Jagd nach dem Bernsteinzimmer"Hans Kloss": Bond in Wehrmachtsuniform

Das Verschwinden des Bernsteinzimmers ist eines der größten Mysterien des Dritten Reiches. Es soll zuletzt im Königsberger Schloss gelagert worden sein. Danach verlieren sich die Spuren. Ist es verbrannt? Wurde es gestohlen? Oder verkauft? Ein Spionagethriller sucht nach Antworten.
Er ist nicht der Geheimagent Ihrer Majestät. Sein Name ist auch nicht James Bond. Er heißt Kloss. Hans Kloss. So langweilig der Name auch klingen mag, die Geschichte dahinter ist hochspannend und filmreif. Das dachte sich auch der polnische Regisseur Patryk Vega. Er nahm sich die TV-Serie "Sekunden entscheiden" rund um den"roten James Bond" als Vorbild - eine der erfolgreichsten im ehemaligen Ostblock -, und kreierte den actiongeladenen Kinofilm "Hans Kloss - Spion zwischen den Fronten", der nun auf DVD erscheint. Endlich, muss man da sagen!
Die Vorurteile sind groß: Hans Kloss - ein Allerweltsname. Aber vielleicht ist genau das der Reiz und das Erfolgsmerkmal der Figur. Jeder kann sich mit ihr identifizieren. Und verpackt in ein sehr ansprechendes Kriegsambiente rund um das vor der Eroberung durch die Sowjets stehende Königsberg, greift der Filmplot zudem auf eines der nach wie vor faszinierendsten Geheimnisse des Dritten Reiches auf: das Verschwinden des Bernsteinzimmers.
Zeitlose Faszination: Bernsteinzimmer
Preußenkönig Friedrich I. (1657-1713) gibt den Auftrag zur Fertigung. Es steht im Berliner Stadtschloss, ehe es 1716 von Friedrich Wilhelm I. als Geschenk an den russischen Zaren Peter den Großen geht. Erst im Katharinenpalast verbaut, demontiert es im Oktober 1941 die Wehrmacht und schafft es nach Königsberg. Mit Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges, englischen Bombenangriffen auf Königsberg und dem Vordringen der Roten Armee soll es dann in Holzkisten verpackt im Keller des Schlosses gelandet sein.
Von da an ist alles Legende. Wurde es bei einem englischen Bombardement vernichtet? Wurde es ein Opfer der Flammen? Haben es die Sowjets als Kriegsbeute mitgenommen? Oder konnten es die Nazis etwa noch rechtzeitig verstecken? Wenn ja, wie? Und wo?
Hier greift der Filmplot zu: Das als achtes Weltwunder bezeichnete Bernsteinzimmer soll 1945 aus dem eingekesselten Königsberg nach Berlin geschafft werden. Kein einfaches Unterfangen, denn der Transport via Eisenbahn ist unmöglich, ebenso über die Straße. Selbst wenn der Flughafen noch in deutscher Hand ist - auch in der Luft kann die Fracht, bestehend aus 25 Kisten, nicht gefahrlos aus der Stadt gebracht werden. Guter Rat ist teuer. Hans Kloss hat eine Idee.
Das Haff ist zugefroren, ein Transport der wertvollen Fracht über das Eis erscheint möglich. Allerdings wird der SS-Sturmbannführer Hermann Brunner mit der Aufgabe betreut. Nicht nur, dass er eigene Pläne mit dem millionenschweren Schatz zu haben scheint, auch ist er der große Gegenspieler von Kloss. Ein Duell der beiden bahnt sich an, ein Kampf auf Leben und Tod, der sich länger hinzieht, als beide gedacht haben - und der erst Jahrzehnte später sein blutiges Ende finden wird.
Zeitloser Spionagethriller
Was im März 1945 in Königsberg beginnt, setzt sich 1975 in Madrid fort. Auf der Beerdigung eines hochrangigen Nazis kreuzen sich Kloss' und Brunners Wege wieder. Wie sich herausstellt, hat Brunner seine SS-Folterkünste nicht verlernt. Sein Transport des Bernsteinzimmers über das Haff vor 30 Jahren war bombardiert worden, aber gleichzeitig auch nur ein Ablenkungsmanöver, um den wahren "größten Schatz des Dritten Reichs" in Sicherheit zu bringen.
Nun treffen Brunner und Kloss erneut aufeinander, auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer. Diesmal geht es um den Aufbau eines Vierten Reiches, zu dem das Bernsteinzimmer das nötige Kapital liefern soll. Mit von der Partie sind diesmal nicht nur alte SS-Schergen und längst tot geglaubte Nazi-Größen, sondern auch die Stasi und die Geheimdienste der USA und Polens. Zum Showdown an der Ostseeküste der DDR fährt Regisseur Vega dann noch einmal alles auf, was die Special-Effects-Kammer des polnischen Kinos hergibt. Aber nicht nur das, auch ein offenes Ende - wie bei James Bond überlebt der Geheimagent natürlich - gehört zum genialen Plot dazu.
Während des Films springt Vega zwischen den beiden Erzählsträngen gekonnt hin und her. Königsberg 1945 sowie Polen und die DDR 1975 bilden dafür das Grundgerüst. Die Spion-typische Liebelei darf da natürlich ebenso wenig fehlen wie der detailreiche und technikverliebte Blick in die Geschichte.
Dass "Hans Kloss - Spion zwischen den Fronten" aber zu einem der größten polnischen Kinokassenknüller aller Zeiten wurde, liegt aber auch an den beiden Hauptdarstellern der namensgebenden Hauptfigur des Films: Stanislaw Mikulski und Tomasz Kot. In ihnen entdeckt der Zuschauer die charismatischen Züge eines Harrison Ford oder auch eines Sean Connery wieder. Sei es der junge Hans Kloss (Kot) in den Wirren des Krieges 1945 oder der in die Jahre gekommene, aber noch voll einsatzfähige Kloss (Mikulski) Mitte der 1970er.
Nun bleibt nur noch abzuwarten, ob der "Spion zwischen den Fronten" wie der "Geheimagent Ihrer Majestät" oder auch dessen schwedisches Pendant "Agent Hamilton" in Serie in die Kinos und heimischen Wohnzimmer kommt. Zu wünschen wäre es, denn hinter dem Namen Hans Kloss steckt weit mehr, als man sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen kann.
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