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Zwei Fäuste und Robert de NiroMit "Hands of Stone" zum Volkshelden

03.04.2018, 20:51 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Von ganz unten nach ganz oben - und wieder zurück: Roberto Durán steht aber wieder auf. Kämpfernatur und dadurch ein Volksheld Panamas. (Foto: Rico Torres)

Der beste Leichtgewichtsboxer aller Zeiten, dazu der erfolgreichste Boxtrainer aller Zeiten sowie Blut, Schweiß und Tränen: Das klingt nach großem Kino und einer Menge Pathos – erst recht, wenn Hollywood-Ikone Robert de Niro mit am Ring steht.

Kennen Sie Ray Arcel? Nein? Sollten Sie aber, zumindest wenn Ihnen etwas am Boxsport liegt. Er ist der wohl legendärste Trainer, den die Boxszene je hatte. In seiner rund 70-jährigen Karriere betreute er mehr als 2000 Boxer. 20 von ihnen brachte er zu einem Weltmeistertitel. Das ist historisch - und wird es auch bleiben. Der US-Amerikaner starb 1994 mit 94 Jahren.

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Ray Arcel (Robert de Niro) trainiert und betreut Roberto Durán (Edgar Ramirez). (Foto: Rico Torres)

Arcel ist ein Kind des New Yorker Stadtteils Harlem. Für ihn war die goldene Zeit des Boxens in den 1920er- und 1930er-Jahren. In den 50ern versuchte er den vor allem in New York ganz großen Kampf Mann gegen Mann via TV in den gesamten USA zum Durchbruch zu verhelfen. Die Mafia stoppte ihn. Er überlebte einen Mordanschlag und danach herrschte ein brüchiger Frieden mit den Mafiosi. Der Deal: Arcel durfte keinen Cent mehr mit Boxen verdienen.

Die Geschichte schreit nach einer großen Hollywood-Verfilmung? Da haben Sie vollkommen recht! Und ganz tief in Ihrem Inneren wissen Sie auch, dass es nur einen Schauspieler geben kann, der Arcel spielen kann: Robert de Niro. Er ist es auch, der dem Film "Hands of Stone" des Regisseurs Jonathan Jakubowicz ("Resistance") die nötige Klasse verleiht, er ist ein Grund, wieso man sich den gefühlt x-ten Boxfilm der letzten Jahre unbedingt anschauen sollte. Er ist aber nur ein Grund unter vielen.

Zwei große Lebensgeschichten

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"Tean Durán" - in guten wie in schlechten Zeiten. (Foto: Rico Torres)

Denn Jakubowicz erzählt nicht haarklein Arcels Geschichte, er benutzt sie vielmehr, um die Story des wohl besten Leichtgewichtsboxers aller Zeiten zu erzählen: Roberto Durán. Der panamaische Volksheld wird gespielt von Edgar Ramirez, der vor allem an der Seite von Matthew McConaughey in "Gold" glänzte.

Und wenn Sie jetzt sagen: Robert wer?; kommt das nicht von ungefähr. Durán war eine kleine Nummer. Er wuchs in den 60ern in Panama auf, als das kleine Land gerade mit den großen USA über den Panamakanal stritt. Er erlebte unruhige Zeiten, litt mit seinen Geschwistern Hunger, musste sie und die Mutter durchboxen, denn der Vater hatte sie verlassen. Der Vater war US-Amerikaner.

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Edgar Ramirez brilliert als Roberto Duràn. (Foto: Rico Torres)

Das lässt Durán nicht los, beschäftigt ihn lange. Als er zum Boxen kommt und es in Panama keine Gegner mehr für den siegeshungrigen jungen Mann gibt, lernt er Arcel kennen, US-Amerikaner durch und durch. Es dauert etwas, bis die zwei merken, dass sie, zumindest wenn es um das Boxen geht, auf gleicher Wellenlänge funken. Arcel trainiert Durán - kostenlos - und macht ihn zum Weltmeister.

Arcels Erfolgsgeheimnis heißt Strategie. Hirn statt Muskeln. Herz statt Kraft. Durán, der nicht auf den Kopf gefallen ist und auch nicht wegen des Geldes boxt, gelingt das Kunststück, einen gewissen Sugar Ray Leonard zu schlagen. Knapp zwar, aber verdient. Durán hat es geschafft, schon vor dem Kampf in Leonards Kopf zu sein, er hat ihn mental besiegt, als er dessen Frau weit vor dem Kampf aufs Übelste beschimpft hat. Das ging Leonard danach nicht mehr aus dem Kopf - und Durán war Weltmeister.

Eine Menge Pathos

Panama liebte Durán, der die Bevölkerung an seinem Reichtum teilhaben ließ. Er war eine Art Robin Hood des Boxsports. Doch sein Promoter witterte das große Geld: acht Millionen Dollar für einen Rückkampf gegen Leonard, binnen weniger Monate. Arcel winkte ab, Durán, der seinen Sieg und das Leben genoss, ebenfalls. Doch mit einem Trick kommt der Kampf zustande: Als Durán zusagt, ist er sturzbetrunken. Aber das ist der Gegenseite, Promoter Don King, egal: Entweder Durán steigt in den Ring oder ihm wird der Weltmeistertitel aberkannt.

Es kommt, wie es kommen muss: Der Rückkampf findet statt. Leonard, der aus den Fehlern seines ersten Fights gegen den Panamaer gelernt hat, spielt mit ihm, demütigt Durán, der dann für alle überraschend aufgibt und seine Karriere beendet.

Durán ist am Boden, seine Ehe steckt in der Krise, seine Landsleute lassen von ihm ab. Für sie alle ist er nur noch ein Feigling, der vor seinen Problemen wegrennt. Wenn "Hands of Stone" hier zu Ende wäre, hätte Regisseur Jakubowicz schlechte Arbeit abgeliefert. Natürlich gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Durán auferstehen lässt. Er tritt wieder in den Ring, er bekommt noch einmal einen WM-Fight. Und mit einem ganzen Land, das wieder hinter ihm steht, einem Mentor Arcel, der zuschaut und einer Ehefrau, die ihn voll unterstützt, gelingt das Unfassbare: Durán wird noch einmal Weltmeister. Sugar Ray Leonard ist aber nur TV-Kommentator bei dem Kampf, denn Durán kämpft mittlerweile in einer anderen Gewichtsklasse.

Ring frei für … "Hands of Stone"

Das ist "Hands of Stone". Das ist ein Boxfilm, wie er emotionaler kaum sein kann. Es ist ein Box-Epos mit viel Pathos - und zwei überragenden Hauptdarstellern. Hier der heißblütige, aber dennoch abgebrüht im Ring agierende Ramirez; dort der warmherzige de Niro, der kühle Stratege am Boxring. Als Zuschauer schließt man Durán und Arcel wegen Ramirez und de Niro sofort ins Herz. Loslassen? Nein, die beiden bleiben da drin. Für immer. So ähnlich wie bei William Wallace und Mel Gibson.

Wie "Braveheart" das Schottland-Epos schlechthin ist, ist "Hands of Stone" der Film, der alle Panamaer stolz machen dürfte. Durán ist in dem kleinen Land ein Nationalheld. Zu Recht. Und durch Jakubowicz' Film wissen wir das nun auch. Genauso wie die Tatsache, dass Ray Arcel der größte Boxtrainer aller Zeiten ist. Sympathisch als Mensch, knallhart als Coach.

"Hands of Stone" vereint die Geschichten von Durán und Arcel - und macht so Lust auf Boxen, New York, Geschichte und Biopics gleichermaßen. And the winner is: der Zuschauer!

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