"Die Höhle der Löwen""Bei dem Wort Penisgeruch hat mein Gehirn abgeschaltet"

Der Pömpel 2.0, gesundes Eis für kleine Schleckermäuler, fünf Abiturienten auf der Überholspur und ein Penis-Prinz auf Schnuppermission: In der Löwenhöhle kommen die Investoren aus dem Staunen nicht mehr heraus.
In einer Welt, in der der Fortschritt unaufhaltsam voranschreitet, bleibt kein Stein auf seinem angestammten Platz. Was verändert und verbessert werden kann, bekommt früher oder später einen Neuanstrich. Es gibt aber auch Erfindungen, die dem Lauf der Zeit trotzen und die sich unbeugsam gegen jedwede Veränderung wehren. Der Pömpel beispielsweise ist auch 152 Jahre nach seiner Erfindung noch Stammgast in Millionen Badezimmerschränken auf der ganzen Welt. Die beiden rheinländischen Tüftler Anton Vrouzos und Marius Ludwig wollen dieser Sanitär-"Diktatur" nun ein Ende bereiten.
Mit seiner schnieken Saugglocke, die wunderbar ohne Holzzusatz auskommt, will das Gründer-Paar den Sanitärmarkt erobern. Frank Thelen zieht die Augenbrauen zusammen. "Die Funktionalität ist doch die gleiche, oder?", stutzt der "Großmeister der Physik". Nach einer intensiven Produktvorführung wird der Tech-Experte eines Besseren belehrt. Der ausgeübte Druck macht in diesem Fall den Unterschied.
Nach ihrem erfolgreichen Pitch können sich die beiden "Dekadome"-Gründer über zwei Angebote freuen. Einem kurzen Dreh von Janna Ensthaler an der mitgebrachten "Dreht euch euren Deal!"-Drehscheibe (60.000 Euro für 30 Prozent der Firmenanteile), folgt ein Wink von Ralf Dümmel, der sich angebotstechnisch gerne anschließt. "Das ist mein Thema!", betont der Herr der Regale noch einmal eindringlich. Sekunden später springt er auch schon jubelnd aus seinem Sessel.
Herzblut, Leidenschaft und ein gerührter Frank Thelen
Kurz darauf nimmt "Poppy's"-Gründerin Alena Leeb die Löwen schon vor ihrem Pitch mit auf eine emotionale Reise. "Ohne dich würde ich heute nicht hier stehen", erklärt die 37-jährige Zweifach-Mutter mit glasigen Augen. Gemeint ist Frank Thelen, dessen Bestseller-Lektüre "10 x DNA" die Gründerin und ihren Mann einst vor einer Privatinsolvenz rettete. Frank Thelen reagiert sichtlich gerührt.
Mit ihrer selbstentwickelten gesunden Kindereis-Variante möchte Alena Leeb nun unternehmerisch endlich durchstarten. Das mitgebrachte Herzblut und die nicht zu übersehende Leidenschaft schwappen schnell über. Nach einer leckeren Verkostung einigen sich Carsten Maschmeyer und Johannes Kliesch auf eine erste Zusammenarbeit: "Wir wissen zwar noch nicht, wie wir dir helfen können, aber wir haken dich jetzt einfach unter", grinst Carsten Maschmeyer. Tränen der Freude fließen. Unter Standing Ovations verlässt die völlig aufgelöste Gründerin das Studio.
Der dritte Deal des Abends zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass man auf die Jugend hierzulande bauen kann. Die fünf Abiturienten Max Lauterbach, Simon Zitzmann, Jonas Frank, Nick Werneck und Niklas Gabriel sind aus Erlangen angereist, um ihr vollautomatisiertes Pflanzsystem "CompactGreens" vorzustellen. "Ihr seid einfach bombastisch!", lobt Frank Thelen den selbstbewussten Fünfer. Mit ihrer platzsparenden Gemüsewand beeindrucken sie vor allem Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer. Letztgenannter schließt sich Frank Thelens adelnden Worten an: "Ihr seid es wert, dass man euch unterstützt", so der Großunternehmer. Am Ende entscheiden sich die Gründer für eine Zusammenarbeit mit Dagmar Wöhrl. Die Familienunternehmerin strahlt übers ganze Gesicht. Bei so viel Freude applaudiert auch "Verlierer" Maschmeyer anerkennend.
"Das ist ein echter Moneyburner!"
Schon Goethe wusste: Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Und so müssen sich die Löwen an diesem Abend nicht nur mit unternehmerischem Sonnenschein, sondern auch mit der einen oder anderen Start-up-Talfahrt auseinandersetzen. Zwar hat "Monobag"-Gründerin Gesa Vieting aus Dortmund einen zuckersüßen Slogan für ihre plüschige Handtasche, die im Handumdrehen zur praktischen Kindertragehilfe umfunktioniert werden kann, mit am Start ("Die Tasche, die dein Leben trägt"). Aber das fehlende Alleinstellungsmerkmal und eine zu kleine Marktgröße lassen den Traum vom großen Deal platzen.
Richtig chaotisch geht es bei den beiden "clearBee"-Gründern Ronald Lilleg-Staudenherz und Naveen Rajan aus Wien zu. Das Duo verspricht eine vollautonome Fensterputzlösung. Dumm nur: Die dafür zur Putzfrau degradierte Hightech-Drohne hat so gar keine Lust nach der Pfeife ihrer Eigentümer zu tanzen. Beim vollmundig angekündigten Vorführakt geht so ziemlich alles schief was schieflaufen kann. "Das ist ein echter Moneyburner!", urteilt Getränke-Mogul Andreas Herb.
Bleibt noch "Penice"-Gründer Markus Flagner aus Würzburg. Der 37-Jährige im Prinzen-Kostüm ist auf einer ganz besonderen Mission unterwegs. Der Gründer hat eine royale Waffe gegen lästigen Penisgeruch entwickelt: Helau! Hier ist "Penice", die erste Anti-Geruchscreme für das beste Stück des Mannes! "Ein ungepflegter Prinz gewinnt schließlich keine Herzen", erklärt Markus Flagner voller Überzeugung. Beauty Queen Judith Williams kann irgendwann nicht mehr folgen: "Bei dem Wort Penisgeruch hat mein Gehirn abgeschaltet", so die Löwin.
Zu einem Vorführtest kommt es glücklicherweise nicht. Der "Blindtest im Darkroom" bleibt den sichtlich verwirrten Investoren erspart. "Das war kein Höhepunkt!", bringt es Ralf Dümmel themengerecht auf den Punkt. Markus Flagner will sich aber nicht unterkriegen lassen. Auch ohne Deal geht das Leben für den überzeugten Intimgeruchsjäger weiter: "Ich habe zwar viel Kritik bekommen, aber ich habe einfach Bock weiterzumachen", gibt sich der Gründer kämpferisch.