El-Kaida-Gefahr unterschätzt?US-Regierung wehrt sich
US-Präsident Bush und seine Minister für Verteidigung sowie Außenpolitik, Rumsfeld und Powell, haben vehement Vorwürfe bestritten, sie hätten die Gefahr durch El Kaida vor dem 11. September 2001 unterschätzt.
Führende Mitglieder der US-Regierung haben vor einem Untersuchungsausschuss Vorwürfe zurückgewiesen, sie und Präsident George W. Bush hätten die Terrorgefahren vor den Anschlägen vom 11. September 2001 ignoriert. In einer siebenstündigen Anhörung versicherten Außenminister Colin Powell und Pentagon-Chef Donald Rumsfeld, die Regierung habe der Terrorismusabwehr und insbesondere dem Kampf gegen El Kaida von Anfang an höchste Priorität eingeräumt.
Es hätten aber keine Hinweise auf die Anschläge vorgelegen, betonten die Minister weiter. Bush selbst erklärte vor Journalisten, wenn es derartige Informationen gegeben hätte, "dann hätten wir gehandelt". Rumsfeld zufolge wären die Anschläge aber auch durch eine Ausschaltung von El-Kaida-Anführer Osama bin Laden nicht verhindert worden. Zudem wäre nach seinen Worten vor dem 11. September keine internationale Koalition zur Unterstützung des Anti-Terror-Feldzuges in Afghanistan zu Stande gekommen.
Erst am Wochenende hatte Bushs früherer Anti-Terror-Berater Richard Clarke dem Präsidenten vorgeworfen, er habe sich von Anfang an auf den Irak konzentriert und dabei die Bedrohung durch die El Kaida trotz Warnungen außer Acht gelassen.
Clinton-Minister befragt
Der vom US-Kongress bereits im vergangenen Jahr eingesetzte Untersuchungsausschuss mit Vertretern der Republikaner und Demokraten soll die Entwicklungen im Vorfeld der Terroranschläge vom 11. September beleuchten und prüfen, ob die Attacken hätten verhindert werden können. Dazu wurden auch Mitglieder der früheren Regierung unter Präsident Bill Clinton vernommen: Außenministerin Madeleine Albright und Verteidigungsminister William Cohen. Sie verteidigten ihrerseits die seinerzeitige Anti-Terror-Strategie.
Vor den Vernehmungen hatte der Ausschuss einen vorläufigen Untersuchungsbericht vorgelegt und darin erklärt, dass die US-Geheimdienste schon Jahre vor dem 11. September von den Gefahren durch das El-Kaida-Netz gewusst hätten. Sowohl unter Clinton als auch unter Bush sei zunächst vor allem auf diplomatischem Weg versucht worden, die Terrororganisation zu schwächen. Erst kurz vor dem 11. September habe sich die Regierung auf eine Strategie verständigt, die früher oder später zu einem Militärschlag im Fall eines weiteren Versagens der Diplomatie geführt hätte.