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"The Invitation": Sekte, Mord, KultWie gut kennst du deine besten Freunde?

19.04.2016, 19:46 Uhr
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Die Dinnerparty bei Eden und David (r.) ist hiermit eröffnet. Habt Spaß - solange ihr noch könnt. (Foto: Edel Germany)

Als ihr Sohn stirbt, zerbricht die Ehe von Will und Eden. Eden verschwindet - um zwei Jahre darauf mit neuem Ehemann wieder aufzutauchen. Sie gibt eine Party, lädt Will und ihre alten Freunde ein. Doch irgendetwas stimmt mit ihr nicht.

Wenn das Schicksal mit all seiner Wucht zuschlägt, zerbricht man entweder daran oder man rappelt sich auf und startet neu. Letzteres hat Eden (Tammy Blanchard; "Into the Woods", "Der gute Hirte") getan. Die gutaussehende Mittdreißigerin verschwand nach dem Tod ihres Sohnes von der Bildfläche. Sie ließ ihren Mann Will (Logan Marshall-Green; "Prometheus", "Devil - Fahrstuhl zur Hölle") nach der schwierigen Trennung wortlos zurück. Will wiederum wird mit dem Tod seines geliebten Sohnes nicht fertig. Auch Jahre später rumort es in ihm. Er gibt sich die Schuld, grundlos. Dann taucht Eden plötzlich wieder auf.

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Eden - so schön der Name, so schön die Frau. (Foto: Edel Germany)

Sie lädt Will, dessen neue Freundin Kira und rund eine Handvoll ihrer früheren gemeinsamen besten Freunde zu einer Dinnerparty in ihr Haus ein. Dahin, wo früher auch Will zu Hause war und ihr nun toter Sohn. Sie sagt, es solle ein Neuanfang werden. Will sagt zu. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt.

Es wird stärker auf der Fahrt in die Berge. Will rammt einen Kojoten und muss ihn durch einen Schlag mit dem Radkreuz von seinen Leiden erlösen. Seine Stimmung wird dadurch nicht besser, auch wenn Kira ihm zur Seite steht.

Eine Umarmung zu viel

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Irgendetwas stimmt hier nicht, denkt Will. Aber was? (Foto: Edel Germany)

Die Ankunft in seinem alten Heim verstört ihn ebenso. Die Gartenbeleuchtung ist irgendwie anders. Die Fenster sind vergittert und David, der neue Mann an Edens Seite, schließt nach ihrer Ankunft die Haustür ab und steckt den Schlüssel ein. Die Begrüßung fällt für Wills Geschmack viel zu herzlich aus: Eden fällt ihm um den Hals und auch David (Michiel Huisman; "World War Z") herzt ihn übertrieben freundlich, als wären die beiden schon zu Kindertagen gemeinsam um die Häuser gezogen - aber Will sieht ihn zum ersten Mal.

Es gibt teuren Rotwein: Rothschild, Jahrgang 1985. Will trinkt nichts, im Gegensatz zu seinen alten Freunden. Die sind geplättet von Edens Rückkehr und ihrer Großzügigkeit. Es scheint, sie hätte ihren inneren Frieden gefunden. Will bleibt skeptisch. Er hat seine Gründe.

Eine Sekte, ein Spiel und ein bittersüßer Nachtisch

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Ein Werbefilm für eine Sekte wäre der Killer für jede Party - eigentlich. (Foto: Edel Germany)

Die bekommen wenig später neue Nahrung: David und Eden zeigen einen Film. Ein Mädchen stirbt darin. Sie will es so. Ruhig scheidet sie dahin. Laut David war sie todkrank und hat so ein friedliches Ende gefunden - in den Kreisen ihrer Freunde, einer Sekte, der offenbar nun auch Eden und David angehören.

Doch der kollektive Aufschrei bleibt aus. Nur Will findet es merkwürdig, wittert eine Verschwörung, die in einer Bekehrung enden soll. Ein plötzlich auftauchender grobschlächtiger Typ, ein Freund Davids, untermauert Wills Theorie. Ein Spiel soll die Dinnerparty auflockern. Es heißt: Ich will. Jeder soll ganz ehrlich sagen, was er tief in seinem Innersten will, den sehnlichsten Wunsch also. Sich offenbaren, denkt Will.

Und so schwafeln David, sein grobschlächtiger Freund und Eden etwas von Erlösung, Liebe, Vergebung, Neuanfang. Will schaut sich um, aber statt argwöhnisch zu sein, lauschen die anderen den Worten des Trios gebannt. Gehirnwäsche, schießt es Will in den Kopf. Harmlos, denkt der Zuschauer von "The Invitation" - doch dann bricht das Chaos los und erst ganz am Ende überblickt er das große Ganze.

Perfekter Spannungsbogen

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"The Invitation" ist bei edel Germany erschienen. (Foto: Edel Germany)

Regisseurin Karyn Kusama ("Aeon Flux", "Jennifer's Body") gelingt etwas Wunderbares und Außergewöhnliches mit "The Invitation": Der Film verführt den Zuschauer zu einem wilden Gedankenspiel. Die Dinnerparty, alte Freunde und ein schwarzer Schatten, der über ihrer aller Vergangenheit liegt - so beginnt der Film. Eine Dinnerparty, unheilschwangere Stimmung und ein dunkles Geheimnis, das ans Licht kommt - so endet er. Und mittendrin Will.

Er ist die Hauptperson. Er trägt den Film. Seine Stimmungsschwankungen, seine gepeinigten Blicke sind es, die den Zuschauer in den Bann ziehen. Nur stückweise erfährt man, was ihn und Eden einst getrennt hat. Die Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit der beiden sind wie Puzzleteile, ergeben aber erst am Filmende letztlich einen Sinn. Und so hinterlässt "The Invitation" beim Zuschauer Wirkung.

Kusamas Film ist ein Horrorfilm, aber keiner der klassischen Art mit Blut- und Gewaltorgien oder Monstern. Suspense heißt das Zauberwort. Die eigene menschliche Vorstellungskraft ist es, die einem Schauer über den Rücken fahren lässt. Man ahnt den ganzen Film über, dass hier etwas nicht stimmt, dass die Party ein schlimmes Ende nehmen wird.

Aber selbst als klar wird, dass die Gastgeber einem Kult huldigen, der zudem gerade in Los Angeles gehypt wird, kann der Zuschauer nur erahnen, was am Ende passiert. Das ist es, was "The Invitation" mit all seiner erzählerischen Ruhe so besonders macht. "The Invitation" ist wie ein Schicksalsschlag: Es liegt an jedem selbst, ob man sich danach aufrappelt oder liegen bliebt.

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Quelle: ntv.de

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