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Staatsakt aus dem RuderFischer außen vor

12.11.2004, 14:33 Uhr

Die Trauerfeier für Jassir Arafat in Kairo trug alle Züge eines Staatsaktes - allerdings ein Staatsakt, der gegen Ende etwas aus dem Ruder lief. Sicherheitskräfte schoben Minister herum wie lästige Demonstranten.

PLO-Chef Jassir Arafat ist zwar nie Präsident eines unabhängigen Palästinenserstaates geworden. Die Trauerfeier in Kairo trug jedoch alle Züge eines Staatsaktes - allerdings ein Staatsakt, der gegen Ende etwas aus dem Ruder lief. Sicherheitskräfte schoben Minister, die wegen des dichten Luftverkehrs zu spät gekommen waren, herum wie lästige Demonstranten.

Viele Trauergäste erhielten gar keine Gelegenheit, der Palästinenserführung, die in einem roten Zelt am Flughafen wartete, zu kondolieren. Dafür begleiteten Militärs den Sarg. Die palästinensische Hymne (Mein Land, mein Land) wurde gespielt. Neben den arabischen Staatschefs erwiesen auch viele hochrangige Politiker aus Entwicklungsländern dem "Rais" die letzte Ehre, der in ihren Augen nie ein Terrorist, sondern immer nur ein Freiheitskämpfer war.

Als sich der Trauerzug zum Militärflughafen Al-Masa bewegt, lassen Sicherheitskräfte zunächst nicht alle Trauergäste vor. Hamas- Politbürochef Chaled Meschaal wird auf dem Weg zum Rollfeld ebenso zurückgedrängt wie der ägyptische Präsidentenberater Osama al-Bas. Als Bundesaußenminister Joschka Fischer und seine Delegation nach Wartschleifen über Kairo endlich landen dürfen und mit einem Bus zum Trauerzug gebracht werden, schließen die Sicherheitskräfte gerade die Tore zum Militärflughafen und rufen den Deutschen nur noch zu: "Es ist vorbei".

Um den 82 Jahre alten Hans-Jürgen Wischnewski, der im Rollstuhl angereist ist, im Gedränge zu schützen, umringen ihn die Leibwächter und andere Mitglieder der deutschen Delegation. Der SPD-Politiker, dem Arafat 1997 den höchsten palästinensischen Orden verliehen hatte, klagt dennoch nicht. Er ist zufrieden, dass Arafat zumindest nach seinem Tod wie ein echter Staatschef gewürdigt wird, obwohl die Israelis in den letzten Jahren versucht hatten, ihn politisch kalt zu stellen.

Fischer schüttelt nur noch den Kopf. Der Außenminister ist zwar enttäuscht, dass er es nicht mehr rechtzeitig geschafft hat, doch er bemüht sich um Gelassenheit: "Es ist wie es ist." Nach rund einer Stunde Aufenthalt verlässt er Kairo wieder.

Viele Weggefährten, die mit Arafat 30 Jahre lang für die Verwirklichung der Rechte der Palästinenser gekämpft hatten, haben heute Tränen in den Augen, selbst diejenigen, die zum Teil unter Arafats schwierigen Führungsstil zu leiden hatten. Auch Arafats Witwe Suha, die seit 2001 von ihrem Mann getrennt in Frankreich lebt, ist sichtlich ergriffen.

Die arabischen Staatschefs stehen am Militärflughafen in der ersten Reihe, als der mit der palästinensischen Fahne bedeckte Sarg in die Transportmaschine getragen wird. Sie hatten den zuletzt von den Israelis in seinem Hauptquartier in Ramallah eingesperrten Palästinenserführer seit Jahren nicht mehr gesehen.

Ob die Palästinenser ohne Arafat einen erfolgreichen politischen Neuanfang wagen oder ob sich die Führungsriege um Mahmud Abbas, Rauhi Fattuh, Nabil Schaath und Faruk Kaddumi in Rivalitäten verstricken wird, kann noch niemand sagen. Kein gutes Omen ist allerdings der erbitterte Streit, der in Kairo in der Nacht zum Freitag entbrannte, als entschieden werden musste, welche zwölf palästinensischen Spitzenpolitiker Arafats Leichnam im Hubschrauber nach Ramallah begleiten dürfen.

(von Anne-Beatrice Clasmann, dpa)

Jassir Arafat