Mit Mobbing fängt es an"Some Kind of Hate": Von Hass erfüllt

Lincoln wird jahrelang gemobbt. An der Schule, zu Hause. Dann rastet er aus - und landet in der "Akademie des inneren Auges", einem Camp für Schwererziehbare. Aber auch da wird er drangsaliert. Doch dann beginnt eine Selbstmordserie.
Lincoln (Ronen Rubinstein) hat schulterlange dunkle Haare, trägt Jeans und T-Shirt. Er ist völlig unauffällig. In der Schule gehört er weder zu den Strebern noch zu den beliebten Sportskanonen. Lincoln ist Mittelmaß, eckt nicht an, muckt nicht auf. Aber er zeichnet und hört Death Metal - und schon wird er zum perfekten Außenseiter, den man drangsalieren und mobben kann. Das geht jahrelang so.
Aber eines Tages platzt Lincoln der Kragen. Er zeichnet in der Pause und wird dabei dumm angemacht. Danach herumgeschubst und zu Boden gedrückt. Es macht Klick in seinem Kopf - und seine angestaute Wut und der Hass auf seinen Gegenüber brechen sich gewaltvoll Bahn. Die Schuld an dem Zwischenfall wird Lincoln zugeschoben, er muss in ein Camp für schwer erziehbare Jugendliche.
Zen gegen die innere Wut
"Die Akademie des inneren Auges wird euch alle neu resetten!" Mit diesen Worten begrüßt der Camp-Leiter und Selbsthilfe-Guru Jack (Michael Polish) Lincoln und die anderen Problemkids. Da wäre etwa Isaac (Spencer Breslin; "The Happening"), der seiner Schule einen Pornohack und sich selbst damit 15 Minuten Ruhm beschert hat; oder Willie (Maestro Harrell; "Ali"), der Lincoln sofort auf dem Kicker hat und antestet, wie weit er gehen kann, bevor Lincoln wieder zuschlägt. Oder auch Kaitlin (Grace Phipps, "Fright Night"), Ex-Cheerleaderin, die ein Auge auf Lincoln geworfen hat.
Lincolns Handy mit seinem geliebten Death Metal wird wie alle anderen eingezogen und landet bei Jacks rechter Hand, Christine (Lexie Atkins; "Ted 2", "Zombiber"). Lincoln muckt nicht auf, er will einfach nur seine Ruhe. Aber es kommt, wie es kommen muss: Willie macht ihn dumm an. Mehrfach. Mit anderen zusammen. Er schlägt Lincoln sogar. Der rennt immer wieder weg.
Und findet Zuflucht bei Kaitlin: "Ich würde gerne in einer Welt leben, in der Arschlöcher das kriegen, was sie verdienen." Ein paar simple Worte, die aber bald darauf eine tödliche Wirkung entfalten und im Camp ein Blutbad anrichten. Das Besondere: Es sind keine Morde. Alle Toten, die es nun gibt, sind Selbstmorde gewesen. Die Opfer haben sich selbst geritzt, verstümmelt, sich die Pulsadern oder die Kehle aufgeschlitzt.
The Voodoo, that you do
Während die Polizei noch rätselt und das Camp schließen will, ahnen Jack und Christine, was vorgeht. Christine war früher selbst als Schwererziehbare im Camp. Damals hat sie ein Mädchen namens Moira (Sierra McCormick) nicht nur gemobbt und schikaniert, sie hat sie auch geritzt und dann umgebracht. Jack hat das vertuscht und Christine dann zur Aufseherin gemacht.
Moiras Geist wurde nun durch Lincolns Zorn erweckt und nimmt nun Rache für ihn und sich selbst. Sie tötet ihre Opfer, indem sie sich selbst verletzt. Als Christine eine Pistole auf sie richtet, lacht sie kurz auf. Moira weiß: Sobald Christine den Abzug drückt, wird deren eigener Kopf wie ein zu reifer Kürbis zerplatzen.
Lincoln wollte das alles nicht und schwört Moira ab, aber mittlerweile hat die sich an Kaitlin herangewanzt und auch die trägt eine Menge Zorn und noch mehr Schuld in sich. Und das (Selbst-)Morden geht munter weiter.
Slasher mit Gesellschaftskritik
"A Kind of Hate" ist ein Slasher, wie er im Buche steht. Gute Unterhaltung für Genrefans, auch wenn die Hauptdarsteller mit Ausnahme von Sierra McCormick eher blass bleiben. Vor allem Lincoln hätte aus seiner Rolle mehr herausholen können, sogar müssen. Dennoch gefällt der Film, denn er weist eine Besonderheit auf. Während in anderen Rache-Slashern das Opfer immer direkt gegen seine Peiniger vorgeht, ist es beim Film des Regisseurs Adam Egypt Mortimer ("Holidays") der wiederkehrende Geist der unschuldig Ermordeten Moira.
Dieser Twist kann sich sehen lassen. Der eine oder andere Lacher auch. Und nicht zuletzt sorgt der druckvolle Score mit weichen Liedern von Myrkur etwa bis hin zu Metal-Songs von Serpentine Path für die nötige Grundstimmung. Ein besonderes Schmankerl ist dabei die St. John-Passion "Herr unser Herrscher" von Johann Sebastian Bach. So etwas merkt man sich als Zuschauer.
"Some Kind of Hate" bleibt auch im Gedächtnis. Gerade auch in der heutigen Zeit, in der Mobbing in Schule und Beruf immer mehr zum Alltag zu gehören scheint. Ein Tipp? Macht es wie Lincoln und zeichnet oder hört Musik, welcher Art auch immer. Kunst entspannt, von zehn abwärts zählen auch.