VIP VIP, Hurra!Von Zechprellern, Zahltagen und ziemlich alten Briefen
Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
Jimi Blue zahlt drauf, Axel Schulz kassiert ab und Cora Schumacher will raus aus Deutschland. Und Ben Affleck? Der entdeckt in alten Briefen plötzlich eine Frau, die er so nie kannte: seine eigene Mutter.
Neulich Abend, ich lümmle gerade auf meinem Sofa und will mir einen netten Filmabend machen, erhalte ich eine Nachricht von Netflix, dass man jetzt aufgrund des wahnsinnig guten Contents leider, leider, leider mein Abo erneut verteuern müsse. Annehmen oder ablehnen stand zur Auswahl und, na ja, Sie können sich ja sicherlich vorstellen, wofür ich mich entschieden habe. Schließlich ploppte eine weitere Nachricht auf: Sollte ich mich gegen die Erhöhung entscheiden, müsse man mir leider kündigen. Also bitte: Tschüss, Netflix!
Es gibt ja Rechnungen, die bezahlt man sofort, und dann gibt's jene ohne festes Zahldatum, die man schon mal vor sich herschiebt und dann versemmelt, bis irgendwann eine Mahnung kommt und man sich fragt, wie aus einem Brief vom Polizeipräsidenten und 25 Euro für einen Strafzettel plötzlich 78,30 Euro werden konnten. Das ist ärgerlich, aber immerhin noch überschaubar. Sehr viel ungünstiger wird es, wenn aus einer offenen Hotelrechnung über 13.827,35 Euro irgendwann ein europäischer Haftbefehl, Untersuchungshaft und ein Verfahren wegen schweren Betrugs werden.
Und damit, verehrte Leser, sind wir auch schon bei unserem Promi der Woche: Jimi Blue Ochsenknecht. Der Schauspieler hatte Ende 2021 seinen 30. Geburtstag in einem Hotel im Tiroler Kirchberg gefeiert, mehrere Tage dort verbracht und es sich gutgehen lassen. Die Sache war nur die: Als die Rechnung bezahlt werden sollte, war unser Jimi verschwunden.
Die Nummer wurde immer abgefahrener und hatte schon bald das Zeug zum Roadmovie, Arbeitstitel: "Zechpreller auf der Flucht". Es folgten ein europäischer Haftbefehl, eine Festnahme am Hamburger Flughafen, U-Haft in Österreich und inzwischen zwei gerichtliche Entscheidungen. Da überlegt man doch gleich, ob man das Netflix-Abo vielleicht doch etwas vorschnell in den Wind geschossen hat.
Mitleid in Grenzen
Die Hotelrechnung ist inzwischen - natürlich! - längst beglichen, die juristische Rechnung allerdings noch nicht. Das Landesgericht Innsbruck hat Ochsenknecht in dieser Woche wegen schweren Betrugs zu einer Geldstrafe von 34.500 Euro verurteilt, wobei bereits geleistete Zahlungen und die Zeit in U-Haft angerechnet werden. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.
Dabei sah es zwischenzeitlich sogar so aus, als sei die ganze Angelegenheit erledigt. Im vergangenen Jahr war das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 18.000 Euro zunächst beendet worden, die Staatsanwaltschaft legte allerdings Beschwerde ein und bekam recht, weshalb nun doch wieder verhandelt wurde.
Eines müssen wir an dieser Stelle aber auch mal festhalten: Es geht auch bei den Promis erstaunlich oft um die Kohle. Doch gerade wenn sie klamm sind oder sogar Insolvenz anmelden müssen, hält sich das Mitleid meist in Grenzen. Bestes Beispiel: Boris Becker. Da heißt es dann schnell: Was hat der Typ eigentlich mit seiner ganzen Asche gemacht? Der hat in seinem Leben schließlich mehr verdient, als eine Krankenschwester in 100 Jahren verdienen kann, in Saus und Braus gelebt und offenbar geglaubt, das Geld wachse auf den Bäumen. Dabei sind Promis eben auch nur Leute, die manchmal sehr früh mit sehr viel Geld in Berührung kommen, nicht damit umgehen können, falsch investieren oder schlicht schlechte Berater haben.
Warum tut er sich das an?
Und so sieht man immer wieder Promis, deren beste Zeiten schon ein Weilchen zurückliegen oder bei denen finanziell nicht mehr alles ganz so rosig aussieht, und die dann dankbar Gagen aus dem Dschungelcamp oder anderen Reality-Formaten annehmen, sei es, um das Konto wieder aufzubessern oder weil man sich nebenbei noch einen kleinen Karriereschub erhofft. Axel Schulz macht daraus immerhin gar kein großes Geheimnis.
Der ehemalige Schwergewichtsboxer zieht am Montag (5. Oktober) bei "Promi Big Brother" ein. Und weil Schulz bislang noch nie Reality-TV gemacht hat, könnte man nun selbstverständlich die üblichen Fragen stellen: Warum tut er sich das an? Die Antworten auf solche Fragen sind ja auch immer dieselben, man möchte halt "Grenzen überwinden", sich "neuen Herausforderungen stellen" oder den Leuten endlich einmal zeigen, "wie man privat wirklich ist".
Axel Schulz kramt allerdings nicht erst im rhetorischen Satzbaukasten und eiert auch sonst nicht lange um den heißen Brei herum: Es ist die Kohle, Freunde. Für 14 Tage Arbeit könne man schließlich kaum besser verdienen, sagt er. Knapp, ehrlich und ganz ohne "Reise zu sich selbst".
