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"Wilde Hunde - Rabid Dogs"Wenn ein Banküberfall schiefgeht

24.05.2016, 19:46 Uhr
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Die Gang ist schnell auf 180 - und dann kracht's gewaltig. (Foto: Tiberius)

Deine Tochter muss zu einer Organtransplantation, ihr Leben hängt am seidenen Faden. Auf der Fahrt ins Krankenhaus springen Bankräuber in dein Auto. Sie sind auf der Flucht und zu allem bereit. Was machst du?

16.20 Uhr: Mitten im Stadtzentrum einer Millionenmetropole sitzt Sabri (Guillaume Gouix; "Midnight in Paris") am Steuer seines Wagens. Er wartet. Mal wieder auf seine Frau. Das sei immer so, kennen sie bestimmt auch, sagt er dem Polizisten im Wagen, der neben seinem gehalten hat. Ein Lächeln noch, an die Polizistin gerichtet, und es gibt keinen Strafzettel. Aber in ein paar Minuten müsse er weg sein, sagt sie.

16.30 Uhr: Eine ohrenbetäubende Explosion erschüttert das Stadtzentrum.  Dann fallen Schüsse aus Kalaschnikows. Sabri dreht sich im Auto um. Kurz darauf stummen mehrere maskierte Männer mit vollgepackten Taschen aus einer Bank - und in Sabris Wagen. Er ist der Fluchtautofahrer der Bankräuber. Von wegen Warten auf die Frau: Die Dinge sind nie so, wie sie zu sein scheinen.

Es muss ein 940er sein

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Die weibliche Geisel - wird sie mit ihrem Leben davonkommen? (Foto: Tiberius)

Danach überschlagen sich die Ereignisse: Sabri fährt wie der Teufel, kann einem Stau noch ausweichen, während seine Kumpanen die Bullen in Schach halten. Dann knallt es. Ein Unfall. Die Bankräuber rappeln sich auf, fliehen zu Fuß in eine Mall. Fallen dort zunächst nicht auf. Als sie es doch tun, peitschen wieder Kugeln durch die Luft, Menschen sterben. Die Gangster nehmen eine junge Frau als Geisel und fahren mit deren Auto erst aus dem Parkhaus der Mall und dann raus aus der sichtlich ungemütlicher werdenden Innenstadt.

Sie müssen das Auto wechseln, um die Polizei, die mittlerweile mit einer Hundertschaft nach ihnen sucht, abzuschütteln. Zudem hat der Chef der Bande den Unfall nur schwerverletzt überlebt. Er will zurückbleiben und ihnen den Weg freihalten. Sabri hält an einer Straßenecke Ausschau. Eine schwarze Limousine lässt er ungehindert durch. Dann kommt ein Volvo 940. Perfekt.

Sie haben nichts zu verlieren

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Der Vater - zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder steckt da mehr dahinter? (Foto: Tiberius)

Mit gezogener Waffe zwingen die drei verbliebenen Gangster den Fahrer zum Halten. Auf dem Rücksitz liegt ein schlafendes Mädchen. Es sei seines, sagt der Fahrer. Er müsse sie dringend ins Krankenhaus bringen, sie bekäme eine Organtransplantation. Deshalb habe er sie auch mit Spritzen ruhiggestellt. Sabri überlegt kurz, steigt dann ein, seine zwei Kumpane Manu (Franck Gastambide) und Vincent (Francois Arnaud; "Die Borgias") ebenso wie die junge Frau. Die Gang hat jetzt nichts mehr zu verlieren. Raus aus der Stadt und dann in Richtung Grenze. Komme, was da wolle.

Und es kommt eine ganze Menge: ein durch einen Unfall verursachter Stau, bewacht von Polizisten; eine Tankstelle mit einem übereifrigen Tankwart ohne jeden Sinn für Humor, aber mit einer Knarre; ein Männergespräch auf dem Klo; das "Fest des Bären" in einem entlegenen Bergdorf, bei dem nahezu jeder Einwohner bewaffnet zu sein scheint. Und natürlich ein Ende, das keiner - ich betone: keiner - so hat kommen sehen.

Hochglanz-Actionthriller-Spektakel

So banal die Geschichte von "Wilde Hunde - Rabid Dogs" des Regiedebütanten Eric Hannezo beginnt: ein Banküberfall, der misslingt, dazu eine halsbrecherische Flucht; so bewegt ist die Story hinter dem Film. Denn bei "Wilde Hunde" handelt es sich um ein Remake. Das Original "Cani arrabiati" stammt von Mario Bava. Der hatte 1974 den Film zu 80 Prozent abgedreht, als die Produktionsfirma pleiteging. Das Rohmaterial verschwand in der Konkursmasse.

Erst mehr als 20 Jahre später fand es seinen Weg zurück in die Finger des einstigen Hauptdarstellers und Mitproduzenten Lea Leanders. Er vollendete Bavas Werk. Bava selbst war da schon tot.

Nun setzt Regisseur Hannezo mit seinen "Wilden Hunden" (im Original: "Enragés") Bavas Werk gewissermaßen ein Hochglanz-Actionthriller-Spektakel-Denkmal. Wer will, kann Elemente von "Heat" oder auch Michael Manns "Thief" sowie dem aktuelleren "Antigang" mit Jean Reno oder gar dem Klassiker "Dobermann" darin finden. Musikalisch erinnert Hannezos "Wilde Hunde" mit seinem drängenden Synthesizer-Score, der vor allem am Anfang sofort in den Filmstoff hineinzieht, an "Drive".

Viel Ruhm, viel Ehr - und das hat sich Hannezos "Wilde Hunde" auch redlich verdient. Der Name ist absolut Programm. Die Bankräuber-Charaktere spielen ihre Rollen hervorragend. Man will ihnen einfach nicht über den Weg laufen. Bei Sabri gibt es auch einige Rückblicke und Einschübe, die als Erklärungsansatz dienen, auf die Frage: Warum er so ist, wie er ist. Das klingt nach Gesellschaftskritik, aber die ist wirklich nur ein Randaspekt.

"Wilde Hunde" ist brutal, laut, schnell - die FSK 16 ziemlich fragwürdig -, aber vor allem: cool. Wer packt sonst schon Radioheads "Creep" als Vega-Choir-Cover in einen Actionreißer? Kein Wunder also, dass der Film es einst als Centerpiece ins Fantasy Filmfest geschafft hat. Aber vielleicht lag das auch am völlig überraschenden Ende. Denn wir wissen ja schon: Die Dinge sind nie so, wie sie zu sein scheinen.

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Quelle: ntv.de

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