Abriss des Kennedy Center?Barbra Streisand geht auf Donald Trump los

Der Streit um das Kennedy Center in Washington erreicht mit einem Foto von Donald Trump eine neue Eskalationsstufe. Es zeigt, wie der US-Präsident offenbar einen Plan zum Abriss der Institution studiert. Das bringt die Show-Ikone Barbra Streisand jetzt auf die Palme.
Barbra Streisand hat US-Präsident Donald Trump scharf für seinen Umgang mit dem Kennedy Center in Washington kritisiert. In einer Stellungnahme, die sie auf ihrer offiziellen Website veröffentlichte, schreibt die Sängerin und Schauspielerin, es sei "empörend und schmerzhaft, mit anzusehen", was mit der Kulturinstitution geschehe.
Streisand reagierte damit auf ein Foto, das Journalisten durch die Fenster der Air Force One von Trump gemacht hatten und das sich alsbald wie ein Lauffeuer verbreitete. Auf dem Bild ist zu sehen, wie der Präsident ein Plakat betrachtet, auf dem offenbar "Kennedy Center Demolished" steht, also "Kennedy Center abgerissen".
Zuvor hatte Trump vor Reportern erklärt, seine Regierung müsse für ihre Arbeit am Kennedy Center Anerkennung erhalten. Andernfalls werde das Haus schließen und letztlich womöglich abgerissen.
"Gedemütigter Trump"
Die Justiz reagierte prompt. Ein Bundesrichter in Washington wies das Kennedy Center an, größere Änderungen an den Renovierungs- oder Bauplänen mindestens 30 Tage im Voraus anzukündigen. Das gelte ausdrücklich auch für einen möglichen "Abriss" des Hauptgebäudes, wie die "New York Times" berichtet.
In ihrem Statement zeichnet Streisand den Streit aus ihrer Sicht nach. Trumps Versuch, seinen Namen neben den des verstorbenen Präsidenten Kennedy über den Eingang zu setzen, sei bei Künstlern und großen Teilen der Öffentlichkeit auf breiten Widerstand gestoßen. Ein Bundesrichter habe dann entschieden, dass der Name nur per Gesetz des Kongresses geändert werden dürfe. Trumps Name verschwand wieder von der Fassade.
Beendet war der Kampf damit nicht. Ein "gedemütigter Trump" habe eine große Plane über die Fassade hängen lassen, die dort bis heute sei, schildert Streisand die Auseinandersetzung. Das Trump-nahe Kuratorium habe sich erneut für seinen Namen eingesetzt und sei an einem weiteren Urteil gescheitert. Nun solle das Haus für eine große Renovierung schließen. Die Sängerin wundert sich: Solange Trumps Name am Gebäude stand, sei von einer Schließung nie die Rede gewesen.
Eine persönliche Angelegenheit
Für Streisand ist die Sache persönlich. 2008 gehörte sie zum 31. Jahrgang der Kennedy Center Honors. Diese Ehrung habe für sie und viele andere Künstler mehr bedeutet als eine Anerkennung der Karriere, schreibt sie. Sie habe für den Glauben an die Bedeutung der Kunst für eine Demokratie gestanden.
Entsprechend deutlich wird die 84-Jährige: "Sie können sich meine Empörung gut vorstellen, wenn ich sehe, wie diese verehrte Institution zum Gegenstand eines so erbitterten Kampfes um den Namen und das unkontrollierte Ego eines einzigen Mannes wird." Ihrem Text fügte sie ein Foto von 1963 bei, das sie mit John F. Kennedy zeigt, dazu ein Bild von der Gala 2008 an der Seite von Morgan Freeman.