Schulz hat noch einen zweiten Grund für seine Teilnahme: Jüngere Zuschauer sollen ihn kennenlernen. Gar keine schlechte Idee, denn wer heute 20 oder 25 ist, kennt möglicherweise den freundlichen Mann mit Käppi, aber nicht mehr den Boxer, der 1995 gegen George Foreman so umstritten nach Punkten verlor, dass halb Deutschland überzeugt war: Eigentlich hätte Schulz gewinnen müssen.
"Mit der Pistole auf der Brust"
Während Schulz also gerade darüber staunt, wie viel Geld sich mit zwei Wochen Reality-TV noch verdienen lässt, hat Cora Schumacher in dieser Woche erzählt, wie es aussieht, wenn über einen sehr viel längeren Zeitraum kaum etwas reinkommt. Die 49-Jährige sagt, sie sei noch nicht pleite, finanziell werde es aber langsam eng.
Gesundheitliche und private Krisen hätten sie zwei Jahre lang weitgehend vom Arbeiten abgehalten, und irgendwann macht sich eine solche Zwangspause eben auch im Geldbeutel bemerkbar, selbst wenn auf dem Klingelschild Schumacher steht. Schließlich ist ein berühmter Nachname zwar oft eine Eintritts-, aber eben keine Kreditkarte.
Cora hatte, anders als viele Arbeitnehmer und Malocher in diesem Land, immerhin Rücklagen, doch auch das dickste Polster wird irgendwann dünn. Dabei gehörte sie noch Anfang 2024 im Dschungelcamp zu den mutmaßlichen Spitzenverdienern. Rund 200.000 Euro Gage waren damals im Gespräch. Allerdings hielt Cora es im australischen Busch gerade einmal drei Tage aus und rief dann "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", was sie nach eigener Aussage 25 Prozent ihrer vereinbarten Gage kostete. Rechnet man mit den damals kolportierten 200.000 Euro, wären am Ende also immerhin noch rund 150.000 Euro übrig geblieben. Nicht schlecht für drei Tage Dschungel, aber offenbar in Coras Welt auch kein Betrag, von dem man jahrelang leben kann.
Zumal sie ihre Immobilien als Altersvorsorge betrachtet, weil sie, wie sie selbst sagt, keine Rente habe, und ausgerechnet dort während ihrer Auszeit offenbar einiges schiefgelaufen ist. Mieter hätten nicht gezahlt, ihr Steuerberater habe jahrelang nichts beim Finanzamt eingereicht und stattdessen munter geschätzt, auch mit der Hausverwaltung ist sie alles andere als glücklich und inzwischen sitzt ihr, wie sie sagt, das Finanzamt "mit der Pistole auf der Brust".
Ihr jetziger Plan: radikal. Immobilien verkaufen, Deutschland verlassen und irgendwo anders noch mal anfangen. Texas könne sie sich vorstellen, Kanada ebenfalls, am liebsten mit sehr vielen Tieren und einem Farmerleben.
Nach allem, was in den vergangenen Jahren rund um die Familie Schumacher öffentlich ausgetragen wurde, klingt ein Hof irgendwo in Kanada jedenfalls nach einer prima Idee.
Auch Eltern waren mal jung
Von Geldproblemen kann bei Ben Affleck nun wahrlich keine Rede sein, dafür hatte der Schauspieler in diesem Jahr mit ganz anderen Dingen zu kämpfen. Innerhalb von nur zwei Monaten verlor er beide Eltern, seinen Vater Timothy im April, seine Mutter Chris Anne im Juni. Und als er nach ihrem Tod alte Briefe las, die sie als junge Frau an ihre eigenen Eltern geschrieben hatte, stellte er etwas fest, das vollkommen selbstverständlich ist und das man als Kind trotzdem jahrzehntelang nicht begreift: Unsere Eltern hatten ein Leben, bevor sie unsere Eltern wurden.
Affleck las plötzlich von einer jungen Frau, die Lehrerin werden, nach Mississippi reisen und sich dort an Protesten beteiligen wollte - und die zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keine Ahnung davon haben konnte, dass sie eines Tages zwei Söhne großziehen würde, die in Hollywood Karriere machen. Dass diese Frau bereits mehr als 30 Jahre gelebt hatte, bevor sein eigenes Leben überhaupt begann, mit Plänen und Vorstellungen von der Zukunft, die rein gar nichts mit ihm zu tun hatten, habe ihn, wie er erzählt, regelrecht umgehauen.
Affleck sagt heute, seine Mutter habe ihr Leben lang so selbstverständlich für ihn und seinen Bruder gesorgt, dass er sie lange gar nicht als eine von ihm unabhängige Person wahrgenommen habe.
Solche alten Briefe und Fotos erinnern einen vor allem daran, dass die eigenen Eltern eben nicht schon immer Eltern waren. Die gingen schließlich auch mal auf Partys, verliebten sich in die falschen Leute, machten Blödsinn und hatten Ideen, von denen später wahrscheinlich die Hälfte nicht realisiert wurden, wenn überhaupt. Im Grunde genau wie wir Kinder, nur dass wir sie so nie kennengelernt haben.
Und wenn Ihre Eltern noch leben, fragen Sie sie doch einfach mal, wie die eigentlich waren, bevor es Sie gab. Man könnte nach 40, 50 oder 60 Jahren tatsächlich noch Dinge erfahren, auf die man nie gekommen wäre. Bis nächste Woche!