Die Legende von der Blutscheune"The Barn" ist Halloween-Horror pur

In der Halloween-Nacht erwacht das Böse in Form dreier blutrünstiger Dämonen. So will es die Legende der "Blutscheune", an die Sam fest glaubt. Das Problem: Er ist der Einzige - und so nimmt das thrashig-witzige Unheil seinen Lauf.
"Süßes oder Saures!" Diese Aufforderung gehört zu Halloween wie der Kürbis, Kostüme und eben jene Süßigkeiten, für die rund um die Welt Kinder an fremden Haustüren klingeln. Gibt es dann die Schokolade oder Bonbons, ist alles gut, die Kids ziehen weiter auf ihrer Sammeltour. Wird das Süße aber verweigert, gibt es Saures, also einen Streich. So will es der Halloween-Brauch. Sam (Michael Musolino; "Detectus of Pain") nimmt ihn sehr ernst. Er hat für sich Halloween-Regeln aufgestellt - und an die hält er sich auf Teufel komm raus.
Kurz vor der Volljährigkeit will er es mit seinem besten Kumpel Josh (Will Stout; "Cronos") an Halloween noch einmal so richtig krachen lassen, um legendär zu werden. Nicht, dass er in seinem kleinen Nest ein Unbekannter wäre. Nein, dazu hat er es in den Vorjahren an Halloween schon zu doll getrieben. Von Tür zu Tür ziehen ist deshalb nicht. Aber wenn man selbst nicht sammeln darf, erschreckt man halt den Dorf-Nachwuchs - und die Schuldirektorin Ms. Barnhart (Linnea Quigley; "Night of the Demons"), die gerade bei Sam vorbei und nach dem Rechten schaut.
Regel 1: Ärgere die Ische des Pfarrers nicht!
Ein kurzer Plausch und einen halben Herzinfarkt später haben Sam und Josh die nächste Rüge am Hals, dazu eine Standpredigt von Sams Vater - von wegen erwachsen werden, Verantwortung übernehmen, das Übliche halt. Sam und Josh haben aber auch als Strafe aufgetragen bekommen, Obst und Gemüse für das Erntedankfest zu sammeln und bei der Kirche vorbeizubringen. Es ist schon praktisch, wenn die Schuldirektorin und der Pfarrer etwas am Laufen haben.
Und während das Kaff im Festsaal feiert, machen sich Sam, Josh und ein paar weitere Kumpels auf die Suche nach Obst und Gemüse - und verbinden das Nützliche mit dem Angenehmen: Nicht weit weg tritt ihre Lieblings-Metalband auf. Roadtrip!
Regel 2: Trage immer ein schauriges Kostüm!
Sam und sein Trupp landen bei "The Barn", einer berühmt-berüchtigten Scheune. Irgendetwas stimmt hier nicht, aber was genau, ist und soll geheim bleiben. Auf alle Fälle soll "The Barn" während Halloween gemieden werden. Die Gruppe erinnert sich an die stets wiederholten Warnungen und die Halloween-Legende über das "Böse", das dann in Form dreier Süßigkeiten sammelnden Dämonen auf die Erde kommt: "Der schwarze Mann, er hasst das laute Kinderpack, er hackt es in Stücke und steckt's in den Sack. Der Kürbismann, der geheiligte Jack, es ist ihm egal, ob Junge, ob Mädel, er schnappt sich ein Messer und schnitzt einen Schädel. Doch solltet ihr Angst kriegen, bloß nicht weinen, die Candycorn-Vogelscheuche schnappt sich die Augen der Großen und Kleinen."
Alles halb so wild: Außer Sam glaubt keiner von seinen Freunden, dass es die drei Gestalten wirklich gibt. Und so begehen sie den tödlichsten aller Fehler: Sie klopfen an das Tor von "The Barn", drei Mal - wie es die Legende besagt - und rufen "Süßes oder Saures!" Eine kurze Pause, ein Lauschen. Kein Halloween-Monster taucht auf, nur das Scheunentor öffnet sich.
Erst jetzt bricht der Horror los: Passend zum Gestank in "The Barn" und schaurigen, in Gläsern eingeweckten Ausstellungsstücken tauchen der schwarze Mann, Jack und die Vogelscheuche auf und dezimieren den Trupp von Sam und Josh. Die beiden überleben, dank Sams Regel, an Halloween schaurige Kostüme zu tragen. Laut Sam sehen sie deshalb aus wie das Böse und das Böse kann sie nicht sehen. Simpel, aber hilfreich - wie die anderen von Sams Regeln, an die keiner glauben wollte ...
Regel 3: Süßes, sonst gibt's Saures!
Jawoll, "The Barn" ist Halloween pur! Ein paar Teenies, eine schaurige Legende, dazu ein paar Monster, die zum Leben erweckt, selbiges aller anderen rauben wollen, damit das Böse auf die Erde zurückkehren kann. Das reicht eigentlich völlig für einen kurzweiligen Horrorspaß mit Zoten, schwarzem Humor, Splatter, Blut und geiler Mucke.
Aber Regisseur Justin Seaman ("10/31", "Cryptids") packt noch mehr in die Story: eine Liebelei von Sam, einen religiösen Kult samt Verschwörung und ein paar "Working Class Heroes" made in USA. Das sorgt zum Ende hin zwar für einige Twists, nimmt aber Dynamik aus dem Film. Weniger wäre da mehr gewesen. Oder er hätte noch mehr reinpacken und aus "The Barn" eine Miniserie machen müssen.
So erreicht "The Barn" nicht ganz das Niveau, das die Halloween-Story verspricht. Überzeugen kann Seamans Arbeit aber mit sympathischen Darstellern, dem Humor der klassischen 1980er Horrorfilme, sehr gut gemachten "Back to the Roots"-Effekten, einem treibenden Score und Verweisen sowie Anleihen auf und bei "Evil Dead", "Kinder des Zorns", "Jeepers Creepers" oder auch "Halloween". Letzten Endes bietet "The Barn" damit doch viel Süßes und wenig Saures. Happy Halloween!
