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Rache ist die einzige Vergebung"I Spit on your Grave": The Vengeance is mine

05.04.2016, 20:03 Uhr
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Um Angela macht man als Mann lieber einen großen Bogen. (Foto: Tiberius)

1978 schockt der Rape-Revenge-Streifen "I Spit on your Grave" die Öffentlichkeit. Es hagelt Verbote. 2010 folgt ein ebenso kontroverses Remake, 2013 kommt Teil 2. Aber erst jetzt erhält die provozierende Reihe eine wirkliche Story.

"Da draußen ist man Raubtier oder Beute - man muss sich entscheiden." Mit diesen Worten sorgt die junge Angela bei ihrer Psychotherapeutin für ein Kopfschütteln. Nicht, dass diese sie nicht verstehen könnte. Als Frau in einer von Männern dominierten Welt hat man es nie leicht. Und zum Glück ist ihr auch niemals das widerfahren, was Angela durchmachen musste: Sie wurde geschlagen, misshandelt, missbraucht, mehrfach vergewaltigt und fast ermordet.

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Angelas Motto: "Gerechtigkeit kann man nicht so einfach erfahren, man muss sie sich nehmen." (Foto: Tiberius)

"Gerechtigkeit kann man nicht so einfach erfahren, man muss sie sich nehmen", sagt Angela zu ihrer Therapeutin und verschweigt dabei das Wesentliche: Immer wieder übermannen sie Gewaltfantasien. In Tagträumen schüttelt und würgt sie beispielsweise Lynne, die Leiterin ihrer Selbsthilfegruppe, als diese ihr auf die Nerven geht. Oder sie schlägt im Baumarkt einen Mann, der ihr an den Po fasst, mit einem Hammer gegen den Schädel. Die Attacken kommen überraschend, verschwinden aber auch ganz schnell wieder.

Wenn das System versagt, ...

In den Treffen der Selbsthilfegruppe fühlt sich Angela genauso unwohl wie bei ihrer Therapeutin. Immer wieder die gleichen Geschichten: Die Jugendliche Cassie, die mehrfach von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde und deren Mutter nichts dagegen tut. Auch die Polizei nicht. Oder Oscar: Dessen Tochter vergewaltigt wurde und sich danach das Leben nahm, weil ihr Peiniger wegen Verfahrensfehlern freigelassen werden musste. Oscar gibt die Schuld am Tod seiner Tochter deshalb der Polizei - und sich selbst, weil er sie überredet hat, diese einzuschalten.

Immer das Gleiche: Männer, die sich einfach nehmen, was sie wollen - und die Gesellschaft lässt sie und hindert sie viel zu selten daran. Den Glauben an Ordnung und Gesetz hat Angela deshalb verloren. Gerechtigkeit? Dazu hat Angela ihre ganz eigene Meinung und findet in Marla, einer weiteren Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe, eine Seelenverwandte. Marla gibt von sich nicht viel preis, aber Angela und sie verstehen sich auf Anhieb.

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"I Spit on your Grave 3" ist bei Tiberius erschienen. (Foto: Tiberius)

Sie gehen einen trinken. Quatschen. Als ein alter, sturzbetrunkener Mann sie an der Bar belästigt, machen sich die beiden einen Jux daraus, ihm zu folgen und ihm vor seiner Haustür die Hosen runterzuziehen. Während der Mann einem Herzinfarkt nahe ist, rennen Marla und Angela feixend in die Nacht.

… musst du dich entscheiden

Der nächste Ausflug der beiden wird härter: Sie knöpfen sich verkleidet Cassies Vater vor. Marla schlägt ihn zusammen, rät ihm, die Finger endlich von seiner Tochter zu lassen. Wenn nicht: Wenn er auch nur eine Frau schief anguckt, wird er noch einmal die Bekanntschaft der beiden machen. Aber dann wird es nicht so glimpflich ausgehen.

