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Humor, Gewalt und Henry Rollins"He never died" - immer und immer wieder

21.06.2016, 18:46 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Jack ruht in sich selbst, solange er seine täglichen Routinen einhält. (Foto: WVG)

Aufstehen, Essen, Bingo spielen: Der Tagesablauf von Jack ist klar geregelt - aus einem guten Grund. Doch als seine Tochter entführt wird, ist Schluss mit der liebgewonnenen Routine. Jack wird zum Racheengel. Sein Vorteil: Er kann nicht sterben.

Jack trinkt nicht. Jack raucht nicht. So weit, so gut. Jack scheint völlig normal zu sein. Wie du und ich. Aber: Jack spielt Bingo. Und er geht regelmäßig in das gleiche Diner, sitzt dort immer auf dem gleichen Platz, lässt sich immer von ein und derselben Kellnerin bedienen. Irgendetwas stimmt mit Jack nicht.

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Ein elder statesman ist Jack nur auf den ersten Blick. (Foto: WVG)

Er hat graues Haar, ein grimmiges Gesicht, eine Türsteherfigur. Und neuerdings ist er Vater einer 19 Jahre alten Tochter. Andrea taucht urplötzlich vor seinem Apartment auf und ehe Jack die Tür zuschlagen kann, nimmt sein so mühsam in geordneten Bahnen laufendes Leben eine unverhoffte Wendung. Seine Lebensroutine bekommt Risse - und das ist nicht gut.

Ein Aha-Effekt

Noch schlimmer aber ist, dass Andrea von skrupellosen Gangstern entführt wird. Eigentlich haben sie es auf Jack abgesehen, denn der hat eine mehr als düstere Vergangenheit. Und die holt ihn immer wieder ein. Jack kann ihr nicht entfliehen. Warum auch? Sie ist gottgewollt, denn Jack heißt eigentlich Kain.

Seit er seinen Bruder Abel erschlagen hat, muss er dafür auf Erden büßen: lebenslang, denn er stirbt nicht. Stattdessen dürstet es ihn nach Menschenblut und wenn er ein Steak isst, muss es erstens roh und zweitens von einem Menschen sein. Tja, Gott hat schon einen komischen Humor. Findet Jack zumindest.

Nicht tot zu kriegen

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Was raus muss, muss halt raus. (Foto: WVG)

Also macht er sich auf die Suche nach seiner Tochter. Dass er nicht totzukriegen ist, spielt Jack dabei in die Karten. Dass er statt des Gejagten zum Jäger wird, der andere unter die Erde bringt und das auf sehr rohe und schmerzhafte Weise, könnte ihn eigentlich zum Schmunzeln bringen. Aber dafür ist die Lage nun doch irgendwie zu ernst. Immerhin geht es um seine Tochter, die er aber zugegebenermaßen vorher noch nie gesehen hat. Mit ihrer Mutter war er nur einen Monat zusammen. Seitdem führen sie ab und an, aber eben immer wieder, telefonisch einen verbalen Krieg.

Was Jack mit den Entführern seiner Tochter macht, kommt auch einem Krieg gleich, einem Rachefeldzug sondergleichen. Und so zieht sich Jack ungeniert Eispickel aus dem Rücken und pult sich Kugeln aus dem Fleisch, weil er sonst, wenn er sie drinlässt, Kopfschmerzen davon bekommt. Er wird niedergestreckt und steht wieder auf, immer ein bisschen mehr aggro als zuvor. Worauf das Ganze am Ende hinausläuft, ist nahezu selbsterklärend. Und dennoch macht "He never died" einen Riesenspaß!

Henry Rollins at it's best

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"He never died" ist bei WVG/Splendid erschienen. (Foto: WVG)

Das liegt zum einen an der Person des Jack selbst: Wortkarg, dafür schwarzhumorig und irgendwie liebenswert lässt Drehbuchautor und Regisseur Jason Krawczyk ("The Briefcase") Jack auf die Zuschauer von "He never died" los. Zum anderen hilft dabei aber auch der Hauptdarsteller selbst: Henry Rollins.

Harte Gitarrenriffs - zuerst mit Black Flag, dann mit seiner eigenen Henry Rollins Band - pflastern in den späten 1980ern und frühen 1990ern seinen Weg. Später macht er sich dann auch als Autor einen Namen. In der Schauspielerei bleiben nur Nebenrollen - egal, ob im Horror-Genre ("Wrong Turn 2", "Feast"), bei Blockbuster-Produktionen wie "Heat", "Bad Boys 2" und "Jack Frost" oder in Kultfilmen wie "Lost Highway" und "Vernetzt - Johnny Mnemonic". Bis jetzt.

In "He never died" darf er endlich einmal die Hauptrolle spielen. Und er brilliert. Muss man einfach so sagen. Der Filmtitel und die Rolle des Jack sind Rollins aber auch auf den Leib geschrieben. Der Film ist direkt, geradeheraus, mit tiefsinnigem Humor, brutal und blutig ja, aber bei Weitem kein Splatter. Das passt auch irgendwie alles zu Rollins selbst.

Wer ihn aus den frühen Musikvideos kennt oder ihn da zum ersten Mal sieht, wechselt danach freiwillig die Straßenseite, wenn Rollins auf ihn zukommt. Er wirft ihm zudem freiwillig sein Portemonnaie und die Autoschlüssel vor die Füße. Hauptsache, Rollins geht weiter und lässt einen in Ruhe.

Das dürften sich auch die Gangster im Film gewünscht haben. Aber wie gesagt: Gott hat einen komischen Humor. Passenderweise hat der Film bereits einen gewissen Kultcharakter, sodass eine mehrteilige TV-Serie nachfolgen soll.  Ob Jack auch darin Bingo spielt? Die Antwort gibt er bereits im Film: "Es sind immer die Normalen, die man fürchten muss."

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Quelle: ntv.de

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