Bericht zu Arafats Tod gefordertPalästinensisches Trauerspiel
Die Palästinenser-Führung hat von Frankreich vollständige Aufklärung über die Todesursache Arafats verlangt. Nach französischem Recht können das die "Anspruchsberechtigten" fordern. Das wäre aber nur Ehefrau Suha.
Die palästinensische Autonomieregierung hat von den französischen Behörden Aufklärung über die Todesursache Jassir Arafats verlangt. Frankreich solle einen vollständigen Bericht über die Krankheit und den Tod des Palästinenserpräsidenten übermitteln, forderte Regierungschef Ahmed Kureia am Montag in Ramallah. Einen entsprechenden Brief habe er an die französische Regierung geschickt. Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und Arafats Fatah-Bewegung unterstützten die Forderung.
Der medizinische Bericht könne an die "Anspruchsberechtigten von Herrn Arafat" übermittelt werden, wenn diese es verlangten, teilte ein Sprecher des Pariser Verteidigungsministeriums am Abend dazu mit. Das entsprechende Gesetz gelte auch für Militärärzte.
PLO-Führungsmitglied Jassir Abed Rabbo begründete das Gesuch seiner Regierung mit den Worten: "Wir ziehen keine voreiligen Schlüsse. Wir möchten nur einen medizinischen Bericht haben, obschon wir den französischen Ärzten und der französischen Regierung trauen." Der Bericht werde ein klares Bild von der Todesursache liefern, sagte Rabbo. Der jordanische Leibarzt Arafats, Aschraf el Kurdi, erklärte zuletzt öffentlich, die Geheimnistuerei werfe viele Fragen auf.
Arafat war am Donnerstag im Alter von 75 Jahren im Militärkrankenhaus Percy bei Paris gestorben, ohne dass es amtliche Informationen zur Todesursache gab. In den Palästinensergebieten hatte zuletzt das Gerücht die Runde gemacht, Israel habe Arafat vergiften lassen. Israelische und französische Regierungsstellen dementierten diese Anschuldigungen zwar, doch hat die Vermutung für Ärger in den Palästinensergebieten gesorgt und den Nachfolgeprozess nach dem Tod Arafats erschwert.
Arafat war am 29. Oktober vom Westjordanland in die Klinik bei Paris gebracht worden, nachdem er über starke Bauchschmerzen geklagt hatte. Nach ersten Tests hatten die Ärzte jedoch die Hypothese fallen lassen, Arafat leide an Blutkrebs. Das Krankenhaus durfte Informationen über den Todkranken nur nach vorheriger Absprache mit seiner Frau Suha Arafat herausgeben, wie es das französische Recht vorsieht. Letztlich hatten die Ärzte aber keine näheren Einzelheiten über den Krankheitsverlauf herausgegeben.
Arafat war gestorben, nachdem er nach mehreren Tagen im Koma eine Hirnblutung erlitten hatte. Er war am Freitag auf dem Gelände seines Hauptquartiers in Ramallah bestattet worden.