Archiv

"Presence": "Es" ist hier!Wenn Frauen schlechte Laune haben

09.10.2018, 21:23 Uhr
imageVon Thomas Badtke
image
Da kann es dich schon einmal umhauen. (Foto: Tiberius)

Eine Familie reist überstürzt aus ihrem Urlaubsdomizil in neuseeländischer Bergidylle ab. Der Grund: die Heimsuchung durch einen Dämon. Drei Geisterjäger wollen der Sache auf den Grund gehen und ziehen ein. Der Spuk beginnt.

"Das Haus ist eine Bruchbude. Aber die Aussicht ist der Hammer!" Scotts (Jeffrey Thomas; "Der Hobbit") Worte treffen den Nagel auf den Kopf: Das heruntergekommene Holzhaus ist abbruchreif. Aber die Natur drumherum ist der Wahnsinn. Das Haus liegt oberhalb eines von einem Wald umgebenen Bergsees, auf einem Hügel - und bei gutem Wetter kann man kilometerweit über scheinbar unberührte Natur schauen. Zur Erholung ist dieses Fleckchen Erde perfekt. Und zur Arbeit? Denn dazu sind Scott, Liam (Jed Brophy) und Holly (Laura Petersen) hier, im Auftrag eines Versicherungsunternehmens sollen sie das Haus in Augenschein nehmen. Der Grund: Es soll darin spuken.

image
Scott und Liam: Gibt "es" das wirklich? (Foto: Tiberius)

Scott, der älteste der Gruppe, ist ein Skeptiker. Er will Fakten "sehen". Gleichzeitig tüftelt er an einer Schallwaffe herum, denn wenn man etwas "sehen" kann, muss es seiner Ansicht nach aus Materie bestehen - und die lässt sich durch Schall zerstören. Klingt nach Ghostbusters, wie Liam spöttelnd meint. Aber Scott antwortet bierernst, dass das Einfangen von Geistern purer Schwachsinn sei. Aber zerstören könne man sie.

Holly wiederum, die äußerlich irgendwie an die junge "Scream"-Queen Neve Campbell erinnert, ist diejenige in der Gruppe, die Geister wirklich sehen kann. Und das macht ihr Angst. Auf die Frage, wieso sie dann bei diesem Job mitmache, antwortet sie, sie sei wie jemand mit Flugangst, der ständig fliegen müsse, um sich zu beweisen, dass er seine Angst überwinden könne. Naja.

Immer 3.00 Uhr nachts

Die drei richten sich im Haus ein, stellen Kameras auf und andere technische Messgeräte. Scott rennt mit einer Art Geigerzähler für Geister herum, stellt aber nur fest, dass der Dieselgenerator draußen vor der Tür seine Messwerte stört. Praktisch, denn ohne Dieselgenerator gibt es keinen Strom. Ohne Strom kein Licht - und Geisterjagd im Dunkeln ist doch viel geiler als am hellichten Tag.

Da passt es auch perfekt, dass um Punkt 3.00 Uhr in der Nacht eine Tür auffliegt. Für Scott war der Wind dafür verantwortlich. Nur, dass es draußen windstill war. In der zweiten Nacht fliegt die Haustür erneut auf, mit einem lauten Knall, aber die Kameras haben nichts aufgezeichnet. Holly ist die einzige, die ein Abkühlen der Temperatur feststellt. In der dritten Nacht stehen die Drei rechtzeitig auf, um dem Spuk auf den Grund zu gehen. Ein Knall, der Geigerzähler brummt, Holly sieht etwas. Es scheint, als wolle der Geist sie dazu bewegen, das Haus zu verlassen. Eine Warnung?

Bei Liam wirkt das ganze Tür auf- und zuschlagen, das Knarzen und Brummen. Er hat die Nase voll, aber Scott und Holly können ihn zum Bleiben überreden - auch weil es im Haus einen Raum gibt, den der Geist nicht betreten zu können scheint. Aber woran liegt das wohl wiederum?

Die Drei finden es heraus: Liam spürt in dem Raum einen kalten Luftzug, der hinter einer Wand hervorkommt. Er ruft Holly und Scott und schnell ist die klapprige Bretterwand beseitigt, ein Loch führt hinab zu einem geheimen Raum - und zu einer Frauenleiche. Die Polizei wird alarmiert, aber als diese eintrifft, ist die Leiche spurlos verschwunden. Jetzt beginnen die drei "Geisterjäger" zu begreifen, aber da ist es schon zu spät.

Old School Grusel

image
"Presence" (Tiberius) ist am 4. Oktober auf DVD und BD erschienen. (Foto: Tiberius)

Ein sehenswerter Twist am Ende des Films rundet "Presence" ab. Der Streifen des Regisseurs Jason Stutter spielt in Neuseeland, dort wo Natur noch Natur ist, und Familienurlaube in einem heruntergekommenen Holzhaus ohne Strom durchaus den Zeitgeist befriedigen. Klar, wenn die Familie dann Hals über Kopf ihr Feriendomizil verlässt mit dem Grund, dass ein mächtiger Dämon sie heimsucht und ihr Geld zurück will, muss dann ein kunterbunter, schräger Geisterjägertrupp der Sache auf den Grund gehen. Versicherungen zahlen ja nie freiwillig.

Dieses Szenario scheint etwas arg konstruiert. Der Film an sich macht aber Spaß, was zum einen an den Old-School-Gruseleffekten liegt und zum anderen an den Charakteren, von denen Holly und Scott positiv herausstechen. Mit Holly ließen sich diverse weitere Filme in dieser Art vorstellen. Scott wiederum als gealterter Techniknerd ist einfach nur zum Schmunzeln.

"Presence" ist der Beweis dafür, dass auch ohne großes Blutvergießen sehenswerte Horrorfilme möglich sind. Es braucht nicht viel: eine Hammeraussicht und eine Bruchbude.

Anzeige
Presence - Es ist hier!
620
9,97 €

NeuseelandRezensionenHorrorfilme