"Midnight Man" vs. "Evil Ones"Don't fuck with the demons
Ein vergessenes okkultes Spiel hier, ein altes, mit fremdartigen Symbolen verziertes Haus da. Das und ein paar äußerst üble Dämonen sind die Hauptzutaten für zwei Horrorfilme, von denen bei näherer Betrachtung einer wirklich schockt.
Verbotenes hat seinen Reiz. Wenn Kinder ein Schild sehen: "Baustelle! Betreten verboten! Eltern haften für ihre Kinder" - was wollen die Kleinen dann sofort tun? Richtig, auf der Baustelle spielen. Was machen sie, wenn auf einer verschlossenen Tür steht: "Betreten verboten!" - sie versuchen sie auf Teufel komm raus zu öffnen. Denn sie sind neugierig, was sich dahinter wohl verbirgt. Etwas Wertvolles? Etwas Gefährliches? Warum sonst sollte man die Tür sonst verschließen?! Erwachsene sind da rationaler, meistens jedenfalls.
Was aber passieren kann, wenn sie es nicht sind, zeigen zwei Horrorfilme, die das gleiche Thema beackern, aber unterschiedlicher nicht ausfallen könnten: "Midnight Man" und "The Evil Ones". Eine Warnung vorweg: "Weiterlesen auf eigene Gefahr!"
"The Midnight Man"
Alex (Gabrielle Haugh; "Headlock", "Jeepers Creepers 3") wohnt seit einiger Zeit wieder bei ihrer Großmutter Anna (Lin Shaye; "Insidious"-Reihe), die an Demenz leidet und auf Hilfe angewiesen ist, seitdem Alex' Mutter tot ist. Alex gibt ihr Bestes, doch die Launen ihrer Großmutter sind nur schwer zu ertragen. Eines Abends verlangt sie von ihrer Enkelin, einen Taschenspiegel zu suchen, weil sie ihn so sehr mag. Er muss auf dem Dachboden in einer alten Kiste irgendwo sein.
Alex macht sich auf die Suche. Sie findet ihn, aber auch eine Art Spielanleitung. Sie ist neugierig, auch ihr mittlerweile im Haus aufgetauchter Freund Miles (Grayson Gabriel; "Mega Monster Movie") ist es und so machen sie sich daran, die Anleitung zu lesen und das geheimnisvolle Spiel zu spielen - mit dem "Midnight Man", dem "Schattenmann".
Das Spiel dient dazu, ihn heraufzubeschwören. Das Dumme ist nur: Ist er erst einmal da, geht es um Leben oder Tod, denn er konfrontiert die Spielteilnehmer mit ihren größten Ängsten. Das Spiel beginnt Schlag Mitternacht, es endet 3.33 Uhr. In dieser Zeit gilt es, den Schattenmann zu meiden, nicht länger an einem Fleck zu verweilen, immer in Bewegung zu sein, in der Hand eine brennende Kerze. Sollte diese verlöschen, muss sie binnen zehn Sekunden wieder entzündet werden. Ein Salzkreis um den Spieler herum soll ebenfalls vor dem Schattenmann schützen.
So viel zu Regeln, die allerdings zu Beginn nicht alle bekannt sind, denn ein Teil der Spielanleitung fehlt. Miles findet ihn, der Schattenmann macht ihm allerdings dabei seine erste Aufwartung. Alex wird ebenfalls mit ihren Ängsten konfrontiert. Aber solange sich die beiden Freunde an die Regeln halten, denken sie, muss es auch der Schattenmann tun.
Aber das Böse kennt keine Regeln. Schon bald wird Alex und Miles klar, dass sie - und nicht nur sie - in tödlicher Gefahr sind und das Alex' Großmutter ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt.
"The Evil Ones"
Ein düsteres Geheimnis umgibt auch ein altes Haus, idyllisch gelegen, irgendwo abgeschieden im Hinterland. Emily (Margaret Judson; "The Newsroom") und ihr Mann Jesse (Devin Goodsell; "Cafe Glass") haben es gekauft, damit Emily näher bei ihrem schwerkranken Bruder Zach (Michael Johnston; "Teen Wolf"; "Slash") sein kann, der in der Nähe wegen seiner Zerebralparese behandelt werden soll. Zach war Opfer eines Autounfalls, bei dem seine und Emilys Mutter verbrannt sind.
