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"Erpressung": Nichts ist umsonstWie viel ist dir deine Familie wert?

27.06.2017, 19:05 Uhr
imageVon Thomas Badtke

Ein Familienurlaub mit Frau und Sohn in der Karibik: Für Dr. Riley geht ein Traum in Erfüllung. Doch bei einem Bootstrip stranden die drei auf einer einsamen Insel. Es dauert Tage, bis ein Fischerboot sie findet. Doch damit beginnt der Albtraum erst.

Weiße Sandstrände, türkisblaues Meer, strahlender Sonnenschein, wohin das Auge reicht: Dr. Kevin Riley (Eion Bailey; "Fight Club", "Band of Brothers") hat es endlich geschafft. Mit Frau Julie (Bethany Joy Lena; "American Gothic") und Sohn Andy (Marucio Alemany) befindet er sich im Familienurlaub in der Karibik. Die drei genießen die gemeinsame Zeit, etwas, das sie zuvor kaum hatten. Kevin will Andy zudem dessen größten Wunsch erfüllen: einmal Jetski fahren.

Doch am Strand heißt es: Alle Jetski sind bereits unterwegs und zudem teilweise auch reserviert. Kevin solle Namen und Telefonnummer dalassen, vertröstet ihn der Verleiher. Für Kevin ist das keine Alternative. Er macht sich stattdessen auf zum Hafen, um ein schickes Boot zu mieten. Das sollte Andy auch glücklich machen.

Er findet eins: klein, schick und schnell sieht es aus. Für ein paar Hundert Dollar bar auf die Hand bekommt Kevin es. Einen Ausweis oder etwas in der Art muss er nicht vorzeigen. Und so befindet sich Familie Riley kurz darauf draußen im Meer. Andys Augen leuchten. Kevins Herz geht auf.

Ein Defekt mit Folgen

Als sie schon wieder umdrehen wollen, Julie drängelt, sieht Andy eine einsame Insel. Andy, als Sechsjähriger Fan der "Schatzinsel"-Erzählung, wittert das große Abenteuer. Er überredet seinen Vater, die Insel anzusteuern. Kevin wiederum besänftigt seine Frau. Als sie auf der Insel ankommen, weiß auch Julie, es war die richtige Entscheidung: Andy tollt herum, geht mit seinem Vater auf Schatzsuche, während Julie die Sonne und die Ruhe genießt.

Als die drei wieder zurückfahren wollen, der große Schock. Das Boot springt nicht mehr an, Treibstoff ist aber noch genug vorhanden. Kevin müht sich stundenlang ab, der Tag neigt sich dem Ende zu. Kevin vermutet eine defekte Zündkerze. Man müsse nach anderen Booten Ausschau halten. Nach einem Fehlversuch am Strand setzen sie sich in ihr kleines Schiff und warten dort auf Rettung. Doch die Zeit vergeht, Andy bekommt Durst - und wird wenig später ohnmächtig.

Nichts ist umsonst

Als plötzlich ein Fischerboot auftaucht, ist Kevin wie aufgedreht. Seine Frau und sein Sohn brauchen dringend medizinische Hilfe. Der Fischer verspricht, ihnen zu helfen, sie allesamt ins nächste Krankenhaus zu bringen - unter einer Bedingung: eine Belohnung. Kevin bietet ihm 40.000 Dollar an. Mehr habe er nicht flüssig. Der Fischer winkt ab. Er weist den Familienvater noch einmal auf dessen aussichtslose Lage hin und verlangt - eine Million Dollar!

Kevin ist fassungslos. So viel Geld habe er nicht. Dem Fischer ist das egal. Entweder er bekommt seine Million oder er überlässt alle drei gestrandeten ihrem Schicksal und damit ihrem sicheren Tod. Kevin willigt ein. Irgendwie muss er das Geld auftreiben. Der Fischer nimmt ihn mit in die Stadt, Kevins Frau und Sohn bleiben auf der Insel: Je schneller alles vonstattengeht, umso besser für seine Familie, macht der Fischer Kevin klar.

Gute Menschen, böse Menschen

An Land telefoniert Kevin herum. All seine Freunde klingelt er hilfesuchend an, darf ihnen aber nicht sagen, worum es geht. Keiner willigt ein, keiner will helfen. Bis auf einen alten Nachbarn, dessen Frau Kevin einst behandelt hat. Das Wunder geschieht: Kevin überweist dem Fischer die Million. Sie fahren zurück zur Insel, Kevin eingesperrt unter Deck. Dann hört er Schläge, Axthiebe. Ein düsterer Gedanke keimt in ihm: Der Fischer und seine Helfer zerstören das Schiff. Die Rettung war nur vorgetäuscht. Nun wird Kevin mit dem Schiff untergehen, während seine Frau und sein Sohn jämmerlich auf der einsamen Insel verdursten werden.

Aber wie ein Wunder: Kevin kann sich aus dem untergegangen Wrack retten. Im Wasser vor sich hin treibend, zieht ihn dann ein Touristenboot aus dem Wasser und bringt ihn an Land. Dort setzt er alle Hebel in Bewegung, schaltet die US-Botschaft ein, tritt den örtlichen Polizisten auf den Fuß. Aber am Ende muss er feststellen, dass er auf sich allein gestellt ist: Er muss den Fischer finden, denn nur er weiß, auf welcher Insel seine Familie festsitzt. Aber niemand scheint diesen ominösen Mann zu kennen. Stattdessen wird Kevin verdächtigt, seine Familie aus dem Weg geräumt zu haben, um an deren Lebensversicherungen zu kommen.

Macht Lust auf Meer

Die Storyline von "Erpressung" (im Original "Extortion") ist lang. Der Film des Regisseurs Phil Volken ("Garbage") ist dennoch nie langweilig. Am Anfang fragt man sich als Zuschauer noch, wohin das alles am Ende führen wird. Aber dann jagt ein Twist den nächsten und ehe man es sich versieht, taucht Danny Glover ("Lethal Weapon") als Polizist auf und stellt die Fragen, die man als Zuschauer nicht hören will: Hat Kevin den Fischer engagiert, um seine Familie aus dem Weg zu räumen?

Und selbst danach gibt es immer noch Wendungen im Plot des rund 110-minütigen Survival-Thrillers. Der lebt ganz klar von der schauspielerischen Leistung Eion Baileys, der den sorgenvollen Ehemann und Familienvater herausragend verkörpert. Er tastet sich an seine psychischen und physischen Grenzen heran und geht teilweise darüber hinaus. Der Glaube, seine Familie doch noch retten zu können, versetzt Berge und hält ihn am Leben.

Ja. Kevin will seiner Familie nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil. Dieser Twist war vielleicht einer zu viel. Aber er zeigt auch deutlich, wie Behörden ticken, egal wo auf dieser Welt. Wenn ein Familienvater plötzlich nach einem Bootsausflug alleine auftaucht, ist er erst einmal der Hauptverdächtige und nicht ein heimischer Fischer, den zudem offenbar noch nie jemand gesehen hat.

Die Geschichte strotzt dabei vor Urlaubsfeeling und erinnert so an "Into the Blue" mit Jessica Alba und Paul Walker. Herrliche Meeresaufnahmen, einsame Strände, Karibik pur. Und wie bei "Into the Blue" kommt man deshalb als Zuschauer nicht umhin, auch "Erpressung" immer und immer wieder anzuschauen. Selbst, wenn man beim zweiten Mal das Ende des Films schon kennt. Aber vielleicht hat man etwas übersehen? So wie Kevin bei seiner Suche nach dem Fischer. Wer weiß?

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