Doch dann stirbt Marla. Ihr Ex-Freund hat sie umgebracht. Das zumindest liest Marla zwischen den Zeilen bei einem Gespräch mit dem ermittelnden Polizisten. Kurz darauf ist Marlas Ex tot. Es sieht nach einem Racheakt aus. Aber noch hat die Polizei keine Beweise. Das ändert sich, als Cassies Vater stirbt. Gefesselt, misshandelt und penetriert mit einer Eisenstange. Genau so hatte es Oscar der Selbsthilfegruppe geschildert: So müsse man mit dem Schwein verfahren, das Cassie erneut vergewaltigt hat.

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Die Polizei kennt Angelas Vergangenheit als Jennifer Hills. (Foto: Tiberius)

Die Polizei nimmt Oscar mit. Aber nun ist sie auch auf Angelas Spur. Die Beamten wissen von ihrer Vergangenheit, als sie noch Jennifer Hills hieß und Autorin war. Von ihrem Ausflug in ein abgelegenes Haus im Wald, wo sie ihr neues Buch schreiben wollte und wo sie von einer Gruppe Männer missbraucht und vergewaltigt wurde. Sogar der Sheriff mischte damals mit. Am Ende überlebte keiner der Peiniger - nur Jennifer.

Und genau die scheint nun in Angela wieder erwacht zu sein. Jennifer, der Racheengel. Männermordend sorgt sie für die Gerechtigkeit, die den misshandelten Frauen sonst nicht widerfährt. Und sie geht nicht zimperlich zu Werke.

Gerechtigkeit durch Gewalt?

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. (Foto: Tiberius)

Nicht zimperlich ist bei "I Spit on your Grave 3" Programm - ebenso wie bei bisher allen Filmen der Reihe. Sei es das Original von 1978, mit dem Meir Zarchi für Kopfschütteln und Verbote sorgte. Oder auch das 2010er Remake von Stephen R. Monroe, der auch für den im düsteren Ostblock spielenden Teil 2 2013 verantwortlich zeichnete. Für den nun auf DVD erscheinenden dritten Teil nahm R.D. Braunstein auf dem Regiestuhl Platz.

Und das kommt dem Film sehr zugute. Statt plumper Gewaltverherrlichung und Blutorgien am laufenden Band setzt Braunstein mehr auf die Story und zeichnet eine Charakterstudie von Angela alias Jennifer Hills. "I Spit on your Grave 3" ist vollgepackt mit Gesellschaftskritik und damit kein reiner Rape-and-Revenge-Reißer. Klar, Rache und Vergeltung fallen überaus gewalttätig und skrupellos aus. Aber die Szenen stehen im Gegensatz zu den Monroe-Filmen nicht im Mittelpunkt.

Raubtier oder Beute?

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Cassies Vergewaltiger bekommt auch Angela in die Hände. (Foto: Tiberius)

Das dürfte Fans des Originals, des Remakes und Teil 2 vielleicht nicht gefallen. Es bringt die Reihe aber definitiv weiter. Dabei hilft auch, dass der Film mit der Remake-Hauptdarstellerin Sarah Butler und zudem direkt an den ersten Monroe-Film ansetzt. Nach ihrer blutigen Rache versucht Jennifer Hills als Angela einen Neuanfang. Dass dieser nicht einfach wird, ist nachvollziehbar. Sie versucht ihn dennoch. Aber der ihr zugefügte Schmerz sitzt zu tief. Und noch immer ist das Leben nicht gerechter geworden.

Entsprechend schmutzig kommt "I Spit on your Grave 3" daher. Die Bilder sind düster, fast schon depressiv: Grau dominiert. In dem Los Angeles der Angela will man nicht freiwillig leben. Dieses Los Angeles macht Angst. "Fear the Walking Dead" und die zweite Staffel "True Detective" lassen grüßen.

Die Stimmung fesselt den Zuschauer ebenso wie Angelas Rachefeldzug und ihre damit verbundene Suche nach eigener Vergebung - auch nach Filmende noch. Man stellt sich Fragen. Etwa: Wie würde man selbst reagieren, wenn man in Oscars Situation wäre? In Marlas, Cassies oder eben Angelas Haut stecken würde? Wäre man lieber Raubtier oder Beute? Angela hat ihre Entscheidung getroffen. Konsequent. Wie entscheidest du dich?

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Quelle: ntv.de

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