Columbia-AbsturzWas passiert mit der Raumfahrtbranche?
Der Absturz der US-Raumfähre Columbia am Samstag löste weltweit Trauer und Entsetzen aus. Doch trotz des kollektiven Schocks machte US-Präsident George W. Bush schon in seiner Fernsehansprache klar, dass der Absturz nicht das Ende des Raumfahrtprogramms bedeuten wird.
Nach Angaben aus Regierungskreisen will Bush im Haushaltsjahr 2004 das Budget der Nasa um fast 470 Mio. Euro auf 15,47 Mrd. Euro erhöhen. Bislang ist jedoch nicht klar, ob damit auch zusätzliche Mittel für das Raumfährenprogramm oder Verbesserungen der Sicherheitsstandards bereitgestellt werden sollen. Die Erhöhung des Budgets beinhaltet nicht die Kosten, die im Zusammenhang mit dem Unglück entstanden sind.
Branche weltweit betroffen
Der Verlust der Columbia wird nach Ansicht von Experten erhebliche Auswirkungen auf die weltweite Raumfahrt haben. Sofort nach dem Unglück, bei dem alle sieben Astronauten ums Leben kamen, stoppte die US-Raumfahrtbehörde Nasa sämtliche Shuttle-Flüge auf unbestimmte Zeit.
Damit kann die internationale Raumstation ISS nicht wie ursprünglich geplant ausgebaut werden. Denn bislang werden für den technischen Ausbau und den Transport der Stations-Besatzungen Space Shuttle benötigt. Die Verzögerung des geplanten Ausbaus der Weltraumstation wird die Kosten für das ISS-Programm ersten Schätzungen zufolge um mehrere 100 Mio. Dollar nach oben schrauben. Im Moment liegen die Kosten bereits bei rund 100 Mrd. US-Dollar.
Derzeit leben drei Besatzungsmitglieder, zwei Amerikaner und ein Russe, auf der Station. Sie werden durch die russische unbemannte Versorgungskapsel Progress mit Sauerstoff, Wasser und Nahrungsmittel versorgt. Ursprünglich sollte Anfang März die nächste US-Raumfähre starten, um die Besatzung nach einem viermonatigen Aufenthalt auf der Raumstation abzulösen. Aufgrund des Startverbots müssen die Astronauten nun möglicherweise mit einer ebenfalls russischen Sojus-Kapsel den Heimweg antreten. Dann würde die Raumstation erstmals ohne Besatzung im Weltraum treiben.
Das Unglück könnte eine unerwartete Chance für die russische Raumfahrt bedeuten. Denn nun sind nicht nur die drei aktuellen Besatzungsmitglieder der ISS komplett von der russischen Technik abhängig. Da es ersten Schätzungen zufolge zwei Jahre dauern könnte, bis der Absturz erforscht ist und in der Zeit wohl kein US-Shuttle starten wird, ist Russland am Zug. Ohne die Weltraumnation wird das Projekt ISS wohl nicht mehr zu halten sein. Schon am Montag sollen daher die USA und Russland erste Gespräche aufgenommen haben.
Neben den USA und Russland sind noch 14 weitere Staaten an dem ISS-Projekt beteiligt. Deutschland steuerte bislang rund 3,3 Mrd. US-Dollar bei. An den Shuttle-Flügen selbst sind die Europäischen Länder nicht beteiligt. Dennoch trifft die Katastrophe die europäische Raumfahrt in einer tiefen Krise. Nach der Explosion der Trägerrakete Ariane-5 wurden alle weiteren Ariane-5-Flüge abgesagt. Die Produktion der erfolgreichen Ariane-4 wurde von der europäischen Raumfahrtorganisation zugunsten von Ariane-5 eingestellt.
Die Krise der amerikanischen und europäischen Raumfahrt könnte neben der Stärkung der russischen auch noch Platz für eine neue Weltraumnation machen: China hat bereits angekündigt, noch in diesem Jahr einen Astronauten ins All zu schicken. Damit könnte bald ein Chinese der einzige Mensch im Weltall sein.