Archiv

Verdacht auf Schäden erhärtetRisse an "Columbia"-Flügel

04.02.2003, 00:33 Uhr

Nach der "Columbia"-Katastrophe erhärtet sich der Verdacht, dass Schäden am Hitzeschild die sieben Astronauten ins Verderben stürzten. Bilder zeigen Risse am linken Flügel der Raumfähre.

Der Verdacht auf Fehler oder Schäden auf der linken Seite der Raumfähre "Columbia" verdichtet sich immer mehr. Einem israelischen Zeitungsbericht zufolge waren bereits am fünften Tag der Weltraummission am linken Flügel der "Columbia " deutliche Risse zu sehen gewesen. Die NASA wird heute auf einer Trauerfeier im Johnson Space Center in Houston der toten Astronauten gedenken. US-Präsident George W. Busg und seine Frau Laura wollen daran teilnehmen. Bei einem Treffen mit NASA-Chef Sean O'Keefe kündigte Bush die baldige Rückkehr amerikanischer Astronauten ins Weltall an.

Die israelische Tageszeitung "Maariv" veröffentlichte ein Foto mit der Schlagzeile "Der Flügel des Todes". Das Bild wurde während einer Videoschaltung beim Gespräch zwischen Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon und dem israelischen Astronauten Ilan Ramon aufgenommen. Auch das isrealische Fernsehen zeigte die Bilder.

Der Manager des Shuttleprogramms bei der US-Raumfahrtbehörde NASA, Ron Dittemore, hatte zuvor mitgeteilt, dass sich Augenzeugenberichten zufolge von dem Shuttle Teile lösten. Die Temperatur auf der linken Seite des Raumfahrzeugs sei kurz vor dem Auseinanderbrechen der Fähre schneller angestiegen als rechts.

Kurz darauf habe auch der Luftwiderstand auf der linken Seite zugenommen, so Dittemore. Das Flugkontrollsystem der "Columbia" habe den daraus resultierenden Linksdrall mit einem Flugmanöver nach rechts zu korrigieren versucht. Wenig später sei der Kontakt zur Raumfähre abgebrochen.

Zu der Zeit, als sich die Raumfähre über Kalifornien befand, begann um 14.53 Uhr MEZ die Kette alarmierender technischer Hinweise. Dittemore warnte vor verfrühten Schlussfolgerungen. Die bisherigen Erkenntnisse könnten sich jederzeit ändern.

Allerdings hätten etwaige Fehler nach Angaben Dittmores und anderer Experten auch bei richtiger Einschätzung nicht im All repariert werden können. Laut Dittemore war die Besatzung nie für Reparaturmaßnahmen ausgebildet worden - zumindest nicht für schwierige Aufgaben an der Unterseite eines Tragflügels, wo es keinen Halt gibt. Für eine Reparatur noch im Weltall wären bestimmtes Werkzeug und eine spezielle Technologie erforderlich gewesen, sagte der erste deutsche Kosmonauten Sigmund Jähn im Inforadio Berlin-Brandenburg. Das Spezialwerkzeug werde aber wohl kaum an Bord gewesen sein.

NASA soll mehr Geld erhalten

Bush will nach Angaben aus Regierungskreisen im Haushaltsjahr 2004 das Budget für die US-Raumfahrtbehörde NASA um fast 470 Millionen Dollar erhöhen. Es solle zudem geprüft werden, ob das Unglück der Raumfähre "Columbia " im Zusammenhang mit früheren Kürzungen des Etats der NASA stehe. Bush werde dem Kongress vorschlagen, im Haushaltsjahr 2004 das Budget der NASA um fast 470 Millionen Dollar auf 15,47 Milliarden Dollar zu erhöhen, hieß es. Unklar blieb, ob damit auch zusätzliche Mittel für das Raumfährenprogramm oder Verbesserungen der Sicherheitsstandards bereitgestellt werden sollen.

Nach Kürzungen im vergangenen Jahrzehnt waren die Mittel für die NASA im Haushaltsjahr 2003 leicht auf rund 15 Milliarden Dollar angehoben worden. Das Raumfährenprogramm schlägt darin mit 3,2 Milliarden Dollar zu Buche. Dies war jedoch im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 75 Millionen Dollar.

Bush kündigte unterdessen die baldige Rückkehr amerikanischer Astronauten ins Weltall an. Bei einem Treffen mit NASA-Chef Sean O'Keefe im Weißen Haus sagte er in Washington, die sieben umgekommenen Astronauten hätten an der Lösung wissenschaftlicher Probleme gearbeitet, "die sich uns hier auf der Erde entziehen". Laut Sprecher Ari Fleischer kann noch kein konkreter Zeitpunkt genannt werden, an dem die Shuttle-Flüge wieder aufgenommen werden können.

Suche nach Trümmern geht weiter

Unterdessen dementierte die NASA, dass Leichenteile aller Astronauten gefunden worden seien. Es handele sich um die sterblichen Überreste einiger, nicht aller Astronauten. Nach Informationen des n-tv Partnersenders CNN wurden die Überreste auf einen Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Louisiana gebracht und sollen genetisch untersucht werden.

Die Suche nach den Tausenden von Trümmern der Raumfähre dauert derweil an. Die Teile gingen an Hunderten von Orten vor allem im Bundesstaat Texas nieder. Nach dem Angebot angeblicher Wrackteile bei der Internet-Börse eBay warnte die NASA vor einem rechtswidrigen Verkauf von Regierungseigentum. Texas-Gouverneur Rick Perry und Dittemore erinnerten daran, dass die Trümmer giftig sein können.

Die "Columbia" war am Samstag mit sieben Astronauten an Bord über Texas auseinander gebrochen und abgestürzt. Nach der Katastrophe machten Experten Schäden am Hitzeschild für das Unglück in 63 Kilometern Höhe kurz nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre verantwortlich. Die NASA untersucht, ob ein Zwischenfall während des Starts Mitte Januar das spätere Desaster mit verursacht hat. Ein Stück Isoliermaterial war gegen die linke Tragfläche geprallt. Nach Darstellung von NASA-Chef O'Keefe ist das Abspringen von Teilen der Isolierung des Hitzeschilds während des Starts jedoch kein ungewöhnlicher Vorgang. Bisher seien Shuttles nach solchen Vorkommnissen stets sicher zur Erde zurückgekehrt.

Absturz der Raumfähre Columbia