nicht zu Ungleichbehandlung und Stigmatisierung führen. "Die Regeln müssen dann auch für alle gelten." Feiernde und Fußballfans müssten genauso behandelt werden wie Wohnungs- und Obdachlose. Zudem warnte Schwärzel vor einer Verdrängung ins Bahnhofsumfeld. Grundsätzlich unterstütze die Bahnhofsmission die Initiative der Bahn.
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