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Blutiger Blick in die Geschichte"Rise of the Scythian" ist wie "300", nur roher

24.07.2018, 21:23 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Lutoboor, Soldat des Fürsten, der zum letzten Skythen wird. (Foto: Splendid)

In der Zeit, in der Zivilisationen ausgelöscht werden, verbreiten die einst stolzen Krieger der Skythen als mordende Nomaden Angst und Schrecken. Als sie aber Frau und Kind eines Soldaten entführen, machen sie sich den falschen Mann zum Feind.

Wenn jemand deine Frau und deinen gerade erst geborenen Sohn entführt, würdest du Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sie gesund und wohlauf wiederzubekommen. Koste es, was es wolle. Lutoboor (Alexej Faddeew) ist genau in dieser Situation. Der Soldat feiert gerade die Geburt seines Erstgeborenen, selbst sein Fürst schaut vorbei und ehrt damit seine Familie. Er könnte nicht glücklicher sein. Doch nur wenige Stunden später stören skrupellose Räuber sein Familienglück. Lutoboor sieht seine Frau und seinen Sohn nur wieder, wenn er seinen Fürsten tötet. Das ist die Bedingung der "Wölfe", wie sie sich selbst nennen.

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Lutoboor und sein Fürst Auge in Auge. (Foto: Credit)

Die "Wölfe" sind die letzten Skythen, einst ein stolzes Kriegervolk, mittlerweile aber nur noch herumstreifende Nomaden, die morden und Angst und Schrecken verbreiten. Lutoboor wird zum Fürsten gerufen. Vor die Wahl gestellt, Familie oder Fürst, entscheidet er sich für die Treue zu seinem Herrn. Der traut ihm aber nicht mehr und lässt ihn festnehmen und foltern. Lutoboor wird ausgepeitscht bis aufs Blut.

Dann befreit ihn der Fürst höchstpersönlich von seinen Fesseln. Er weiht ihn in einen Plan ein, in dem Lutoboor die Hauptrolle spielt. Ausgepeitscht und gefoltert soll er die Rolle des Entflohenen spielen, auf dessen Ergreifen der Fürst ein Kopfgeld ausgesetzt hat. Ziel des Ganzen: Lutoboor soll seine Familie und deren Entführer aufspüren. Er soll herausfinden, wer den Fürsten aus dem Weg schaffen will.

Lutoboor macht sich auf die Spuren der "Wölfe", an seiner Seite ist nur Weasel, ein Krieger, den der Anführer der "Wölfe" ermorden wollte: Weasel ist der Sohn des alten Anführers, der in einem Kampf auf Leben und Tod den Kürzeren gezogen hatte. Ein Soldat und ein Krieger, ein Familienvater und ein Alleingänger: Ein solches Duo macht sich in der unwirtlichen Welt wenige Jahrhunderte vor Christus in der Steppe im Großraum Kiew auf die Suche und muss mehrere Male ums nackte Überleben kämpfen. Am Ende decken sie eine große Verschwörung auf, an deren Ende der Tod aller Skythen stehen wird. Aller Skythen? Nein, einer überlebt.

Früher war alles ... blutiger

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"Rise of the Scythian" ist bei Splendid erschienen. (Foto: Splendid)

"Rise of the Scythian" ist ein grandios in Szene gesetztes Historien-Epos, das seine FSK16-Einstufung mehr als verdient hat. Früher wurde halt nicht mit der feinen Klinge gekämpft, sondern mit der groben Kelle. Einmal zustechen und der Gegner ist tot? Nicht damals. Da wurden die Gegner im Kampf regelrecht durchlöchert und bestialisch massakriert. Ein richtiger Mann war man erst mit Dutzenden Schwertschnittwunden am Körper oder anderen Kampfspuren, gern auch im Gesicht.

Ob das alles der Wahrheit entspricht, mag dahingestellt sein. Fakt ist, dass über die Skythen nicht allzu viel bekannt ist, denn es fehlen direkte Aufzeichnungen. Es erinnert aber einiges an die Pikten und auch bei "Rise oft the Scythian" werden Erinnerungen an andere epische Historienknaller wach, allen voran "300". Die Parallele: Auch bei den Skythen wurden die Jungen bereits in jungen Jahren auf Krieg und Überleben getrimmt.

Daneben finden sich im Film des Regisseurs Rustam Mosafir auch Anleihen von "Gladiator", "Braveheart", "Sin City", "Die letzte Legion" oder "Centurion" mit Michael Fassbender. "Vikings" und "Der letzte Krieger" aus russischer Filmschmiede passen ebenfalls ins Bild - was allerdings nicht von ungefähr kommt, denn die Produzenten von "Rise oft the Scythian" zeichneten bereits für "Der letzte Mongole" verantwortlich.

Die Messlatte ist also hoch angelegt, wird aber nach einigen Anfangsverwirrungen locker genommen. Zu Beginn muss man als Zuschauer aufpassen, bei den Kämpfen, Schnitten und Personen nicht den roten Faden zu verlieren. Im Rest des Films passiert das nicht, dann trägt der Plot und die urtümlichen Landschaften mit ihrer kargen Schönheit ziehen in den Bann.

Die Kämpfe, die in fast schon regelmäßigen Abständen aufflammen, sorgen für Kurzweil der blutigen Art. Den Skythen wollte man damals nicht über den Weg laufen, der Film zeigt, warum. Er zeigt aber auch, wie und warum das nomadisierende Reitervolk so lebte, wie es lebte. Und spätestens am Ende des Films hat man tiefe Sympathien für die "einsamen Wölfe" - und auch für Lutoboor. Der findet Frau und Kinder zwar wieder. Ein Happy End bedeutet das dennoch nicht.

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