Gemeinsam mit den beiden Freunden Woodrow (Mark Furze) und Michelle (Bobby T) wollen Emily und Jesse das Haus auf Vordermann bringen. Mit ein paar Bierchen intus machen sie sich frisch ans Werk. Bei ihren Aufräumarbeiten stoßen sie auf einige Tafeln mit fremdartigen, uralten Symbolen sowie Zeichnungen. Sie entsorgen alles vor dem Haus. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellt.
Im Haus sind mehrere Dämonen gefangen und die wollen nun spielen. Zach ist dabei das perfekte Spielobjekt, denn die Dämonen nutzen seine Krankheit und machen ihm weis, dass sie ihn retten können, ihn wieder laufen lassen können, ihn heilen können. Das Resultat ist aber ein anderes.
Im Haus richten sich die Freunde nun gegeneinander, teilweise besessen. Denn die Dämonen zwingen sie dazu, sich selbst oder andere zu verletzten. Die dunklen Geister treten dann als Heilsbringer auf. Das dabei auch der eine oder andere über den Jordan geht, fällt unter Kollateralschaden. Jetzt weiß Emily auch, wieso der Vertreter der Stadt bei der Schlüsselübergabe nicht ins Haus und möglichst schnell wieder weg wollte. Game over!
Regel 1: Dämonen halten sich nicht an Regeln!
Tja, Dämonen sollte man nicht reizen, aber vor allem sollte man sich nicht auf ein Spiel mit ihnen einlassen. Das weiß man als Zuschauer spätestens seitdem Bart Simpson seine Seele verkauft hat, oder seit "Ghost Rider" mit Nicholas Cage. Man kann nur verlieren. Erst recht, wenn sich die Spielanleitung in einer alten Schachtel verbirgt - wie bei der von Alex - und diese verschlossen ist. "Possession" lässt grüßen.
Dass die Dämonen wiederum Spaß haben, arme Seelen zu quälen, hat Sam Raimis "Evil Dead" eindrucksvoll aufgezeigt. An den erinnert dann auch "The Evil Ones", der im Original "Bornless Ones" heißt. Regisseur Alexander Babaev ist damit ein durchaus gelungenes Debüt gelungen. Nette Mädels und Jungs, ein paar fiese Dämonen und Gewaltakte, die die FSK-18-Einstufung durchaus rechtfertigen, sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Das Ende kommt überraschend, bietet aber Spekulationen zu weiteren Filmen in dieser Richtung.
Regel 2: Mehr Blut bringt mehr Spaß!
Das ist auch bei "The Midnight Man" des Regisseurs Travis Zariwny ("Cabin Fever: The New Outbreak") so. Allerdings wird der Film nicht ganz den enormen Erwartungen gerecht. Da wäre etwa der Name Zariwny, der durch die "Neuauflage" von Eli Roths "Cabin Fever" durchaus mit Blut getränkt ist, aber mit "The Midnight Man" eher suspensig daherkommt.
Da wären aber auch die Horror-Kult-Schauspieler Robert Englund ("Nightmare"-Reihe") und Lin Shaye ("Insidious"-Reihe), deren Namen dem Film durchaus ein gewisses Standing geben. Aber sowohl Shaye als auch der als behandelnder Doktor auftretende Englund kommen in Zariwnys Film nur Nebenrollen zu, wobei man Shayes schauspielerisches Können immerhin erahnen kann.
Zariwnys Film ist eine Neuauflage des gleichnamigen Low-Budget-Streifens von Rob Kennedy aus dem Jahr 2013. An dessen Charme reicht er allerdings nicht heran. Er macht zwar Spaß, unterhält auch, aber am Ende hat der Zuschauer das Gefühl, irgendetwas fehlt: Gruselelemente und Schockeffekte. Vielleicht wäre es auch hier besser gewesen, man hätte "The Midnight Man" auf FSK 18 getrimmt. Aber vielleicht passiert das ja noch, wer weiß. Die guten Ansätze sind da, es hätte auf jeden Fall seinen Reiz ...