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"Wie, springste jetzt doch nicht?"Zehn "Shocking Shorts" auf einen Streich

09.08.2016, 20:20 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Heute ist ein guter Tag zu springen ... aber wer zuerst? (Foto: Concorde)

Hochspannung und Nervenkitzel, knallhart und direkt auf die Zwölf: Das versprechen zehn Kurzfilme aus den Genres Action, Krimi, Thriller und Mystery. Schwarzer Humor lässt die Grenze zwischen Selbstmord und Mord verwischen. Grandios.

"Das ist wie in so einem Horrorfilm, wo die Jugendlichen irgendwo einbrechen, und am Ende werden sie alle abgeschlachtet." So etwas nennt man wohl self-fulfilling prophecy, denn die eineiigen Zwillingsschwestern Nele und Ellen sowie Lucy, Marty und Alex sind in ein Schwimmbad eingebrochen, um eine Party zu feiern. Denken zumindest drei von ihnen. Zwei haben etwas ganz anderes im Sinn.

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"Shocking Shorts 2016" ist bei Concorde erschienen. (Foto: Concorde)

Und so dauert es auch nicht lange, bis die Gemüter hochkochen und die erste Leiche auftaucht. Verdächtigungen werden laut, der nächste Mord geschieht. Oder war es Selbstmord? Am Ende überleben eine Zwillingsschwester und der Freund der anderen. Warum? "Dead Girls Don't Love." Der Schlussdialog mit Spoileralarm: "Jetzt hast du ja die richtige Schwester." "Ja, die ohne Baby im Bauch."

"Shocking Shorts" in Serie

Der Anfang der diesjährigen "Shocking Shorts" kann sich sehen lassen. So viel ist mal klar. Am Anfang schaut es noch nach 0815-Highschool-Slasher aus, dann nach einem Amoklauf und am Ende dann die mehr als überraschende Wende. Bäng! Das hat gesessen. Ein Dank an Regisseur Philipp Westerfeld.

Insgesamt befinden sich auf der aktuellen "Shocking Shorts"-DVD von Concorde zehn Kurzfilme, die 13th Street zum Teil kofinanziert und koproduziert. Sie gehen ins Rennen um den "Shocking Shorts Award", mit dem der Sender seit 1999 den besten Nachwuchsregisseur auszeichnet. Verliehen wird er außergewöhnlich inszeniert im Rahmen des Filmfestes München.

Die zehn sind die Nominierten, aber sie kommen allesamt völlig verschieden daher: mal weniger blutig ("The Hostage"), mal voll roher Gewalt ("First Drop of Blood"). Mal mit viel Humor und Dialekt ("Pistenzauber"), mal absolut humorfrei und verstörend ("Die Behandlung"). Es gibt Home Invasion ("Can't take my eyes off you") und 007-Persiflage ("Schnee in Rio"). Selbst ein Comicstrip ist dabei ("Rest in Pieces"). Am Ende sind es aber die gesellschaftskritischen, schwarzhumorigen Filme wie "Der rote Punkt" oder "Die Randgruppe", die beim Zuschauer im Gedächtnis hängen bleiben.

"Der rote Punkt"

In einer Galerie sind Fotografien ausgestellt. Porträts. Berührend und aufwühlend zugleich. Todernst blicken die Fotografierten den Besuchern entgegen. Der Titel der Ausstellung: Der rote Punkt. Die Bilder selbst tragen keine Namen oder Titel. Der Künstler wollte das so: "Ich kenne nie die Namen", sagt er. Er wiederholt es, als die Polizei auftaucht und ihn nach dem Mädchen auf einem der Bilder befragt.

Sarah, heiße sie, so der Polizist. Sie habe Depressionen gehabt und sei verschwunden. Wie sich herausstellt, ist der Künstler der Letzte, der sie lebend gesehen hat. Ihren Tod hat er nicht gesehen, aber er hat ihn via Fotoapparat eingefangen. Denn: "Der rote Punkt ist das Letzte, was sie sehen, und dann kommt der Auslöser …" Sarah und alle anderen Menschen, die auf den Porträts des Künstlers verewigt sind, haben Selbstmord begangen. Wissend und sehenden Auges. Der Künstler hat die Utensilien bereitgestellt und sich vertraglich abgesichert.

Daraus könnte man glatt einen Spielfilm drehen, hochkarätig besetzt und mit einem ansehnlichen Budget. Denkt sich der Zuschauer zumindest, vielleicht auch nur, um das flaue Gefühl im Magen wieder loszuwerden. Gegen zu viel Nachdenken darüber hilft "Die Randgruppe". Ein weiterer Shocking Short - und der heimliche Star der Sammlung.

"Die Randgruppe"

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"Wie, springste jetzt doch nicht?" "Lass mir 'ne Sekunde." "Nee, ich warte hier schon seit zwei Stunden. Kannst ja mit dem Kopf voraus springen." (Foto: Concorde)

Aufblende: ein junges Pärchen, auf einem Gehweg, irgendwo in irgendeiner Stadt. Er macht ihr einen Heiratsantrag, als plötzlich ein menschlicher Körper von oben direkt neben die beiden fällt. Sie schreit. Er schaut verdutzt. Schwenk aufs Dach des Hochhauses nebenan.

Dort halten sich mehrere Personen gleichzeitig auf: Es sind Menschen, die mit einem beherzten Sprung in die Tiefe Selbstmord begehen wollen. Allerdings gibt es da einige Probleme, nachdem der Erste gesprungen ist: Zum einen ist kein Platz mehr da unten. Der erste Springer hat sich die einzige Lücke zwischen den parkenden Autos ausgesucht, und so muss die Gruppe warten, bis ein Auto ausparkt. Zum anderen gerät der Suizid-Entschluss bei dem einen oder anderen ins Wanken - und so wird lauthals diskutiert.

"Wie, springste jetzt doch nicht?" "Lass mir 'ne Sekunde." "Nee, ich warte hier schon seit zwei Stunden. Kannst ja mit dem Kopf voraus springen." "Ich dachte halt nicht, dass das so ist, mit Schlange stehen und so. Ich will aber nicht auf seinen Körper springen!" "Da parkt jemand aus!" Da reißt einem aus der Gruppe die Hutschnur. Er schubst die nervigste Tante runter. Nun wird wieder diskutiert: "Er hat sie runtergeworfen! Das ist Mord!" "Die wollt sich doch eh umbringen." "Wir müssen die Polizei holen!" "Die kommt doch eh gleich."

Als Zuschauer kommt man aus dem Lachen nicht heraus. Selbst dann nicht, als alle bis auf einen gesprungen sind und man erfährt, warum sich dieser kollektive Suizid gerade von diesem Hochhausdach hinab ereignet hat. Nur so viel: Der Überlebende ist der Hausmeister und er hat ein wirklich wichtiges Argument, welches er dann auch gleich dem auftauchenden Zeitungsreporter unter die Nase reibt.

Der will aber nur ein kurzes Statement zu dem jungen Pärchen. " Is' schon traurig, ne ...?" Der Hausmeister kann es nicht fassen. Es geht hier doch um sein Argument! Er bietet dem Reporter kurzerhand an, ihn mit auf das Dach zu nehmen. Für Fotos ... Das schreit nach Teil 2. Vielleicht ja dann in den "Shocking Shorts 2017".

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Quelle: ntv.de

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