Mordfall TristanWer nicht kommt, hat Dreck am Stecken
Die Polizei will die Fingerabdrücke von 14.442 Männern aus sechs Frankfurter Stadtteilen aufnehmen, um im Mordfall Tristan von 1998 endlich voranzukommen.
In Frankfurt am Main ist die bisher größte Fingerabdruck-Massenuntersuchung in Deutschland angelaufen. Zur Aufklärung des Mordfalls Tristan will die Polizei die Fingerabdrücke von insgesamt 14.442 Männern im Alter zwischen 14 und 45 Jahren aus den Stadtteilen Höchst, Unterliederbach, Sossenheim, Nied, Sindlingen und Zeilsheim aufnehmen. Von deren Abgleich erhofft sich die Polizei Hinweise auf den Mörder des 13-jährigen Tristan Brübach.
Der Schüler war am 26. März 1998 in einem Tunnel im Frankfurter Stadtteil Höchst mit durchschnittener Kehle und schweren Tritt- und Stichverletzungen gefunden worden. Am Tatort befand sich ein Schulbuch mit einem Fingerabdruck, den Polizei und Staatsanwaltschaft eindeutig dem Täter zuschreiben. Das Bundeskriminalamt erstellte ein Täterprofil, das Anhaltspunkte zu Alter und Aufenthaltsbereich des Mörders liefert.
Bereits in der ersten halben Stunde ließen sich nach Angaben von Oberstaatsanwalt Job Tilmann mehr als 50 Männer ihre Fingerabdrücke nehmen. Es handele sich dabei um Nichtverdächtige, die von der Tat ausgeschlossen werden sollen. Wer sich weigere, werde nicht automatisch zum Verdächtigen. Gegebenenfalls werde aber auch Zwang ausgeübt.
Die ersten Männer, die zur Sport- und Kulturhalle im Stadteil Unterliederbach gekommen waren, waren sich allerdings sicher: "Wer nicht kommt, hat Dreck am Stecken." Ihre Motive sind unterschiedlicher Art: Einige wollen der Polizei helfen, den Mörder zu finden, andere wollen verhindern, selbst in Verdacht zu geraten.
Wie lange die Auswertung der Fingerabdrücke dauern wird, vermag Polizeisprecher Peter Borchardt nicht zu sagen. Polizei und Staatsanwaltschaft versicherten, dass die Fingerabdrücke nur so lange gespeichert werden, bis sie mit der Datenbank verglichen worden sind, die für diesen Fall eingerichtet worden ist.
Die "Soko Tristan" verfolgte in den gut vier Jahren seit dem Verbrechen über 13.000 Spuren, die alle nicht zur Aufklärung der Tat führten. Das hessische Justizministerium hat die Belohnung für die Ergreifung des Täters inzwischen auf 15.000 Euro erhöht.